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Die Haferernte am Stiegenhof fand im letzten Versuchsjahr am 11. August statt. Bild: Johannes Ru00f6llin >

Sortenversuch Winterspeisehafer 2023 – 2025

Über drei Jahre hinweg war der Stiegenhof Teil eines schweizweiten Sortenversuchsnetzwerks zu Winterhafer. Ziel war es, neue Speisehafersorten unter Praxisbedingungen zu prüfen und deren Eignung für den Bioanbau sowie für die menschliche Ernährung zu beurteilen. Die Versuche wurden vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) koordiniert und gemeinsam mit Praxisbetrieben umgesetzt.
VersuchsbetreuendeJohannes Röllin und Manuel Baur
Aussagekraft **
Versuchspartner
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Ausgangslage: Hafer für die menschliche Ernährung

Hafer wurde in der Schweiz lange hauptsächlich als Futtergetreide angebaut. Für die menschliche Ernährung – etwa für Haferflocken oder Haferdrinks – spielt Speisehafer jedoch eine zunehmend wichtige Rolle. Entscheidend für die Verarbeitung sind insbesondere eine helle Spelzenfarbe sowie ein genügend hohes Hektolitergewicht von mindestens 54 kg/hl.

Der Anbau von Speisehafer erfolgt in der Regel auf Vertragsbasis mit Abnehmern. Für Produzentinnen und Produzenten ist es deshalb wichtig, den Absatz bereits vor der Aussaat zu klären und einen entsprechenden Abnahmevertrag abzuschliessen. Ohne gesicherten Absatz besteht das Risiko, dass die Ernte als Futterhafer vermarktet werden muss.

Haferernte
Die Haferernte am Stiegenhof fand im letzten Versuchsjahr 2025 am 11. August statt. Bild: Johannes Röllin

Versuchsaufbau

An sieben Standorten in der Schweiz wurden insgesamt sieben Winterhafersorten geprüft. Vier Standorte wurden als Praxisstreifenversuche geführt, an drei weiteren Standorten erfolgten Exaktversuche mit drei bzw. vier Wiederholungen. Die Sorten Eagle und Snowbird sind bereits für den Bioanbau zugelassen, während die übrigen fünf Sorten als mögliche Kandidaten auf ihre Eignung geprüft wurden. Bei positiven Resultaten könnten diese künftig die bestehende Sortenliste ergänzen.

Die Aussaat erfolgte mit einer Basis-Saatdichte von rund 400 Körnern pro Quadratmeter und einer Saattiefe von 3–5 cm. Je nach Standortbedingungen, Saatzeitpunkt und betrieblichen Erfahrungen wurden diese Richtwerte von den beteiligten Betrieben teilweise angepasst.

Tabelle 1: Liste der geprüften Sorten. 

Sorte Aufnahmejahr Empfohlene SortenlisteReife
Eagle2019mittelspät bis mittelfrüh
Snowbird2022früh 
Gerald-spät 
Vodka-mittelspät bis mittelfrüh
Fleuron-früh 
Dalguise-mittelspät bis mittelfrüh
Rhapsody-mittelspät bis spät 

Die Sorten wurden an mehreren Standorten in der Schweiz angebaut – sowohl in Kleinparzellenversuchen als auch in Praxisstreifen.

Ergebnisse

Zwischen den geprüften Sorten zeigten sich deutliche Unterschiede hinsichtlich Ertrag, Standfestigkeit und Qualitätsparametern. Besonders hohe und stabile Erträge erzielten die Sorten Vodka und Rhapsody, wobei Rhapsody aufgrund des tieferen Hektolitergewichts eher für die Nutzung als Futterhafer geeignet ist.

Für den Anbau von Speisehafer überzeugten insbesondere die Sorten Vodka, Snowbird, Fleuron und Eagle. Diese Sorten kombinierten gute Erträge mit ausreichenden Hektolitergewichten und einer insgesamt guten agronomischen Leistung.

Bei einigen Sorten zeigte sich eine stärkere Schwankung der Erträge zwischen den Jahren und Standorten. So wiesen Dalguise und Gerald teilweise gute Erträge auf, jedoch mit geringerer Stabilität. Unterschiede zeigten sich auch bei der Standfestigkeit und der Blattgesundheit.

Beim Hektolitergewicht, einem entscheidenden Qualitätsmerkmal für Speisehafer, erreichte Vodka im Sortenvergleich die besten Werte. Snowbird zeigte ebenfalls gute Hektolitergewichte, allerdings mit einer etwas höheren Lageranfälligkeit.

Tabelle 2: Übersicht Sorteneigenschaften Winterhafer aus dem KABB Sortenversuch 2023-2025. Referenzsorten Eagle und Snowbird. 

SorteErtragHektolitergewichtBodenbedeckungStandfestigkeitHalmlängeBlattgesundheitMykotoxineBemerkungen
Dalguise++/-Ø+ØlØ+Erträge schwankend
Eagle++ / Ø++Øk-ml++Gute Speisesorte
Fleuron+++++ / Øml-l+ / Ø++Gute Speisesorte
Gerald++/-Ø--+ / Øk+ØErträge stark schwankend
Rhapsody+++-Ø+k++ØFutterhafer
Snowbird+++ØØ / -ml++++Gute Speisesorte
Vodka+++++++++ / Øml++Beste Speisesorte

++ = sehr gut, + = gut, Ø = durchschnittlich, - = schlechter als der Mittelwert, -- = deutlich schlechter

Fazit

Die Ergebnisse des dreijährigen Sortenversuchs zeigen, dass Winterhafer unter Biobedingungen ein gutes Ertragspotenzial besitzt. Gleichzeitig unterscheiden sich die Sorten deutlich hinsichtlich Ertrag, Qualität und Anbaueigenschaften. Für den Anbau von Speisehafer erwiesen sich insbesondere Vodka, Snowbird, Fleuron und Eagle als geeignet. Die Sorte Vodka überzeugte dabei durch hohe und stabile Erträge sowie ein sehr gutes Hektolitergewicht.

Neben der Sortenwahl ist vor allem wichtig, den Absatz bereits vor der Aussaat zu sichern, da Speisehafer in der Regel über Abnahmeverträge produziert wird. Zudem kann eine angepasste Bestandesführung, beispielsweise bei Saatdichte und Düngung, dazu beitragen, Lager zu vermeiden und die Qualität zu sichern.

Schlussbericht

Der vollständige Versuchsbericht mit allen Resultaten und detaillierten Auswertungen ist im Schlussbericht Hafer 2023 - 2025 des FiBL verfügbar.

 

Autor: Johannes Röllin