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Drahtwurmbefall verursacht Knollenschu00e4den. Bild: M. Hochstrasser, Strickhof>

Pflanzenbau News Strickhof vom 15. April 2026

Themen dieser Woche: Insektizid-Granulat "Beluga" gegen Drahtwürmer ¦ Kartoffeln: Unkrautbekämpfung ¦ Feldbau: Mäusebekämpfung nur mit Fachbewilligung ¦ Zuckerrüben: Herbizide; Schaderreger beobachten ¦ Düngung: Unterfuss zu Mais, sinnvoll oder nicht?; Hofdünger im Mais

Insektizid-Granulat «Beluga»

Drahtwürmer

Der Drahtwurm zählt zu den hartnäckigsten Schädlingen im Ackerbau. Mit dem Verlust der Neonikotinoid-Beizung stand insbesondere der Maisanbau in den letzten Jahren weitgehend schutzlos da. Ein starker Befall führte oft zu einer Neusaat des Maises. Gegen den Drahtwurm setzte man in den letzten Jahren auf Kalkstickstoff. In Kartoffeln stand bislang das biologische Pilzgranulat «Attracap» per Notfallzulassung zur Verfügung. Seit letzter Woche ist mit «Beluga», ein Produkt der Omya Schweiz AG, nun ein neues Insektizid-Granulat auf dem Markt, das eine reguläre Zulassung für den Drahtwurmschutz im Mais- und im Kartoffelbau bietet.

Drahtwürmer Kartoffeln Mais
Das Mikrogranulat «Beluga» soll für bis zu 90 Tage die Kultur schützen, um solche Bilder zu vermeiden. Bild: M. Hochstrasser, Strickhof

 

Beluga (W-7656) ist ein mikrogranuliertes Insektizid auf Basis des Wirkstoffs Spinosad (bekannt vom Mittel Audienz). Das Granulat ist für Speise- und Futterkartoffeln sowie Mais zugelassen. Beluga hat gemäss Technischem Merkblatt der Omya eine Teilwirkung. Wichtig: Für den Einsatz von Beluga ist im ÖLN zwingend eine Sonderbewilligung erforderlich. Diese kann im Kanton Zürich nach Anmeldung mit dem CH-Login unter Eingabe unter «sonderbewilligung.strickhof.ch» beantragt werden.

Beluga wirkt durch Kontakt und über die Aufnahme kontaminierter Bodenpartikel. Sobald ein Drahtwurm die behandelte Zone durchwandert oder beim Fressen Spinosad aufnimmt, führt dies zu einer irreversiblen Lähmung des Nervensystems. Für die Wirkstofffreisetzung genügt die natürliche Bodenfeuchtigkeit – bei warmem, feuchtem Boden ist die Wirkung am höchsten, da die Larven dann in den oberen Bodenschichten aktiv sind. Die Bewilligungsinhaberin verspricht einen Langzeitschutz von bis zu 90 Tagen. Das Produkt wird direkt bei der Aussaat bzw. beim Pflanzen in die Saat- oder Pflanzenfurche ausgebracht. Hierbei ist der Granulatstreuer mit einem speziellen Diffusor auszurüsten. Die Aufwandmenge beträgt sowohl bei Mais als auch bei Kartoffeln 12 kg/ha. Pro Kultur und Jahr ist maximal eine Anwendung erlaubt. Entscheidend für die Wirkung ist die präzise Ausbringung des Granulats (siehe Abbildung). Nur so entsteht eine wirksame Schutzschicht zwischen Pflanze und Schädling.

Ein Drahtwurm schaut zu einer Kartoffelknolle heraus. Dies ist ein qualitatives Problem. Die Kartoffeln können so nicht mehr verkauft werden.
Drahtwurmbefall verursacht Knollenschäden. Bild: M. Hochstrasser, Strickhof

 

Auflagen für die Anwendung von Beluga

  • Dosierung: 12 kg/ha
  • Maximal 1 Anwendung pro Kultur und Jahr
  • Für den Einsatz von Beluga ist im ÖLN eine Sonderbewilligung notwendig
  • Möglichst gleichmässige Verteilung durch den Einsatz eines Diffusors des Typs QDC-DXP (vgl. Datenblatt "John-Deere-Max-Emerge.pdf")
  • Im Kartoffelanbau ist eine präzise Platzierung des Granulates auch mit einer Fishtail-Schar möglich. Im Maisanbau ist die Anwendung einer Fishtail-Schar nicht erlaubt.
  • Einsatz gemäss Technisches Merkblatt "Beluga" der Firma Omya
  • SPe5: Zum Schutz von wildlebenden Säugern und Vögeln muss das Pflanzenschutzmittel vollständig in den Boden eingearbeitet werden; es ist sicherzustellen, dass das Pflanzenschutzmittel auch am Ende der Pflanz- bzw. Saatreihen vollständig in den Boden eingearbeitet wird.
  • SPe6: Zum Schutz von Vögeln und wildlebenden Säugetieren muss verschüttetes Granulat beseitigt werden.

 

Kriterien für die Erteilung einer Sonderbewilligung
(mindestens 1 Kriterium muss erfüllt sein für die Erteilung dieser Sonderbewilligung) 

im Kartoffelbau

  • Kunst- oder Naturwiese oder BFF im Ackerbau auf dieser Parzelle in den Vorjahren*
  • Drahtwurmschaden auf dieser Parzelle in einem Vorjahr* festgestellt
  • bewässerte Kultur auf dieser Parzelle in den Vorjahren*
  • Kartoffeln, die für die Lagerung vorgesehen sind und voraussichtlich erst ab September geerntet werden.


im Mais-Anbau 

  • Kunst- oder Naturwiese oder BFF im Ackerbau auf dieser Parzelle in den Vorjahren*
  • Drahtwurmschaden auf dieser Parzelle festgestellt (Mais muss nachgesät werden)
  • bewässerte Kultur auf dieser Parzelle in den Vorjahren*

 

*  Der Begriff Vorjahre bezieht sich auf eine Fruchtfolgeperiode 

Drahtwurmbekämpfung Mais Kartoffeln
Präzise Ausbringung von Beluga. Quelle: Corteva Agriscience

 

Kartoffeln

Unkrautbekämpfung

Dank der hervorragenden Bedingungen konnte bereits ein Grossteil der Kartoffelflächen vorbereitet und bepflanzt werden. Wenn die Unkrautbekämpfung im Vorauflauf nicht schon erfolgte, sollte die Restfeuchte des Bodens genutzt werden, sofern dieser befahrbar und die Dämme abgesetzt sind. 

Wichtig: Herbizidprodukte mit dem Wirkstoff Metribuzin dürfen nur noch bis zum 1. Juli 2026 aufgebraucht werden. Besondere Vorsicht gilt bei empfindlichen Sorten (namentlich: Agria, Agata, Annabelle, Celtiane, Charlotte, Ditta, Jelly, Ivory Russet, Jazzy, Innovator, Kiebitz, Lady Christl, Lady Claire, Lady Rosetta, Laura, Markies, Pirol, Queen Anne, Venezia, Verdi und Victoria). Hier darf die Vorauflaufbehandlung keinesfalls zu spät erfolgen, um mögliche Herbizidschäden an den Pflanzen zu vermeiden.

Kartoffeln Unkraut
Bei der Unkrautbekämpfung erst nach dem Durchstossen die Herbizid-Verträglichkeit der Kartoffelsorte beachten. Bild: Strickhof

 

Feldbau

Mäusebekämpfung nur mit Fachbewilligung

Für Pflanzenschutzmittel mit erhöhtem Gesundheitsrisiko gelten verschärfte Bestimmungen zum Anwenderschutz. Im Bereich der Mäusebekämpfung betrifft dies Rodentizide, die Phosphorwasserstoff freisetzen. Im Freiland dürfen Produkte wie Ratron-Sticks sowie Cobra Forte ausschliesslich von Personen mit einer eigenen Fachbewilligung eingesetzt werden. Die übliche Regelung der Anwendung durch Drittpersonen «unter Anleitung» ist bei diesen spezifischen Mitteln nicht zulässig; der Einsatz muss zwingend durch die Inhaberin oder den Inhaber der Fachbewilligung selbst erfolgen.

Feldbau Mäusebekämpfung
Unter anderem die Ausbringung dieser Zinkphosphid-Portionsriegel bedarf zwingend einer PSM-Fachbewilligung. Bild: Strickhof

 

Zuckerrüben

Die Rübenaussaat ist abgeschlossen. Die meisten Rüben wurden zwischen 20. März und 10. April gesät. Nun müssen die Herausforderungen während der Jugendentwicklungsphase bewältigt werden.

Herbizide

Auf klassischen Rübenfeldern, die zwischen Mitte bis Ende März ausgesät wurden, steht die erste Herbizidanwendung an. Im klassischen Anbauverfahren muss das Unkraut bestenfalls im Keimblatt bekämpft werden. Befindet sich das Unkraut bereits im 2-Blattstadium, so muss die Kontaktmitteldosis erhöht werden, was auch die Rübenkultur zu spüren bekommt. Bodenherbizide wie Metamitron sind besonders wirksam, wenn ausreichend Bodenfeuchte vorhanden ist. Beim Einsatz von Herbiziden auf Metamitron-Basis sind maximal 5l/ha und Jahr bzw. 4kg/ha und Jahr erlaubt. Es ist empfehlenswert diese Maximalmenge auszuschöpfen und auf die Herbizidanwendungen zu verteilen. Ergänzungsmittel sind der Unkrautsituation anzupassen und sollten, sofern sie bereits im ersten Split zum Einsatz kommen, mit Vorsicht verwendet werden. Im IP-Suisse Rübenanbau ist der Einsatz des Wirkstoffes Lenacil verboten. Die nächste Herbizidanwendung sollte innerhalb von 8-12 Tagen erfolgen.

Auch bei den früh gesäten Conviso-Rüben ist langsam aber sicher mit der ersten Herbizidapplikation zu rechnen. Für das korrekte Setzen der Anwendung muss dabei das Stadium des Weissen Gänsefusses beachtet werden. Sobald dieser sich im 2- bzw. 4-Blattstadium befindet, ist der Zeitpunkt für die erste Herbizidapplikation gekommen. Beim Conviso One Herbizid ist es ratsam die maximale Aufwandmenge von 1l/ha und Jahr auf zwei Anwendungen zu verteilen, da so auch spätkeimende Unkräuter wie Hirsen oder Disteln besser erfasst werden können. Neben dem Conviso-Herbizid sollte 1l/ha des Aktivators Mero zugemischt werden. Bei hohem Ehrenpreisdruck wird der Zusatz mit Dimethenamid + Quinmerac -Produkten empfohlen. Die zweite Conviso-Applikation wird nötig, sobald die nächste Welle des Weissen Gänsefusses das 2-4-Blattstadium erreicht hat. Dies ist normalerweise etwa zwei Wochen nach der ersten Applikation der Fall.

Schaderreger beobachten

Den Schnecken und Erdflöhen gilt es nach wie vor Beachtung zu schenken. Die Bekämpfungsschwelle des Erdflohs liegt während dem Keimblattstadium bei 50% bzw. während dem 2-4-Blattstadium bei 80% befallener Pflanzen. Eine Bekämpfung ist nur mittels kantonaler Sonderbewilligung erlaubt. Die neue Saatgutbeize hilft den Erdflohbefall in Schach zu halten. Neben diesen beiden Schädlingen können auch Erdschnaken bereits vorkommen und für Schäden sorgen. Typische Schadbilder sind unter anderem angefressene Keimschläuche, einseitig abgeschnittene Keimblätter, in den Boden gezogene Rübenkeimlinge und Fehlstellen. Bei akuten Fällen können gar ganze Feldpartien kahlstehen. Die Erdschnaken-Larven befinden sich oftmals in der umliegenden Erde der betroffenen Pflanzen.

Die adulten Erdschnaken-Fliegen legen ihre Eier bevorzugt im Sommer auf bewachsene Felder ab. Hierfür sind vor allem Kunstwiesen und früh ausgesäte Gründüngungen attraktiv. Um das Risiko eines Erdschnaken-Befalls in den Rüben zu reduzieren, sollte deshalb auf Kunstwiesen als Vorkultur vor Zuckerrüben verzichtet werden und die Gründüngungen im Vorjahr nicht all zu früh ausgesät werden. Die Saatgutbeizungen bieten zwar einen gewissen Schutz, aber die Wirkung lässt nach wenigen Wochen nach. Es gibt keine erlaubte direkte Bekämpfungsmöglichkeit gegen Erdschnaken.

Zuckerrüben Jugendentwicklung
Die meisten Zuckerrüben sind bereits aufgelaufen. Die heikle Jugendphase ist aber noch nicht überstanden. Foto: Matthias Lüscher Schweizerische Fachstelle für Zuckerrübenbau

 

Düngung

Unterfuss zu Mais, sinnvoll oder nicht?

Langsam aber sicher beginnt die Maisausaat im Kanton Zürich, sofern einige ungeduldige nicht bereits gesät haben. Die Unterfussdüngung im Mais ist dabei seit Jahren fester Bestandteil bei vielen Landwirten. Vor dem Hintergrund explodierender Düngerpreise, lohnt sich jedoch eine kritische Betrachtung dieser Praxis. Denn ein pauschaler Einsatz wird den standortspezifischen Bedingungen häufig nicht gerecht.

Der Hauptgrund für eine Unterfussdüngung im Mais ist die Versorgung mit Phosphor. Das Problem dabei ist seine eingeschränkte Mobilität im Boden, wobei er gleichzeitig eine zentrale Rolle in der Jugendentwicklung des Maises spielt. Gravierende Mängel zu dieser Phase können Ertragseinbussen zur Folge haben, obwohl der Bedarf in den Wochen nach dem Auflaufen nur bei etwa 10 kg P2O5 pro ha liegt. Die Unterfussdüngung mit beispielsweise DAP (Diammoniumphosphat) als P-Dünger stellt somit eine elegante Lösung für dieses Problem dar. Sie liefert leicht löslichen Phosphor, genau da wo es gebraucht wird. 

Dennoch ist sie nicht auf allen Standorten sinnvoll und es lohnt sich, einmal die ÖLN Bodenuntersuchungen, die idealerweise nicht älter als 5 Jahre sein sollten, aus der Schublade zu holen. Gerade auf Viehhaltenden Betrieben finden sich viele Flächen, die sich für P2O5 in Versorgungsstufe D oder E befinden. Handelt es sich dabei um tiefgründige Böden mit guter Bodenstruktur und ist die Saat nicht zu früh erfolgt, wirkt sich eine Unterfussdüngung kaum auf den Ertrag aus. In diesem Fall reicht die P-Nachlieferung des Bodens zumeist aus und die Maiswurzeln sind früh in der Lage ein grosses Bodenvolumen zu durchwurzeln, um ihren Bedarf zu decken. Zusätzlich ist Silomais zumeist in der Lage, schwächere Jugendentwicklungen zu kompensieren.

Anders sieht die Situation bei niedrigen bis mittleren Versorgungsstufen, bei frühen Saatterminen und in kühlen Frühjahren aus. Hier kann die Unterfussdüngung einen wichtigen Beitrag zur Ertragsstabilität leisten. Ähnliches gilt auf alkalischen und kalkreichen Böden, da hier der Phosphor als Calciumphosphat festgelegt und somit zur Jugendentwicklung nicht zur Verfügung steht. Dieser kann jedoch im Vegetationsverlauf durch Wurzel- oder Mykorrhiza Ausscheidungen mobilisiert werden und den Mais später ernähren. Einen ähnlichen Effekt hat eine Ammoniumbetone Stickstoffdüngung. Die versauernde Wirkung mobilisiert Phosphor aus dem Bodenvorrat und sorgt somit indirekt für eine P-Düngung. Auf gut mit P versorgten kalkreichen Böden reicht deshalb oft eine Unterfussdüngung mit einem ammoniumhaltigen N-Dünger, um dem Mais optimale Startbedingungen zu geben.

Düngung
Maispflanzen mit deutlichem P-Mangel in Topfversuchen. Bildquelle: M. Baur

 

Hofdünger im Mais

Die Kultur Mais ist ein idealer Verwerter von Hofdüngern, sofern sie zum richtigen Zeitpunkt ausgebracht werden. Kurz vor der Saat eingearbeitete Gülle liefert Ammonium-N, der zum Teil in der Jugendendentwicklung des Maises zur Verfügung steht. Der organische Teil dagegen hat Zeit zum Mineralisieren und steht dann rechtzeitig zum Hauptwachstum zur Verfügung. Eine sofortige Einarbeitung der Gülle reduziert die Ammoniakverluste deutlich und gewährleistet eine hohe N-Effizienz. Mit dem Schleppschlauch kann Gülle bis etwa zum 6 Blatt Stadium in den stehenden Bestand ausgebracht werden. Kombiniert man die Gabe mit einem Hackdurchgang, lassen sich gasförmige Verluste nochmals reduzieren und mehr Stickstoff kommt beim Mais an. Gerade auf leichten Böden empfiehlt es sich, die Gaben zu splitten.

Grundsätzlich lässt sich Silomais auf gut mit P versorgten Böden und bei später Saat meist ohne Ertragseinbussen komplett mit Hofdüngern ernähren. Das spart Mineraldünger und schont so den Geldbeutel.

Düngung
Gut entwickelte Maispflanzen ohne erkennbare Mängel. Bildquelle: M. Baur

 

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