Pflanzenbau News Strickhof vom 23. April 2026
Raps
Verhaltene Blüte im Raps, Ursachen?
Der Raps wurde intensiv geführt und trotzdem sieht man einige Rapsfelder, die verhalten blühen. Bei genauer Betrachtung der Haupttriebe fallen an der Spitze hellbraune, verkümmerte Knospen auf und am Haupttrieb entdeckt man Stiele ohne Knospen. Sind diese Stiele dünn und nur knapp 1cm lang, hat die Pflanze selbst die Knospen abgestossen. Man redet dann von «Physiologischer Knospenwelke». Sie kann sehr viele Ursachen haben. Eine mögliche Erklärung wäre der grosse Wetterwechsel während den Ostertagen. Kalte Witterung vor dem Osterwochenende gefolgt von wüchsigem Wetter mit hoher Strahlungsintensität in der Hauptwachstumsphase kann für die Pflanzen physiologischen Stress hervorrufen. Eine weitere Erklärung: Der späte Saattermin Mitte September, dabei konnten die Pflanzen zu wenig Wurzelmasse bilden und in der grossen Wachstumsphase über Ostern konnte die Pflanze zu wenig Nährstoffe und Spurenelement zur Verfügung stellen. Bei den 2-3 cm langen Stielen nagte der Glanzkäfer zuvor an den Knospen. Weil die Knospen beschädigt wurden, stiess sie die Pflanze ab. Zurück bleibt ein Stiel mit fehlender Knospe/Schote. Durch die Art und Länge der Stielchen kann erkannt werden, ob Glanzkäfer oder Knospenwelke die Ursache sind. Dank seines enormen Regenerationsvermögens kann der Raps die fehlenden Blüten möglicherweise noch etwas kompensieren. Auf jeden Fall sollten zögerlich blühende Felder nicht voreilig gemulcht werden.
Getreide
Verkürzen, Vorsicht bei Ethephon in Gerste und Frost
Die Wintergerste befindet sich im Stadium DC 37, das heisst, die Spitze des Fahnenblattes ist sichtbar. Der Verkürzer Ethephon (Dartilon S, Elotin etc.) sollte im Stadium DC 37-49 eingesetzt werden. Die stärkste Wirkung zur Verhinderung des Ährenknickens wird im Stadium DC 37-39 (Fahnenblattspitze sichtbar – Fahnenblatt ganz entfaltet) erreicht. In Lagen mit Boden-Frostgefahr sollte in den nächsten Tagen bis und mit Samstag auf eine Behandlung mit Ethephon verzichtet werden. Ab Sonntag sind keine Fröste mehr zu erwarten und Ethephon oder Terpal kann angewendet werden. Alle Verkürzer mit dem solo Wirkstoff Ethephon und einem Gehalt von 480g/l müssen bis zum 31.12.2026 aufgebraucht werden. Ethephon Ersatzprodukte haben einen höheren Wirkstoffgehalt von 660g Ethephon/l. Diese sind weiterhin im Getreide zugelassen.
Eigentlich sollten dichte Wintergerstenbestände im DC 32 verkürzt worden sein. Sofern noch keine Verkürzung gemacht wurde, empfehlen wir in Bodenfrost-Lagen Verkürzer wie Prodax / Paudor oder Medax.
Der Weizen befindet sich im DC 31-32. Gerste wie Weizen stehen eigentlich sehr gesund da. Mehltau Polster oder Rostpusteln haben wir keine beobachtet. Bei Weizen findet man je nach Sortenanfälligkeit auf den bodennahen Blättern und auch bereits vereinzelt weiter oben Septoria Blattflecken, welche im ÖLN aber erst ab Stadium DC 37 im Weizen kontrolliert werden.
Metribuzin-Aufbrauchfrist
Metribuzin ist in Herbiziden für Kartoffeln, Getreide, Spargel und Soja zugelassen.
Herbizide mit dem Wirkstoff Metribuzin (Bsp. Sencor SC, Arcade 880 EC in Kartoffeln oder Herold Flex im Getreide und Artist im Soja- oder Spargelanbau) müssen bis spätestens 1. Juli 2026 aufgebraucht werden. Der Wirkstoff Metribuzin wurde durch die EU neu bewertet. Es wurden kritische Auswirkungen für die Umwelt und die Gesundheit (Hormon störend) festgestellt. Darum wurde die Bewilligung für Metribuzin nicht erneuert.
Im Kartoffel-, Soja- und Sonnenblumen-Anbau steht als Ersatzwirkstoff das Metobromuron (Proman, Ramba, Soleto) zur Verfügung.
Zuckerrüben
Erdfloh
Die neue Saatgutbeizung hält bis dato was sie verspricht. Mit Buteo Start gebeizte Rübenpflanzen sind bis anhin merklich weniger vom Schabfrass des Erdflohs betroffen als überlagertes Saatgut ohne neuen Wirkstoff. Dadurch konnte das Keimblattstadium und Teile des 2-Blattstadiums ohne grössere Schäden überwunden werden. Die Rüben sollten aber nach wie vor regelmässig auf Schäden kontrolliert werden. Momentan herrscht eindeutiges Erdflohwetter und die Wirkungsdauer der Beize beträgt ab Saat ungefähr vier Wochen. Ab dem 4-Blattstadium verursacht der Erdfloh in der Regel keine relevanten Schäden mehr. Die Bekämpfung des Erdflohs mit Insektiziden ist nach wie vor sonderbewilligungspflichtig (Keimblattstadium: 50% der Pflanzen mit Schaden / 2-4-Blattstadium: 80% der Pflanzen mit Schaden).
Herbizide
Der erste klassische Herbizidsplit wurde vielerorts durchgeführt. Die momentanen Wetterbedingungen veranlassen eine Anpassung der Herbizidstrategie. Bei trockenen, sonnigen Bedingungen wirken Kontaktmittel besonders gut. Die Wirkung der Bodenherbizide wird hingegen etwas gehemmt, da die Feuchtigkeit für die Bildung eines Spritzfilmes fehlt. Trotz Trockenheit sollte aber nicht gänzlich auf Metamitron in der Mischung verzichtet werden, da die drei Hauptwirkstoffe Metamitron, Phenmedipham und Ethofumesat eine aditive Wirkung aufeinander besitzen und die Restwirkung der Bodenherbizide nicht zu vernachlässigen sind. Zudem kann die Bodenkomponente beim nächsten Regenfall noch eine Nachwirkung erbringen. Die Herbizidapplikation muss bei möglichst windstillen Verhältnissen durchgeführt werden, weshalb das Zeitfenster frühmorgens oder nach Sonnenuntergang gewählt werden sollte. Auch in Conviso Rüben erfolgte bereits die erste Applikation. Mit der folgenden Behandlung kann in der Regel zwei bis drei Wochen zugewartet werden, bis die nächste Unkrautwelle das 2-4 Blattstadium erreicht hat (Stadium Weisser Gänsefuss beachten).
Wurzelbrand
Neben Erdflöhen und Erdschnaken können in der momentanen Stadiumsphase auch andere Schaderreger die Rüben befallen. Aufgelaufene Rübenpflanzen, die welken und umfallen, sind Schadbilder von Wurzelbrand. Beim Betrachten der Rübenwurzeln können Einschnürungen am Wurzelhals ersichtlich werden. An diesen Stellen ist die Wurzel nicht mehr weiss, sondern braun-schwarz verfärbt. In der Folge wird die Wurzel abfaulen und die Pflanze stirbt ab. Ein Befall wird vor allem bei sehr frühen oder sehr späten Saaten gefördert. Die Bodenstruktur spielt ebenfalls eine sehr wichtige Rolle bei der Vorbeugung der Krankheit. Bodenverkrustungen, tiefe pH-Werte und eine tiefe Saatablage kann das Auftreten der Krankheit bestärken. Neben der Saatgutbeizung ist die Förderung einer raschen Jugendentwicklung beste Bekämpfungsmöglichkeit gegen die Krankheit.