Es ist wieder Spargelzeit!
Seit wenigen Wochen herrscht in den Feldern rund um die kleine Weinländer Gemeinde Flaach wieder reges Treiben. Die Region gilt als Hauptanbaugebiet für Bleichspargel im Kanton. Die frühen Lagen und die leichten, tiefgründigen Schwemmlandböden eignen sich besonders gut für den Anbau dieser Gemüseart. Im Jahr 2024 wurden in der gesamten Schweiz rund 170 ha Bleichspargel und 280 ha Grünspargel angebaut. Die Tendenz war bei beiden Arten über die letzten 15 Jahre ansteigend, hat sich in jüngster Zeit jedoch etwas stabilisiert. Im Kanton Zürich wurden 2024 34 ha Bleichspargel (20% der CH Produktion) und 72 ha Grünspargel (25% der CH Produktion) angebaut. Der nationale Trend, wonach vermehrt Grünspargel anstelle von Bleichspargel angebaut wird, zeigt sich auch im Kanton ZH. Die Spargelbetriebe nehmen im Gemüsebau in vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung ein. Die Bleichspargelbetriebe haben sich insbesondere aufgrund der nötigen maschinellen Ausstattung zur rationellen Bewirtschaftung und der besonderen Bodenansprüche der Kultur sehr stark spezialisiert. Dagegen wird Grünspargel in der Schweiz verhältnismässig häufig von herkömmlichen Landwirtschaftsbetrieben angebaut, die sich nicht ausschliesslich auf den Spargelanbau fokussieren und daneben auch noch andere Acker- oder Spezialkulturen anbauen. Das hat auch mit den Vermarktungskanälen zu tun. Aufgrund des fehlenden Zollschutzes von Spargel wird die einheimische Ware häufig direkt vermarktet um einen grösseren Teil der Wertschöpfung auf dem Betrieb zu behalten. Die Betriebe können sich mit Spargel also diversifizieren. Insgesamt macht die CH-Produktion nur einen Bruchteil des Gesamtmarktes aus, der in der Schweiz an den Konsumenten gelangt. Im Jahr 2024 betrug der Anteil Inlandware beim Bleichspargel rund 12% und bei Grünspargel rund 6 %. Zudem ist die Schweizer Ware auch später am Markt als die Importware aus Spanien, Italien, Deutschland oder Übersee.
Arbeitsintensive, saisonale Dauerkultur
Wer sich auf das Abenteuer Spargelanbau einlässt, sieht sich mit einigen Besonderheiten konfrontiert. Es handelt sich um eine Dauerkultur, die eine 3-jährige, kostenintensive Aufbauphase durchlaufen muss um zum ersten Mal einen Vollertrag abzuwerfen. Anders als einjähriges Freilandgemüse ist die Kultur also eine langfristige Investition. Aufgrund der langen Standzeit von 8-10 Jahren und der Selbstunverträglichkeit im Nachbau ist die Standortfrage entscheidend. Geeignet sind frühe sonnige Lagen und tiefgründige, steinarme, leichte bis mittelschwere (lehmige Sande bis sandige Lehme) Böden. Ungünstig sind Muldenlagen und ein zu hoher Grundwasserstand, da die ertragsbildenden Rhizome stehendes Wasser nicht ertragen. Probleme im Bodenaufbau wie Verdichtungen oder schlechte Wasserführung müssen vor der Pflanzung behoben werden, weil sich diese während der Kulturzeit meist nicht mehr korrigieren lassen. Daher beginnt die optimale Feldvorbereitung für die Pflanzung bereits ein Jahr im Voraus mit dem Einsatz von tiefwurzelnden Gründüngungen und dem Bekämpfen von ausdauernden Wurzelunkräutern. Weiter sind für den Spargelanbau einige Spezialmaschinen und Einrichtungen für eine rationelle Bewirtschaftung der Kulturen, die Aufbereitung
und Vermarktung nötig. Dies beginnt etwa bei den Dammfräsen für den Bleichspargelanbau, geht über angepasste Mulch- und Hackgeräte bis hin zu den spezifischen Erntehilfen und Sortier- und Aufbereitungsanlagen in der Rüsthalle. Der Arbeitsaufwand fällt während zur Stechperiode sehr konzentriert an. Bei Bleichspargel geht man gemäss aktuellem Vollkostenkatalog (ProfiCost Gemüse; SZG) von insgesamt rund 1'500 Arbeitskraftstunden (AKh) pro Hektare aus. Davon fallen über 1'200 AKh/ha für Ernte und Aufbereitung an. Und das während der relativ kurzen Ernteperiode, die bei uns etwa von Mitte April bis spätestens zur Sommersonnenwende am 21. Juni geht. Bei Grünspargel ist der Arbeitsaufwand insgesamt zwar deutlich geringer d.h. rund 700 AKh/ha. Aber auch beim grünen Spargel fällt der Grossteil der Arbeit, nämlich rund 570 AKh/ha, für Ernte und Aufbereitung an. Nebst der Frage des Absatzes ist also die Frage wie man diese kurzfristige Arbeitsspitze auf dem Betrieb meistert eine der wichtigsten, die sich beim Spargelanbau stellt. Auch wenn immer wieder neue Maschinen zur mechanischen Ernte von Spargel entwickelt und getestet werden, ist aktuell die Ernte von Spargel unter Schweizer Verhältnissen noch Handarbeit. Und hier lohnt es sich genau hinzuschauen und die Arbeitsabläufe im Detail zu analysieren und zu optimieren. Weil beim Spargel die Ernte und Aufbereitungskosten so stark ins Gewicht fallen, ist das Thema Arbeitswirtschaft und auch Arbeitsplatzergonomie matchentscheidend. Auf den ersten Blick banal anmutende Dinge wie der Kistentransport auf dem Feld, das Auf- und Zudecken der Dammfolien oder auch die Beleuchtungsverhältnisse am Sortierband können unnötige Kosten verursachen oder, wenn es gut gemanagt wird, einen Wettbewerbsvorteil bedeuten.
Themen in der Anbautechnik ändern sich
In Zusammenarbeit mit der Landi Seebachtal werden seit vielen Jahren Weiterbildungsveranstaltungen für die Spargelbetriebe durch den Strickhof, Liebegg und Arenenberg angeboten. Die Anlässe sind jeweils gut besucht und immer eine Gelegenheit sich mit anderen Anbauern auszutauschen. Ging es in den Jahren, als der Spargelanbau durch Bundesprogramme gefördert wurde und endsprechend neue Betriebe in den Anbau eingestiegen sind, noch häufiger um grundlegende kulturtechnische Fragen wie etwa Sorten, Nachbau, Pflanzdichten, Pflanztiefen oder Standzeiten, so haben die meisten Spargelbetriebe mittlerweile "Ihr" passendes Kultursystem gefunden. Die Themen werden spezialisierter. Ein Dauerbrenner unter den Themen ist die Unkrautkontrolle bzw. das Begrünungsmanagement, wo vermehrt mit begrünten Zwischenreihen bzw. Grüneinsaaten nach der Ernte gearbeitet wird oder die Unkrautbekämpfung mechanisch erfolgt. Ebenfalls immer wieder ein Thema und wahrlich eine Wissenschaft für sich sind der Witterungsschutz und die Verfrühungssysteme sowohl bei Bleich- als auch bei Grünspargel mit dem Ziel den Ertrag möglichst Nachfragegerecht zu steuern. Beim Pflanzenschutz ist vor allem das Auftreten des Spargelhähnchen/Spargelkäfer immer wieder ein Problem. Bei den Pilzkrankheiten ist die Blattschwärze (Stemphylium) das Hauptproblem. Ähnlich wie bei anderen Dauerkulturen wie Reben oder Obst wird die Bekämpfung hier spezialisierter und stimmt sich immer besser auf die biologischen Zyklen des Schaderregers ab. Seit jüngster Zeit steht im nahen Ausland ein Stemphylium-Prognosesystem zur Verfügung. Die Zeit wird zeigen, ob sich dieser Ansatz in der Schweiz durchsetzt und solche Modelle wie im Obst und Rebbau eingesetzt werden.
Den Blick über die Grenzen machen die Profispargelbetriebe schon längst, beispielsweise mit einem Besuch der jährlichen Fachmesse in Karlsruhe. Im Bereich der Mechanisierung auf dem Feld und in der Aufbereitungshalle sieht man hier alles was die Branche anzubieten hat. Ebenfalls sind Fachreferenten v.a. aus Deutschland regelmässig zu Gast an unseren Weiterbildungsveranstaltungen. Obwohl Schweizer Spargel auf dem Markt nach wie vor eine Nische ist, hat sich die Kultur etabliert und der Anbau ist professionell aufgestellt.