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Floorfliegenlarve macht sich an Wanzeneiern zu schaffen. Foto: Christof Gubler, Strickhof>

Neunte Wanzentagung am Strickhof 2026

Am 19.3.2026 fand die 9. Wanzentagung mit 40 Teilnehmern aus den Bereichen Produktion, Forschung und Beratung aus dem In- und Ausland statt.

Die marmorierte Baumwanze verliert an Bedeutung, wobei es nach wie vor stark betroffene Betriebe gibt. Probleme mit Nezara nehmen zu, wobei sie vermehrt parasitiert werden. Bekämpfungserfolge unter Glas müssen in einer Kombination von Einnetzung, Nützlingen, Pflanzenschutz und Technik erreicht werden.

 

Halyomorpha halys

Cornelia Sauer von Agroscope betreibt seit einigen Jahren ein Wanzenmonitoring. Sie und auch Jessica Zimmermann finden jedes Jahr weniger Marmorierte Baumwanzen (Halyomorpha halys). Zum einen kann das an Trissolcus japonicus liegen, dessen Verbreitung zunimmt. Zum anderen scheint auch der Eierraub durch Vögel und Insekten in naturnahen Umgebungen eine Rolle zu spielen. Es scheint jedoch, dass gerade Betriebe mit Jahreskulturen nach wie vor stark betroffen sind, was möglicherweise auf in den Gebäuden verbleibende Wanzen zurückzuführen ist. Bei einer Entwicklungszeit von rund 440 Gradtagen kann es dort bei frühem Auftreten zu einer starken Vermehrung kommen.

Jessica Zimmermann vom LTZ Augustenberg beobachtete 2025 eine abnehmende Parasitierung von H. halys Eiern durch T. japonicus. Wobei es relevante Standortunterschiede gab. Tim Haye vom CABI beobachtete, dass wenn die Wanzenpopulation zurückging, auch die Parasitierungsrate abnahm. Für Ihn ist der Parasitoid dennoch entscheidend für den Rückgang, denn Eierraub gab es schon vor dessen Erscheinen, jedoch führte das nicht zu einem Populationsrückgang. T. japonicus ist noch nicht kommerziell erhältlich, wobei in Holland ein Gesuch läuft.

Anastatus bifasciatus als einheimischer Nützling gegen H. halys und Nezara scheint nicht besonders erfolgsversprechend, da er Wanzeneier im generellen parasitiert und Eigelege meistens nur punktuell parasitiert (10-20 von 100 Nezara Eiern) im Gegensatz zu Trissolcus.

Wanzeneier 21.7.2019
Floorfliegenlarve macht sich an Wanzeneiern zu schaffen. Foto: Christof Gubler, Strickhof

 

Nezara Viridula

Cornelia Sauer stellte eine Zunahme der Population von Nezara viridula fest, was zu starken Schäden insbesondere in Bohnen, Zuckermais, Krautstiel und Peperoni durch Nymphen der zweiten Generation in der zweiten Sommerhälfte führte. Sie als auch Jessica Zimmermann fanden aber mit der Federbeinfliege Trichopoda pictipennis befallene Wanzen. Dieser Parasitoid ist zwischen Juni und September aktiv. Ein gepaartes Weibchen lebt rund 8 Tage und legt im Durchschnitt 68 Eier ab. Im Frühsommer primär auf Adulte, im Spätsommer bei geringerem Auftreten der Erwachsenen Tiere auch auf das letzte Nymphenstadium, wobei in letzterem Fall die Entwicklung der Fliegen vielversprechender scheint.

Nach Untersuchungen von Jessica Zimmermann hat der Schlupf der Larve aus dem Ei in die Wanzen vorwiegend vor der Häutung der Nymphe stattgefunden und es wurde nur das leere Ei durch die Häutung entfernt. Eine 78%ige Puppenentwicklung aus den Adulten Wanzen, welche als Nymphe parasitiert wurden, lässt auf den Übergang in die Wanze darauf schließen. Aufgrund dessen besteht bei wild gesammelten N. viridula immer die Wahrscheinlichkeit, dass diese trotzdem mit T. pictipennis parasitiert sein können, obwohl sie kein Ei auf dem Körper trägt. 

Der Schupf der Tachiniden Larve aus der Wanze geschah immer aus dem Adulten Tier, nicht aus den parasitierten Nymphen, diese entwickelten sich alle vollständig. 

Zudem sterben die Wanzen nicht zwingend nach dem Schlupf der Tachiniden Larve ab und können noch einige Zeit weiterleben. Beobachtet wurde aber, dass sie Probleme mit der Paarung haben und die Weibchen keine Eier mehr ablegen können. Als Austrittstelle der Larve ist bei einigen Wanzen ein dunkler Punkt am Hinterleib zu sehen

Die Larven entwickeln, wobei die Schlupfrate der Fliege besser ist in letzterem Fall. Die Variabilität des Befalls von Nezara mit T. pictipennis Eiern ist gross und der Populationsaufbau konnte nicht verhindert werden. Versuche von Serge Fischer in Westschweizer Gewächshäusern zeigten, dass die Fliegen das Gewächshaus verliessen.

Markus Knapp von Koppert verwies auf gute Erfolge mit bis zu 80% Parasitierungsraten durch Trissolcus basalis bei einem Einsatz alle zwei Wochen von 2 Insekten pro m2 über die ganze Saison. Wichtig ist, dass der Einsatz vor präventiv vor Schadsymptomen erfolgt. Je nach Befallsdruck können auch höhere Einsatzraten nötig sein von kurzfristig bis zu wöchentlich 10 Insekten pro m2, um den Befallsdruck markant zu senken. Andere Versuche sprachen von 6 Insekten pro 2 Wochen. Eine Dose hat 5000 Insekten. Jet de Vries von Koppert empfiehlt bei über 30°C den wöchentlichen Einsatz, da die Lebensdauer dann verkürzt ist. Erste Erfahrungen in Deutschland gehen von Kosten von rund 50 Cent pro m2 aus. Der Nützling ist in der Schweiz und Deutschland erhältlich.

Ein zweiter Ansatz ist laut Markus Knapp der Einsatz der Raubwanze Podisus maculiventris. In Laborversuchen mit Zufütterung von Mehlwürmern wurden gute Resultate erzielt. In Praxisversuchen festigte sich die Population hingegen nicht. Zudem wird die Raubwanze durch T. japonicus und T. basalis parasitiert.

Florfliegen Larven können auch eine Option sein, wobei dort erst das Larvenstadium 3 gute Erfolge vorweist und dies vor allem gegen Nymphen N1. Bei Nezara ist der Erfolg klar besser als bei Halyomorpha.

Ulrike Schmid von der Beratung Reichenauwarf die Frage auf, ob Sonnenblume eine gute Fangpflanze sein könnte. Nach Tim Haye gibt es dazu Forschungsresultate. Christof Gubler und Jessica Zimmermann sehen Soya als mögliche Fangpflanze in Gewächshäusern, da Soya im Freiland tausende Wanzen beherbergt.

 

Lygus spp

Lygus ist und bleibt ein Problem. Cornelia Sauer stellte 2025 frühe Fänge ab Juni fest. Interessanterweise führten transparente Fallen für die Schilf-Glasflügelzikade zu klar höheren Fängen als die Orangen Klebefallen für die Möhrenfliege, auf denen auch immer wieder Beifänge auftraten.

Arne Römer von der Uni Hannover arbeitet im Projekt LuMoS mit einem selbstfahrenden Roboter, der mittels LED Schadinsekten anlockt. KI kann diese von Beifang unterscheiden und sie folglich mit Laser unschädlich machen. Dabei ist auch eine Kartierung der Befallsintensität möglich. Während der Lichtreiz bei gewissen Insekten wie der Maiszünsler sehr gut funktioniert, wird es bei Lygus aufgrund des Versteckverhaltens herausfordernder. Andere Gewächshausapplikationen sind für weisse Fliege im Rahmen des Projektes «LichtFalle:Praxis» vorgesehen. 

Janique Koller von der Agroscope Conthey stellte das Projekt Lygus SAFE vor, das bis 2029 läuft. In der ersten Phase werden Betriebe gesucht, um eine genetische Kartierung zu machen. Danach folgt ein Testen von Anlock- und Bekämpfungsmethoden und schlussendlich Feldversuche mit Kombinationen davon.

 

Bekämpfung

Mit der Rückstandshöchstgehaltsanpassung nach unten wird eine Bekämpfung mit Acetamiprid schwierig. Gewisse andere Insektizide haben eine Nebenwirkung auf Wanzen, wobei die Nützlingstoxizität beachtet werden muss. Folgeprobleme sind Thripsprobleme und allenfalls damit verbundene Virenübertragung. Die Einnetzung scheint gegen Lygus gut zu funktionieren, da deren Population stark durch Zuflug bestimmt ist. Bei H. halys stellen im Gebäude überlebende Insekten das Problem dar oder über Material und Jungpflanzen eingeschleppte Wanzen. Christof Gubler ist überzeugt, dass bei strikter Einnetzung und Kontrolle von eingehendem Material dieses Problem gemindert werden kann. Jet de Vries wies insbesondere darauf hin, dass Jungpflanzen aus Betrieben ohne Einnetzung ein Risiko sind. Eigelege werden kaum gefunden, aber schon wenige Wanzen können bei 450 Gradtagen Entwicklungsdauer und früher Pflanzung während 4-5 Generationen zu einer stattlichen Population heranwachsen. Bei Nezara liegt die Hoffnung auf T. basalis, bei H.halys könnte ein allfälliger T. japonicus Einsatz helfen. Acanthomyzes muscaris (Mycotal) könnte nach Markus Knapp allenfalls eine Möglichkeit sein gegen Wanzen.