Versuche, Trends und Herausforderungen im Ackerbau
Seit 2025 bewirtschaftet der Strickhof den Betrieb Schlossgut in Uitikon, der zum dortigen Massnahmenzentrum gehört. Am Flurgang vom 13. Mai präsentierten die Pflanzenbau-Beraterinnen und -Berater des Strickhofs – unterstützt vom Ausbildungs- und Versuchsbetrieb – zusammen mit externen Partnern an vier Posten aktuelle Versuche und Fragestellungen.
Futterbau
Futterbauberater Hanspeter Hug referierte über optimale Schnittzeiten beim Zwischenfutter und Saatzeiten beim Silomais und welchen Einfluss dies auf Ertrag und Gehalt haben kann. Versuche mit einer 200er-Zwischenfuttermischung zeigen klar, wie stark der Schnittzeitpunkt den Ertrag und die Futterqualität beeinflusst. Ein späterer erster Schnitt (erst wenn das italienische Raygras zu schieben beginnt) führt zu markant höheren Erträgen bei nur leicht tieferer Qualität. Im Versuch verdoppelte sich der Ertrag gegenüber dem frühen Schnitt. Zudem: Der zweite Schnitt ist der qualitativ schlechteste.
Beim Silomais steigert eine spätere Saat in der Regel den Ertrag. Allerdings muss die regionale Niederschlagsmenge berücksichtigt werden. In trockenen Gebieten empfiehlt sich eine frühere Saat, um die Restfeuchtigkeit vom Winter zu nutzen. Weiter stellte Hanspeter Hug einen Versuch vor, der den Einfluss der Jahresschnittstrategie auf den Ertrag, den Gehalt, die Kosten und die Bestandesentwicklung einer Kunstwiese untersuchte.
Die Wahl der Schnittstrategie hat grosse Auswirkungen darauf, wie viel Futter eine Wiese liefert, wie die Qualität ausfällt, wie teuer die Produktion wird und wie sich der Bestand entwickelt. Der Versuch zeigt: Je öfter man schneidet, desto tiefer fällt der Ertrag aus. Das zeigt sich vor allem, wenn vor dem Mais zwei Schnitte gemacht werden.
Diese Strategie bringt im Futterbau keinen Vorteil – auch nicht beim
NEL-Gehalt. Folglich lohnt sich die Zweischnittstrategie nicht.
Kosten und Wachstumspausen
Weniger Schnitte bedeuten tiefere Kosten. Die eingesparten Erntekosten können genutzt werden, um fehlenden Energiegehalt – falls nötig – mit einer Getreidemischung zuzukaufen. Bei weniger Jahresnutzungen hat man auch weniger Arbeit, mehr Ertrag und Wiesen in einem besseren Zustand. Nach jedem Schnitt wächst die Wiese während ein bis zwei Wochen kaum. Je mehr Schnitte, desto mehr wachstumsfreie Wochen. Die Schnittfrequenz beeinflusst auch die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes. Je häufiger geschnitten wird, desto stärker breitet sich Gemeines Rispengras aus. Insbesondere in trockenen, heissen Jahren ist es besonders wichtig, weniger oft zu schneiden, damit der Bestand stabil bleibt.
Raps
Pflanzenbau-Beraterin Janine Hitz stellte die aktuellen Rapsversuche vor. Immer häufiger tritt das Wasservergilbungsvirus
(TuYV) im Raps auf. Es wird durch Blattläuse übertragen und kann bis zu 30 Prozent Ertragseinbusse verursachen. Weil das Schadbild sehr unspezifisch ist, lässt sich der Virus nur über eine Laboranalyse bestimmt nachweisen. Erstmals wurde am Strickhof eine weissblühende Rapssorte getestet – in der Hoffnung, dass die hellen Blüten weniger Rapsglanzkäfer anziehen. Der Versuch zeigte jedoch wie erwartet keinen signifikanten Unterschied zu herkömmlichen Sorten. Ein weiterer Versuch ergab, dass bei optimalen Saatbedingungen die Körnerdichte reduziert werden kann: 25 Körner pro Quadratmeter brachten denselben Ertrag wie 40 Körner. Unter suboptimalen Bedingungen empfiehlt es sich jedoch, eher dichter zu säen. Weiter musste eine schlecht entwickelte Winterraps-Parzelle umgebrochenwerden. Am 23. März wurde dort mit 150 Körnern pro Quadratmeter Sommerraps gesät. Sommerraps bildet weniger Seitentriebe, weshalb eine höhere Körnerdichte gewählt werden muss. Janine Hitz geht davon aus, dass der Sommerraps etwa zwei bis drei Wochen nach dem Winterraps geerntet werden kann. Schlecht blühende Bestände können folgende Ursachen haben: schwierige Saatbedingungen, trockener Frühling, Frost, starke Temperaturschwankungen, Stresssituationen, Schäden durch Rapsglanzkäfer.
Zuckerrüben
Simon Binder von der Fachstelle Pflanzenschutz am Strickhof erklärte, dass sich die Zuckerrüben in diesem Jahr erfreulich präsentieren. Sonderbewilligungen für Pyrethroide mussten bislang kaum ausgestellt werden. Der limitierende Faktor sei bislang vor allem die Wasserversorgung gewesen. Vereinzelt seien Kolonien schwarzer Blattläuse festgestellt worden, diese lägen jedoch noch unter der Schadschwelle. Grüne Blattläuse seien bisher noch keine gefunden worden. Als herausfordernd bezeichnete Simon Binder zwei Schädlinge: den Rübenrüssler sowie die Schilf-Glasflügelzikade. Letztere mit Insektiziden zu
bekämpfen, sei wenig zielführend, da sich der Einflug der Zikaden über einen langen Zeitraum erstrecke (Juni bis Juli). Eine mögliche Strategie ist der Anbauverzicht von Weizen nach Zuckerrüben sowie eine Saat im Frühling erst ab April. Dadurch fehle den Nymphen die Nahrung, wodurch sie verhungern und absterben. Der Rübenrüssler wurde 2019 erstmals im Kanton Waadt beobachtet. 2025 wurden adulte Käfer auch im Kanton Zürich entdeckt. Bislang habe der Schädling jedoch noch keine nennenswerten Schäden verursacht. Remo Nef von Samen Steffen AG erklärte, dass in diesem Jahr mit «Buteo Start» zwar ein neues Beizmittel gegen den Erdfloh zur Verfügung stehe, dieses jedoch nur für ein Jahr bewilligt worden sei. Um Alternativen zu prüfen, werde derzeit ein Versuch mit einer Zweitkultur durchgeführt. Parallel zu den Conviso-Rüben wurden drei Beisaat-Mischungen ausgebracht, die sich schneller entwickeln als die Rüben und den Erdfloh von den Kulturen fernhalten sollen.
Text: Michael Wahl und Ursina Berger, Strickhof