Obst-Info Zürich 4/2025
Wetter und Kernobst
Nach einer längeren Trockenphase gibt es seit 12.3.2025 bis am Sonntag 16.3.2025 regelmässige Niederschläge bei tiefen Temperaturen. Obwohl bei verschiedenen Kernobstsorten der Knospenaufbruch (BBCH53) erfolgt ist, sind wegen den tiefen Temperaturen in diesen Tagen keine Pilzinfektionen zu erwarten.
Bisher wurden noch keine Ascosporen gefangen. Die Reife der Schorfsporen wird gemäss den heutigen Wetterprognosen erst in der kommenden Woche wieder fortschreiten, wenn die Temperaturen wärmer werden. Vorbeugende Behandlungen gegen Schorfinfektionen sind somit frühestens notwendig, wenn nach dem erwarteten Temperaturanstieg nächste Woche erneute Niederschläge erfolgen. Wir halten sie auf dem Laufenden.
Beim Rundgang durch die Obstanlage in Lindau sind uns diese Woche mehrere Bäume der Sorte Ladina aufgefallen, die an Kragenfäule (Phytophtora sp.) erkrankt sind.
Wie es scheint, hat die Sorte Ladina die Anfälligkeit auf Kragenfäule von der Elternsorte Topaz geerbt, bei welcher dieses Problem seit langem bekannt ist. Wer die Möglichkeit hat, sollte unserer Meinung nach bei künftigen Pflanzungen nicht nur bei der Sorte Topaz, sondern auch bei Ladina Bäume mit einer Zwischenveredelung (Golden Delicious) wählen. Befallene Bäume sollten gerodet und das befallene Holz aus der Anlage entfernt werden.
Bereit für die Pflanzenschutzsaison?
Die Pflanzenschutz-Saison geht in diesen Tagen los, höchste Zeit also, das Sprühgerät für die kommenden Aufgaben fit zu machen.
Frostschutzmittel müssen sachgerecht entsorgt werden und dürfen nicht in Gewässer gelangen. Wir empfehlen, den Frostschutz in einen Kanister abzulassen und im kommenden Winter wiederzuverwenden. Anschliessend ist die Spritze mit Frischwasser gründlich durchzuspülen. Diese Arbeiten müssen auf einem konformen Waschplatz erfolgen.
Zu einer seriösen Vorbereitung gehört auch die Inbetriebnahme der Spritze mit Wasser. Dabei sind Behälter, Pumpe, Druckregler, Schläuche, Leitungen und Verschraubungen auf Dichtheit zu kontrollieren, sowie alle Düsen auf korrekte Funktion zu überprüfen. Besonders wichtig ist die Überprüfung der Nachtropfverhinderung: bei einer Fehlfunktion ist die entsprechende Membran auszutauschen.
Steinobst
Phänologie
Die Kirschen und Zwetschgen sind an den meisten Orten im Stadium BBCH51, Knospenschwellen. Die Aprikosen in Lindau sind im Freiland am Aufbrechen (BBCH53) und im Tunnel je nach Sorte zwischen BBCH53 und BBCH59 (Ballonstadium).
Pflanzenschutz Kirschen und Zwetschgen
Im Allgemeinen sind noch keine Massnahmen nötig. Zwar könnten im derzeitigen Entwicklungsstadium Ölprodukte gegen diverse Schadorganismen eingesetzt werden, nicht jedoch bei den für die kommenden Tage prognostizierten, sinkenden Temperaturen. Betriebe, die noch Öl einsetzen, sollten für die Applikation Temperaturen von über 12°C und einige darauffolgende Tage ohne Frostgefahr abwarten.
Pflanzenschutz Aprikosen
Erste Infektionen mit Monilia sind ab Stadium BBCH 57-59 möglich. Aprikosenbäume sind in frühen Lagen oder in witterungsgeschützten Systemen bereits in diesen Stadien. Entsprechend sollte der Moniliabekämpfung Beachtung geschenkt werden. Wo ein Regendach vorhanden ist, sollte das jetzt geschlossen werden, um die Blüten trocken zu halten und eine Sporenkeimung verhindert. Eine erste Fungizid-Behandlung soll vor Blühbeginn, eine zweite bei 1/3 offenen Blüten gemacht werden. Es sind Mittel aus diversen Wirkstoffgruppen zugelassen, konsultieren sie dazu bitte die entsprechenden Referenzdokumente.
Stand Notfallzulassungen
Das BLV hat bis jetzt folgende Notfallzulassungen im Obstbau bewilligt (Stand: 11.03.2025):
- Spinetoram und Emamectinbenzoat zur Bekämpfung des Pflaumenwicklers
- Quassiaextrakt gegen Miniermotte an Apfel und Birne
- Spinosad und Acetamiprid gegen den Haselnussbohrer in Haselnuss
- Mycosin / Argolem gegen die Blattfleckenkrankheit in Walnuss
- Spirotetramat zur Bekämpfung der Triebspitzengallmücke in Heidelbeere
Die verlinkten PDF-Dokumente sind unbedingt zu beachten.