Neue Rebsorten für den Weinbau von morgen
Die Herausforderungen nehmen zu
Schon zum Auftakt wurde deutlich, wie gross der Druck auf den Weinbau inzwischen ist. Strengere Vorgaben beim Pflanzenschutz, zunehmende Wetterextreme und wirtschaftliche Unsicherheiten fordern die Betriebe heraus. Vor diesem Hintergrund erscheinen neue Sorten als ein möglicher Hebel.
Ein zentrales Thema war deshalb die Züchtung. Dr. Komlan Avia von INRAE Colmar sprach über aktuelle Perspektiven der Züchtungsarbeit. So sollen nationale und regionale Züchtungsprogramme, z. B. im Burgund und der Champagne, standortangepasste robuste Rebsorten für den französischen Weinbau verfügbar machen und neue Züchtungsmethoden den Entwicklungsprozess beschleunigen. Trotzdem bleibt Züchtung ein langfristiges Projekt, und ob die neuen Sorten auch vom Markt angenommen werden, zeigt sich oft erst Jahrzehnte später.
Weniger Kosten, weniger Umweltbelastung
Dass PIWIs auch ökonomisch und ökologisch hochrelevant sind, zeigte der Beitrag von Daniel Molitor vom LIST in Luxemburg. Im Projekt PIWI3 wurden Anbauverhalten, Wirtschaftlichkeit und Umweltwirkungen untersucht. Der Unterschied ist erheblich: Während traditionelle Sorten im ökologischen Anbau oft 12 bis 14 Behandlungen benötigen, kommen PIWIs teilweise mit zwei Behandlungen aus, dadurch verringern sich die Pflanzenschutzkosten massiv.
Noch deutlicher fällt die Umweltbilanz aus. Die negativen Umweltauswirkungen traditioneller Sorten liegen laut den vorgestellten Ergebnissen etwa drei- bis viermal höher. Und die französische PestiRiv-Studie, die Pestizideinträge in Wohngebieten neben Weinbergen untersucht, zeigt, dass Pflanzenschutz nicht nur den Betrieb, sondern auch das Umfeld betrifft.
Robustheit heisst nicht Sorglosigkeit
Dass auch PIWIs kein Selbstläufer sind, zeigte der Blick auf die Praxis. Dr. Daniel Molitor vom LIST widmete seinen nächsten Vortrag ganz der Schwarzfäule, die im PIWI-Weinbau als mögliche künftige Problemkrankheit gilt. Ergänzt wurde dieses Thema durch einen Beitrag von Dr. Stefan Schumacher vom WBI zum angepassten Pflanzenschutz bei PIWIs mithilfe des Prognosetools VitiMeteo.
Die Botschaft ist eindeutig: PIWIs bedeuten nicht den Verzicht auf Wissen und Beobachtung, sondern präzisere und standortgerechte Entscheidungen.
Von der Rebe bis zur Flasche
Das Symposium zeigte aber auch, dass PIWIs nicht nur ein Thema für den Weinberg sind. Diskutiert wurden ebenso önologische Fragen, etwa die Auswahl geeigneter Sorten, das Gerbstoff- und Farbmanagement sowie neue Vermarktungsansätze. Damit wurde deutlich, dass die Zukunft der PIWIs nur dann erfolgreich sein wird, wenn Züchtung, Anbau, Kellerwirtschaft und Vermarktung zusammengedacht werden.
PIWIs mehr als ein Nischenthema
Gerade darin lag die Stärke des Treffens in Merzhausen: PIWIs wurden nicht als Spezialfall für Idealisten behandelt, sondern als ernsthafte Option für den Weinbau.
So wurde in Merzhausen deutlich, worum es künftig gehen wird: um einen Weinbau, der seine ökologische Verantwortung ernst nimmt, ohne Qualität und Wirtschaftlichkeit aus dem Blick zu verlieren. PIWIs sind dafür kein Wundermittel, aber sie können zu einem wichtigen Werkzeug werden.