Tiere vor dem Feuer retten
Es brennt! Am Strickhof Lindau steht der John Deere 6410 in Flammen. Das Feuer hat sich bereits im nahegelegenen Milchviehstall mit 120 Tieren und im Strohlager im oberen Stock ausgebreitet. Die Feuerwehr Illnau-Effretikon / Lindau ist alarmiert und fährt mit ihren Löschfahrzeugen Richtung Strickhof.
Doch wo genau befindet sich der Brand an der Adresse «Eschikon 21»? Das Gelände ist weitläufig und nicht alle Wege sind mit den stattlichen Fahrzeugen passierbar. Beim Brandort angekommen, wissen jedoch alle, was zu tun ist. Eine Gruppe kümmert sich um die Tiere im Stall, eine andere rollt Schläuche aus und weitere Feuerwehrmänner positionieren die Drehleiter und versuchen den Brand von oben zu bekämpfen. Erst nach einer Weile ist klar, dass das angrenzende Bürogebäude dank einer Brandschutzmauer für zirka 30 Minuten vor dem Feuer geschützt ist.
Verhalten der Tiere bei Feuer
Zum Glück handelt es sich nur um eine Übung. Unter dem Motto «Tierrettung im Brandfall» probt die Feuerwehr zusammen mit dem Strickhof den Ernstfall mit einem Stall voller Tiere. Christoph Jenni, Leiter Tierhaltung Ausbildungs- und Versuchsbetrieb Strickhof, und die beiden Mitarbeiter Adrian Oesch und Colin Ruckstuhl zeigen anschliessend an die Übung, wie Kühe, Pferde und Schweine aus einem brennenden Stall gerettet werden können.
- Kühe: Kühe können von hinten getrieben werden, da sie erst nach vorne ausschlagen, danach erst nach hinten. Wichtig: Alle Tore und Gatter öffnen und die ganze Herde ins Freie treiben. Als Herdentiere bleiben sie meist zusammen und entfernen sich in der Regel nicht weit vom Hof.
- Pferde: Pferde nur mit genügend Abstand treiben, da sie nach hinten ausschlagen können. Auch hier gilt: Tore und Gatter öffnen und die Tiere ins Freie treiben. Auch Pferde sind Herdentiere, sie können sich aber weite Distanzen vom Hof entfernen.
- Schweine: Schweine reagieren besonders schwierig, da sie dem Feuer entgegen rennen statt zu fliehen. Mithilfe von Brettern versuchen, die Tiere durch die Zwischengänge ins Freie treiben. «Einen Schweinestall zu retten ist aber wirklich sehr schwierig», sagte Christoph Jenni.
Für die Feuerwehr war dieser Input zum Verhalten der Tiere wertvoll. Übungsleiter Pascal Benoit: «Wir hätten die Tiere wohl einzeln nach draussen geführt, was wir nie geschafft hätten. Nun wissen wir, dass nur die Tore geöffnet und sie alle zusammen ins Freie getrieben werden dürfen.»
Herausforderung Orientierung
Eine weitere Herausforderung war die Orientierung auf dem weitläufigen Strickhof-Gelände. «Bei einem solchen Brand wären auch die Nachbarfeuerwehren aufgeboten worden. Insgesamt könnten rund 30 Feuerwehrfahrzeuge vor Ort sein», erklärt Pascal Benoit. Darum ist wichtig, dass die Fahrzeuge richtig positioniert werden und keine Zufahrtswege versperren. Die Feuerwehr sollten deshalb ihre Fahrzeuge genügend weit entfernt abstellen und sich beim Einsatzleiter, der die Fahrzeuge zuweist.
Tipps für die Landwirte
- Mit der örtlichen Feuerwehr Kontakt aufnehmen und den Betrieb zeigen oder eine Übung gestalten. Die Feuerwehr kann im Brandfall besser handeln, wenn sie den Betrieb kennt und die Aufgaben leichter priorisiert werden können, weil beispielsweise klar ist, wo Brandschutzmauern vorhanden sind.
- Ordnung halten, um Stolperfallen bei Rauch und Dunkelheit zu vermeiden.
- Spinnweben regelmässig entfernen. In Kombination mit Stroh und Staub brennen sie wie Zunder.
- Kontaktdaten der Betriebsleitung an einem gut zugänglichen Ort platzieren.
Text: Ursina Berger, Strickhof