Pflanzenbau News Strickhof vom 29. April 2026
Gerste
Krankheiten
Die Gerste präsentiert sich noch weitgehend gesund. Ist ein Fungizideinsatz angezeigt, achten Sie bei der Mittelauswahl (siehe Seite 14 des Mittelhefts) neben der Wirkung gegen Netzflecken und Rhynchosporium auch auf einen ausreichenden Schutz gegen Sprenkelnekrosen (PLS und Ramularia). Neben chemisch-synthetischen Komponenten versprechen auch Zusätze von elementarem Schwefel (z. B. Heliosoufre S) oder das Bakterien-Präparat Serenade ASO einen präventiven Effekt.
Wachstumsregulatoren
Die Wintergerste entwickelt sich rasant und steuert mit grossen Schritten auf das Stadium der Abschlussbehandlung (DC 37–51) zu. Aufgrund der trockenen Bedingungen und der hohen Sonneneinstrahlung sind die Bestände bereits natürlich verkürzt, weshalb Wachstumsregulatoren nur noch mit grosser Zurückhaltung eingesetzt werden sollten. Reduzieren Sie die Aufwandmenge (z.B. Ethephon/Terpal) je nach Sorte und Standfestigkeit auf bis zu einem Drittel der Dosierung. Bei bereits erfolgter starker Verkürzung in DC 31–32 sollte auf einen Einsatz ganz verzichtet werden, um zu verhindern, dass die Ähren in den Blattscheiden stecken bleiben. Hinweis: Alle Verkürzer mit dem Solo-Wirkstoff Ethephon (Gehalt 480 g/l) müssen bis zum 31.12.2026 aufgebraucht werden (vgl. Newsletter von letzter Woche).
Weizen
Standfestigkeit
In Abhängigkeit von Sortenwahl, Saatdichte, Saatzeitpunkt und der bisherigen Kulturführung präsentieren sich die Weizenbestände unterschiedlich üppig. Sollte die Verkürzung bislang nicht den erwünschten Effekt zeigen, stünden für eine Nachverkürzung noch die Produkte Medax (bis DC 39) sowie Prodax und Ethephon (beide bis DC 49) zur Verfügung. Auch hier raten wir witterungsbedingt zur Zurückhaltung.
Krankheiten
In diesen Tagen dürften frühe Weizenbestände das Fahnenblatt schieben (DC 37). Ab diesem Zeitpunkt ist die Kontrolle auf Septoria-Blattflecken durchzuführen. Hierzu wird das viertoberste, voll entwickelte Blatt ausgezählt (dieses befindet sich weiter unten im Bestand). Die Bekämpfungsschwelle ist überschritten, wenn 20 % der Blätter Befall aufweisen. Nach einem Fungizideinsatz kann mit einer Wirkungsdauer von etwa drei Wochen gerechnet werden. Danach sollte der Schutz gegen Septoria erneuert werden, damit anfällige Sorten nicht in eine ungeschützte Phase geraten.
Weiter unten in den Beständen findet man Mehltau-Pusteln. Die Krankheitsentwicklung wurde aber jüngst durch die geringe Luftfeuchte gebremst. Zur Ermittlung der Schadschwelle von Mehltau kontrolliert man jeweils die drei obersten voll entwickelten Blätter pro Halm; hier ist die BKS bei 25 % bis 50 % befallenen Blättern erreicht.
Mais
Jetzt säen?
Wer Mais nach einer Wiese ansät, sollte sich aktuell eine entscheidende Frage stellen: Ist nach dem Umbruch noch ausreichend Wasser im Boden gespeichert, damit der Mais keimt und auch bei ausbleibenden Niederschlägen weiterwachsen kann? Oder wäre es sicherer, das Saatgut noch «in der Dose» zu belassen und erst dann zu säen, wenn verlässliche Niederschläge angekündigt sind? Mais, der aufgrund von Trockenheit mehrere Wochen im Boden verbleibt, ist Bodenschädlingen wie dem Drahtwurm deutlich länger ausgesetzt als Mais, der zügig aufläuft. Wenn hingegen noch genügend Bodenfeuchte im Saathorizont vorhanden ist, kann die Saat erfolgen.
Problematisch bei Frühlingssaaten ist eine verzögerte Jugendentwicklung sowie – insbesondere bei grobscholligen Verhältnissen – ein gestaffeltes Auflaufen. Dies sind ideale Voraussetzungen für Schäden durch Krähen und Tauben an Sonnenblumen und frühem Mais. Da die Vögel die Keimlinge oft auf der Suche nach Insektenlarven ausreissen oder es direkt auf das energiereiche Saatkorn abgesehen haben, bleiben auf den betroffenen Parzellen häufig nur blattlose Stängel resp. Kahlstellen zurück. Ein wirksamer Schutz basiert primär auf Prävention: Neben der Saatgutbehandlung kommen verschiedene Vergrämungsmassnahmen wie Flugdrachen oder Heliumballons zum Einsatz. Entscheidend für den Erfolg ist ein regelmässiger Wechsel der Methoden oder Standorte alle zwei bis fünf Tage, um den schnellen Gewöhnungseffekt der Vögel zu verhindern. Ergänzend dazu könnte die koordinierte Bejagung durch den Wildhüter den Frassdruck in stark betroffenen Gebieten weiter mindern.
Extensive Wiesen
Detektionsbasierte Blackenbekämpfung
Auch in diesem Jahr besteht auf extensiven Wiesen wieder die Möglichkeit zur Bekämpfung von Blacken, Disteln oder Herbstzeitlosen mittels detektionsbasierter Applikation, wie sie beispielsweise durch Systeme wie Ecorobotix ARA, Rumex oder RumboJet 880 erfolgt. Da diese Anwendung jedoch sonderbewilligungspflichtig ist, muss zwingend ein entsprechendes Gesuch über die Plattform «sonderbewilligung.strickhof.ch» eingereicht werden. Bei der Bekämpfung von Blacken im Grünland ist generell zu beachten, dass Produkte mit dem Wirkstoff Asulam, bekannt unter den Handelsnamen Asulox, Asulam oder Ruman, nur noch bis zum 1. Juli 2026 eingesetzt werden dürfen und diese daher rechtzeitig aufgebraucht werden sollten.
Zuckerrüben
Herbizid (Klassik)
In vielen Regionen haben die Zuckerrüben inzwischen das
4-Blattstadium erreicht und beginnen den Schädlingen langsam davonzuwachsen. Dennoch stehen die Bestände weiterhin vor einigen Herausforderungen. Insbesondere die anhaltend trockenen Bedingungen bringen die Herbizidstrategien vieler Rübenanbauer durcheinander. Bodenherbizide entfalten ihre volle Wirkung nur bei ausreichender Bodenfeuchte. Bei Trockenheit wird daher vermehrt auf blattwirksame Wirkstoffe wie Phenmedipham und Ethofumesat in Kombination mit Öl zurückgegriffen. Unter solchen Bedingungen empfiehlt es sich, die Aufwandmengen etwas zu reduzieren und dafür die Behandlungsintervalle zu verkürzen. Die derzeit intensive Sonneneinstrahlung begünstigt zudem die Wirkung von Kontaktherbiziden. Dennoch sollte nicht vollständig auf Bodenherbizide verzichtet werden. Metamitron bleibt ein wichtiger Bestandteil jeder Herbizidstrategie im Rübenanbau, da es im Boden eine gewisse Zeit aktiv bleibt und bei nachfolgenden Niederschlägen seine Wirkung erneut entfalten kann.
Düngung
Auch die Düngung der Zuckerrüben sollte nun schrittweise zum Abschluss gebracht werden. Spätestens vor dem Erreichen des 6-Blattstadiums sollte die letzte Düngergabe erfolgen. Dabei ist darauf zu achten, schnell verfügbare Stickstoffdünger einzusetzen. Langsam wirkende Dünger wie Harnstoff, Gülle oder Mist setzen ihre Wirkung zu spät frei. Eine verspätete oder zu hohe Stickstoffgabe führt bei Zuckerrüben zum sogenannten „Luxuskonsum“. In der Folge entwickeln die Pflanzen übermässig Blattmasse, während die Zuckereinlagerung verzögert wird. Gleichzeitig steigt der Anteil unerwünschter Melassebildner, was letztlich die Zuckerausbeute reduziert. Für eine optimale Ertrags- und Qualitätsentwicklung ist daher eine gezielte und rechtzeitige Düngung entscheidend, damit die Rüben gut abreifen können.
News auf der Strickhof-Website
Vorsicht vor illegalen PSM aus dem Internet
Wer Pflanzenschutzmittel online kauft, sollte wachsam sein. Fehlende Zulassungsnummern, unrealistische Versprechen und ausländische Shops sind klare Warnzeichen. Nicht jedes verlockende Angebot ist auch legal.
Teilflächenspezifische Düngung mit organischen Düngern
Teilflächenspezifische Düngung ermöglicht es, Unterschiede innerhalb eines Schlages gezielt zu nutzen, statt sie zu überdecken.
Termine
Strickhof Flurgang Uitikon 13. Mai 2026