Ertragsvergleich zweizeiliger und sechszeiliger Wintergerste im Streifen- und Kleinparzellenanbau
| Versuchsbetreuende | Anna Brugger |
|---|---|
| Aussagekraft | * |
| Versuchspartner | Forum Ackerbau, DSP |
Ausgangslage
In den Jahren 2018-2020 führte das Forum Ackerbau neben den Sortenversuchen in Kleinparzellen Streifenversuche mit zwei- und sechszeiligen Gerstensorten durch. Dabei zeigte sich, dass zweizeilige Sorten einen durchschnittlichen Mehrertrag von 10.9% (ÖLN) bzw. 9.9% (extensiver Anbau) erzielten. In den Sortenversuchen, die in Kleinparzellen angelegt werden, erzielten in den Jahren 2018- 2020 sechszeilige Sorten jedoch einen höheren Ertrag (5% im ÖLN und 3% im extensiven Anbau) im Vergleich zu zweizeiligen Sorten. Dieser Ertragsunterschied hatte Auswirkungen auf die «Liste der empfohlenen Sorten», die zweizeilige Sorten bezüglich des Ertrags schlechter einstufte. Das Forum Ackerbau beantragte auf Basis dieser Ergebnisse eine Umstellung der Versuchsanordnung des Kleinparzellenversuchs, welche per Aussaat 2023 umgesetzt wurde. Zur Prüfung des neuen Versuchsdesigns (Split-Plot) führt das Forum Ackerbau nun erneut Streifenversuche mit zwei- und sechszeiligen Sorten durch.
Versuchsfrage
Untersucht wurde, wie sich zweizeilige Sorten in Kleinparzellenversuchen im Vergleich zu sechszeiligen behaupten und wie stark sich die Erträge zwischen Streifen- und Kleinparzellenversuch unterscheiden.
Anbaudaten
Der Versuch wurde an drei Standorten (Delley (DSP), Riedholz (Wallierhof), Wülflingen (Strickhof)) durchgeführt. Da im Erntejahr 2024 nur von einem Standort Ergebnisse vorlagen, wurde der Versuch um ein weiteres Jahr verlängert. Es wurden die zweizeiligen Sorten Aleksandra und Arthene, die sechszeilige Sorte Esprit sowie der Hybrid SY Galileo getestet. Die Saatdichten betrugen 280 Körner/m² (6-zeilig), 300 Körner/m² (2-zeilig) und 180 Körner/m² bei Hybriden. Die Düngung lag im ÖLN bei 130 kg N/ha und im Extenso 30 kg N/ha tiefer, mit reduziertem Pflanzenschutz (Extenso nur Herbizid, ÖLN zusätzlich 1-2 Fungizide und Wachstumsregler).
Resultate
Für die Auswertung wurden die Sorten zu den Typen zwei- und sechszeilig zusammengefasst. Der Mittelwert der Erträge der Sorten Aleksandra und Arthene ergab den Sortentyp zweizeilig, die Sorten Esprit und SY Galileo den sechszeiligen. Ausgewertet wurden nur die Ergebnisse der drei Standorte Strickhof, Wallierhof und DSP des Erntejahres 2025.
Abbildung 1. Abbildung 1. Mittelwert der Erträge in dt/ha von sechszeiligen (6z) und zweizeiligen (2z) Sorten im extensiven und ÖLN Anbau in Kleinparzellen- und Streifenversuchen.
Der höchste Ertrag wurde in sechszeiligen Sorten im ÖLN-Verfahren in Kleinparzellen erzielt (113.1 dt/ha), der niedrigste Ertrag in sechszeiligen Sorten im extensiven Anbau im Streifenversuch (70.3 dt/ha) (Abbildung 1). Über alle Verfahren erzielten Kleinparzellenversuche einen höheren Ertrag als Streifenversuche.
In den Kleinparzellenversuchen erzielten sechszeilige Sorten sowohl im intensiven als auch im extensiven Anbau höhere Erträge als zweizeilige Sorten. Die Ertragsdifferenz betrug im extensiven Anbau 12.9%, im intensiven Anbau 7.7%. In den Streifenversuchen erzielten sechszeilige Sorten im intensiven Anbau einen Mehrertrag von 8.6% im Vergleich zu zweizeiligen Sorten, während im extensiven Anbau ein Minderertrag von 4.3% erzielt wurde. Nur im extensiven Streifenanbau lagen die zweizeiligen Sorten vor den sechszeiligen Sorten. Betrachtet man nur die Ergebnisse des Standortes Strickhof, so zeigt sich derselbe Trend: Nur im extensiven Verfahren des Streifenversuchs erzielten zweizeilige Sorten einen höheren Ertrag. Der Unterschied zwischen den Sortentypen lag mit 16.7% am Strickhof jedoch deutlich höher.
Abbildung 2. Mittelwerte der Ertragsdifferenz von sechszeiligen zu zweizeiligen Sorten in Prozent bei 14.5 % Feuchtigkeit je Anbauintensität über alle 3 Standorte.
Diskussion
Auch im Erntejahr 2025 zeigte sich, dass Kleinparzellenversuche generell höhere Erträge im Vergleich zu Streifenversuchen erzielen. Mögliche Gründe sind Randeffekte (der Anteil der Randpflanzen mit besserem Licht- und Nährstoffangebot ist erhöht), homogenere Flächen, eine intensivere Pflege sowie ein geringer technischer Verlust bei der Ernte.
Die neuen Versuchsergebnisse zeigen eine leicht angepasste Situation im Vergleich zu den Ergebnissen der Versuchsreihe von 2018-2020 des Forums Ackerbau: In den Kleinparzellenversuchen lagen die sechszeiligen Sorten weiterhin vor den zweizeiligen, sowohl im ÖLN- wie im extensiven Anbau. Damit bleibt der frühere Trend der höheren Kleinparzellenerträge der sechszeiligen Typen bestehen. In den Streifenversuchen zeigte sich das Bild differenzierter, denn sechszeilige Sorten erzielten 2025 zwar im intensiven Anbau einen Ertragsvorteil, im extensiven Streifenanbau erreichten jedoch – wie bereits 2018–2020 beschrieben – die zweizeiligen Sorten höhere Erträge. Ein Grund hierfür kann eine bessere Standfestigkeit der zweizeiligen Sorten sein. Zusätzlich sind zweizeilige Sorten häufig weniger anfällig gegenüber Stress und können trotz ungünstigen Wetterbedingungen stabilere Erträge erzielen. Diese Faktoren beeinflussen verstärkt den extensiven Anbau und da sie nur im Streifenanbau entscheidend sind, können zweizeilige Sorten im Praxisanbau sechszeilige Sorten übertreffen. Trotz des neuen Versuchslayouts ist eine systematische Benachteiligung der zweizeiligen Sorten nicht auszuschliessen. Bei der Beurteilung des Versuches ist jedoch zu beachten, dass nur die Ergebnisse eines Jahres ausgewertet wurden. Erst nach der Versuchsernte 2026 können konkrete Aussagen über den Einfluss des neuen Versuchslayouts auf die Erträge von zwei- und sechszeiligen Sorten getroffen werden.
Fazit
Die Ergebnisse 2025 zeigen ein ähnliches Bild wie in der Versuchsreihe 2018-2020: In den Kleinparzellen liegen die sechszeiligen Sorten sowohl im ÖLN- als auch im extensiven Anbau vorne, während im extensiven Streifenanbau die zweizeiligen Sorten im Vorteil sind. Das verdeutlicht den Ertragsvorteil von sechszeiligen Sorten in Kleinparzellenversuchen. Da die aktuelle Auswertung jedoch nur auf einem Erntejahr basiert, ist die Aussagekraft noch eingeschränkt. Erst mit den Resultaten der Ernte 2026 lässt sich beurteilen, ob das neue Versuchslayout verbleibende Benachteiligungen der zweizeiligen Sorten tatsächlich reduziert und wie robust die beobachteten Unterschiede zwischen den Sortentypen sind.