Pflanzenbau News 4. Juni 2025
Weizen
Fusarien
Die aktuell anhaltende Feuchtigkeit bei gleichzeitig warmen Temperaturen begünstigt die Sporulation von Fusarien. Unter 15°C findet praktisch keine Bildung neuer Sporen statt. Bei 17–20°C reichen 48 Stunden Nässe, bei 20–25°C genügen 18–24 Stunden und bei über 25°C reichen bereits 8–12 Stunden Feuchtigkeit im Bestand für eine Infektion. Entsprechend prognostiziert das Modell FusaProg (www.fusaprog.ch) aktuell ein erhöhtes witterungsbedingtes Infektionsrisiko.
Den Entscheid für eine Fusarienbehandlung wird anhand von Wetter, Sorte und Vorfrucht getroffen. Sie kann die Mykotoxinbelastung um bis zu 70 % senken. Sobald ein Befall sichtbar ist, ist es für eine Behandlung zu spät und das Zeitfenster für die Anwendung ist sehr kurz, oft nur 1-3 Tage. In frühen Getreidebeständen, die bereits in der vergangenen Woche unter kühlen Temperaturen in der Vollblüte standen, dürfte die Gefahr gebannt sein. Mit dem aktuellen Temperaturanstieg auf bis zu 25°C und den wiederholten Niederschlägen hat sich das Infektionsrisiko jedoch für alle Bestände, die erst jetzt zu blühen beginnen (Sichtbarwerden der Staubbeutel in der Ährenmitte, DC 61) und insbesondere bei anfälligen Sorten und auf Parzellen mit reduzierter Bodenbearbeitung, erhöht. Zu den spätreifen Brotweizensorten mit erhöhter Fusariananfälligkeit zählen Cadlimo, Bonavau oder Alpval.
Eine Fungizid-Behandlung 1-3 Tage nach einem Regenereignis (Regen und Wind schleudert Sporen herum) und während der Blüte (DC 61-67 Staubbeutel werden aus den geöffneten Spelzen geschoben) kann den Mykotoxingehalt massiv reduzieren. Hierzu eignen sich Wirkstoffe mit Fusarien-Zulassung wie Prothioconazol, Tebuconazol oder Metconazol (vgl. Mittelheft, S. 19). Neben dem Zeitpunkt ist auch ein Brühvolumen von 150-200 l/ha bei höherer Geschwindigkeit (ergibt einen flacheren Spritzstrahl) empfohlen. Dadurch sollen konzentriertere Spritztröpfchen hinter die geöffneten Spelzen und auf die oberen Blätter gelangen und dadurch eine sicherere Fusarien-Wirkung erzielen. Durch die Verwendung von Doppelflachstrahl-Injektordüsen kann eine besonders gute Benetzung aus verschiedenen Sprühwinkeln erzielt werden. Der Zusatz eines Spreitzmittels wie Break-Thru, Silwet L-77 oder Etalfix Pro senkt die Oberflächenspannung und verbessert das Eindringen der Tröpfchen hinter die Spelzen, hin zu den Blütenanlagen (vgl. Mittelheft, S. 88).
Youtube Strickhof-Video: Aktuelles im Getreideanbau - Fusarien und Mykotoxine
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Kartoffeln
Krautfäule
Weil die Befälle leider nur sehr zögerlich gemeldet werden, rechnen wir mit einer Dunkelziffer an Krautfäule-Infektionen und es ist davon auszugehen, dass sich der Erreger bei den vorherrschenden Niederschlägen und optimalen Temperaturen weiter ausbreitet. Aufmerksames Beobachten während der nächsten Spritzung hilft, Befall frühzeitig zu entdecken. Verdacht unbedingt sofort melden.
Aufgrund der wechselhaften Witterung ist diese Woche die Terminierung der Pflanzenschutzmassnahmen erschwert. Die aktuelle Fungizidstrategie unterscheidet sich, je nachdem ob bereits Befall im eigenen Feld festgestellt wurde oder noch keine Flecken zu finden sind:
- Präventive Massnahmen: Einsatz eines Kontaktmittels (Metiram WG, Polyram DF, Aufbrauchfrist bis 1.7.2025) oder auch von Leimay, Ranman Top oder Mapro. Durch den Zusatz von teilsystemischen Produkten bleibt der Schutz auch des Neuzuwachses witterungsunabhängig rund eine Woche erhalten. Der Anbau von krankheitsresistenteren Sorten erlaubt etwas grössere Behandlungsintervalle. In der ersten Wachstumsphase mit starkem Blattwachstum ist der Einsatz eines systemischen Produkts (Bsp. Infinito) möglich. Mischungen mit dem Wirkstoff Cymoxanil sind für heikle Phasen oder für Stoppspritzungen aufzusparen.
- Kurative Massnahmen/Stoppspritzungen: Um die Sporenverbreitung bei Befall zu reduzieren, sind Befallsherde sofern möglich mechanisch zu vernichten. Es folgen zwei Behandlungen innerhalb von 3 Tagen mit dem teilsystemischen Wirkstoff Cymoxanil, da dieser bis 3 Tage alte Infektionen abstoppen kann, in Kombination mit einem Kontaktfungizid mit sporenabtötender Wirkung (Leimay, Ranman Top, Mapro) oder Bspw. Nospor Combi/Kunshi. Auch möglich ist Infinito + Cymoxanil + Ranman Top.
Insbesondere in gestressten Beständen sind bereits verbreitet Alternaria-Blattflecken anzutreffen. Deshalb sollen jetzt Fungizide mit Wirkung gegen Alternaria eingesetzt werden. Eine Übersicht der Alternaria-Wirkung der verschiedenen Fungizide finden Sie im Mittelheft, Seiten 20/21.
Bei allen Fungizideinsätzen ist die maximale Anzahl der Anwendungen zu beachten. Für ein bestmögliches Resistenzmanagement sind Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen abzuwechseln. Eine Übersicht hierzu bietet das Schema im Mittelheft, Seite 22.
Blattläuse
In milden Wintern können die Blattläuse auch als lebendgebärende Weibchen überwintern. Dadurch können sich die Läusepopulationen im Frühjahr deutlich früher und schneller etablieren im Vergleich zur Überwinterung als Ei. Bereits anhand des starken Läusebefalls an anderen Kulturen wie der Zuckerrübe war absehbar, dass die kleinen Pflanzensauger auch an Kartoffeln früh zu finden sein werden. Beim Läusebefall liegt die Bekämpfungsschwelle bei 10 Blattläusen je Fiederblatt bzw. 1 Blattlaus je einzelnes Blatt. Mit den Funden von kleineren Blattlauskolonien auf den Blattunterseiten ist diese Schwelle bereits verbreitet überschritten. In den Beständen entdeckt man aber auch schon Blattlaus-Nützlinge wie die gefrässigen Marienkäfer-Larven.
Bei erreichter Bekämpfungsschwelle können in Kartoffeln die Blattläuse mit Movento SC ohne Sonderbewilligung bekämpft werden. Achtung: Das Mittel Teppeki darf in Kartoffeln in diesem Jahr nicht eingesetzt werden. Gemäss unserer Einschätzung schaden die Blattläuse in den Kartoffeln momentan noch nicht. Je nach Auftreten der Kartoffelkäfer könnte nächste Woche eine kombiniert wirkende Behandlung (Kartoffelkäfer und Blattläuse) durchgeführt werden. Mit 200 g/ha Acetamiprid (Gazelle SG, Pistol, Oryx Pro, Gepard) werden Käfer und Läuse gemeinsam bekämpft. Wir empfehlen deshalb, noch bis zur nächsten Fungizid-Spritzung zu warten, bis möglichst viele Kartoffelkäfer-Larven geschlüpft sind. Die Sonderbewilligung zur Anwendung von Acetamiprid mit 200 g/ha in Kartoffeln können wir nur erteilen, wenn die BKS bei beiden Schädlingen überschritten ist.
Zuckerrüben
SBR-Monitoring gestartet
Die Fachstelle für Zuckerrübenbau (SFZ) hat diese Woche mit dem SBR (Syndrome Basses Richesses) Monitoring zur Überwachung des Zikadenfluges begonnen. Hierbei wurden auf über 60 Ostschweizer Rübenparzellen Insektenklebefallen ausgesteckt. Mit diesen Klebefallen soll der Einflug von SBR übertragenden Glasflügelzikaden abgefangen werden. Die Insekten werden anschliessend in Laboren analysiert. Mit dieser Laboranalyse kann bestimmt werden, ob die gefangenen Zikaden mit der SBR-Krankheit beladen sind oder nicht. Diese Information ist wichtig, um die Ausbreitung der SBR-Krankheit in den östlichen Anbaugebieten zu beobachten. Bis anhin war vor allem die Westschweiz von der zuckerreduzierenden Krankheit betroffen. Im letztjährigen Monitoring konnte die Krankheit jedoch niederschwellig in gewissen Rübenparzellen der Kantone Aargau und Schaffhausen nachgewiesen werden. Momentan gelten die Glasflügelzikaden als Hauptüberträger der SBR-Krankheit. Im Monitoring werden jedoch auch andere Insektenarten auf ihre Fähigkeit zur Übertragung der Krankheit überprüft.