Anleitung für höhere Fruchtbarkeit
Am gut besuchten Strickhof Milchtag von letzter Woche stand das Thema «Fruchtbarkeit» im Mittelpunkt. Der Anlass wurde von Karin Häcki organisiert und moderiert von Susanne Meese, Bereichsleiterin Tierhaltung und Milchwirtschaft.
C-Milch honorieren
Das Eröffnungsreferat hielt Nationalrat Martin Hübscher, Präsident der Milchproduzentenorganisation Mooh. Er zeigte die aktuell schwierige Lage auf dem Milchmarkt auf, welch komplexe Wechselwirkungen bestehen und mit welchen Massnahmen sie entschärft werden könnten. Grund für die hohen Milchmengen sind vor allem der aktuell tiefe Exporterlös, das reichhaltige Futter der letzten Saison sowie verzögerte Abkalbungen aufgrund der Blauzungenkrankheit.
Die Lösung sieht Martin Hübscher insbesondere in der Honorierung von C-Milch. Zudem müsse der Veredelungsverkehr wieder vermehrt in die Schweiz geholt werden, damit weniger Fett und Milchpulver importiert werden. Weiter erachtet er eine Erhöhung der Verkäsungszulage als nötig, um gegenüber dem Ausland wieder wettbewerbsfähiger zu werden.
Tockensteher nicht vergessen
Danach folgten Fachreferate zum Thema Fruchtbarkeit bei den Milchkühen und wie diese positiv beeinflusst werden kann. Dabei kam deutlich zum Ausdruck, dass die Kühe in den ersten Wochen nach dem Abkalben zwangsläufig in eine negative Energiebilanz fallen, bedeutet, dass sie ein Mehrfaches an Energie verbrauchen als sie durch Futter aufnehmen können. Dies kann zu zahlreichen Krankheiten und ebenso zu einer verminderten Fruchtbarkeit führen. Tierärztin und Ultraschallspezialistin Anna Bruhn aus Norddeutschland erklärte, dass mit nur einem Kilogramm mehr Futteraufnahme in der Trockenzeit, die negative Energiebilanz nach der Abkalbung gemildert werden könne. Jedoch hat sie die Erfahrung gemacht, dass die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter die Futteraufnahme der Galtkühe oft nicht ausreichend im Fokus haben.
Leistung beeinflusst die Brunst
Professor Heiner Bollwein vom Tierspital Zürich zeigte in seinem Referat auf, welchen Einfluss die Fütterung auf die Fruchtbarkeit der Milchkühe hat. Mit steigender Milchleistung verkürzen sich die Brunstsymptome, da die Leber vermehrt Hormone abbaut und dadurch weniger Progesteron zur Verfügung steht. Der reduzierte Progesteronspiegel kann den Eisprung verzögern.
Eine hohe Zellzahl in der Milch wirkt sich negativ aus und kann den Eisprung ebenfalls verzögern. Ein weiterer belastender Faktor ist ein starker Fettabbau während der Laktation: Er schädigt die Eiblasen und beeinträchtigt damit die Fruchtbarkeit. Zudem leidet bei starkem Gewichtsverlust die Klauengesundheit, weil das Fettpolster im Klauen schrumpft und so Druckstellen entstehen können.
Digitale Hilfsmittel
Nach dem gemeinsamen Mittagessen konnten sich die Teilnehmenden an verschiedenen Posten zum Thema informieren, insbesondere standen hier sensorbasierte Systeme zur Brunsterkennung im Fokus. Den Abschluss bildete Matthias Risch von der Swissgenetics mit seinem Referat über die Brunst. Er zeigte auf, dass die äusseren Brunstzeichen bei Hochleistungskühen zwar kürzer ausfallen, die Dauer der Brunst grundsätzlich aber nicht kürzer sei: «Die Kühe haben Brünste, sie müssen nur gesehen werden.» Er empfiehlt ganz klassisch die Herde gut zu beobachten und wer die Zeit nicht aufzuwenden mag, würden sich die digitalen Hilfsmittel zur Brunsterkennung anbieten, die seines Erachtens gut funktionieren.
Text: Ursina Berger, Strickhof