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Sortenversuch Roggen 2023 – 2025

Im dreijährigen Sortenversuch zeigten Winterroggensorten deutliche Unterschiede in Ertrag, Standfestigkeit und Qualität. Die Hybridsorte Serafino erzielte wie zu erwarten war hohe Erträge, ist jedoch im Bioanbau nicht zugelassen. Recrut und Elias überzeugten als ausgewogene Populationssorten. Die Sortenwahl bleibt entscheidend für Ertrag und Qualität.
VersuchsbetreuendeJohannes Röllin und Manuel Baur
Aussagekraft **
Versuchspartner
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Ausgangslage: Roggen im Biolandbau

Roggen ist eine robuste Getreideart und eignet sich gut für den Anbau unter extensiven Bedingungen. Durch seine starke Bestockung, gute Winterhärte und hohe Konkurrenzkraft gegenüber Unkraut kann Roggen auch auf leichteren Böden stabile Erträge liefern. Zudem wird Roggen häufig für die Herstellung von Brot und Backwaren verwendet, weshalb im Bioanbau vor allem Mahlroggen mit guten Qualitätsparametern gefragt ist.

Neben dem Ertrag spielen bei Roggen insbesondere das Hektolitergewicht sowie der Mutterkornbefall eine wichtige Rolle für die Qualität. Mutterkorn wird durch den Pilz Claviceps purpurea verursacht und kann zur Bildung von Ergotalkaloiden führen, weshalb eine sorgfältige Sortenwahl und Bestandesführung entscheidend sind.

Roggen Ernte
Die Roggenernte am Stiegenhof fand im letzten Versuchsjahr 2025 am 17. Juli statt. Bild: Johannes Röllin

Versuchsaufbau

Im Rahmen des KABB-Projekts wurden zwischen 2023 und 2025 sechs Roggensorten unter Biobedingungen geprüft. Die Versuche fanden an vier Standorten in der Schweiz statt, darunter auch auf dem Stiegenhof in Oberembrach.

Geprüft wurden sowohl Populationssorten als auch eine Hybridsorte. Ziel war es, die agronomischen Eigenschaften und Qualitätsmerkmale der Sorten unter Praxisbedingungen zu vergleichen.

Tabelle 1: Liste der geprüften Sorten. 

Sorte Aufnahmejahr Empfohlene SortenlisteSortentyp
Elias2023Populationssorte
Recrut2002Populationssorte
Matador-Populationssorte
Diament-Populationssorte
Baldachin-Populationssorte
Serafino-Hybridsorte

Ergebnisse

Zwischen den geprüften Roggensorten – Baldachin, Elias, Matador, Recrut und Serafino (Hybrid) – zeigten sich deutliche Unterschiede hinsichtlich Ertrag, Standfestigkeit, Krankheitsanfälligkeit und Qualität.

Beim Ertrag bestätigte sich das bekannte Bild: Die Hybridsorte Serafino erreichte insgesamt ein hohes und stabiles Ertragsniveau. Auch die Populationssorten Recrut und Elias zeigten gute bis sehr gute Erträge, während Baldachin und Matador eher im mittleren Bereich lagen.

In Bezug auf die Standfestigkeit und Pflanzenhöhe schnitt Serafino am besten ab. Die Sorte wies die kürzesten Halme und die geringste Lageranfälligkeit auf. Ebenfalls erfreulich standfest waren Elias und Baldachin, obwohl sie deutlich längere Halme bildeten. Recrut und Matador zeigten eine mittlere Lageranfälligkeit und sind entsprechend standortabhängig zu beurteilen.

Ein zentrales Thema im Roggenanbau ist die Mutterkornanfälligkeit. Hier zeigten sich Unterschiede zwischen den Sorten: Einige Sorten wiesen eine bessere Toleranz auf, während andere – insbesondere unter ungünstigen Bedingungen – stärker betroffen waren.

Beim Hektolitergewicht und der Kornqualität unterschieden sich die Sorten ebenfalls. Einzelne Sorten kombinierten gute Erträge mit soliden Qualitätswerten, während andere trotz guter Erträge Schwächen in der Qualität aufwiesen.

Tabelle 2: Übersicht Sorteneigenschaften Winterroggen aus dem KABB Sortenversuch 2023-2025.

SorteErtragHektolitergewichtBodendeckungStandfestigkeitHalmlängeMykotoxineBemerkungen
Baldachin+++++lØErtrag mittel-gut, HLG gut; gute Bodendeckung; standfest, trotz langer Halme; mittlere Resistenz gegen Mutterkorn / EA
Elias+ØØ+ml-Ertrag mittel-gut, HLG mittel; Bodendeckung mittel; standfest, mittlere Halmlänge; Resistenz gegen Mutterkorn / EA eher schwach
MatadorØ / ++++Ø / -l+Ertrag eher durchschnittlich, HLG sehr gut; Standfestigkeit mittel, lange Halme; beste Resistenz gegen Mutterkorn / EA
Recrut+++ØØ / +ml-lØErtrag gut bis sehr gut, HLG gut; Bodendeckung mittel; mittellange Halme, Standfestigkeit mittel bis gut; mittlere Resistenz gegen Mutterkorn / EA
Serafino (Hybrid)++++Ø / -++k-Ertrag sehr gut, HLG gut; Bodendeckung mäßig bis schwach; Halme kurz, standfest; Resistenz gegen Mutterkorn und EA eher schwach

++ = sehr gut, + = gut, Ø = durchschnittlich, - = schlechter als der Mittelwert, -- = deutlich schlechter

Fazit

Die Versuche zeigten Unterschiede zwischen den geprüften Roggensorten hinsichtlich Ertrag, Standfestigkeit, Krankheitsanfälligkeit und Qualität. Die Hybridsorte Serafino erreichte zwar hohe und stabile Erträge, ist jedoch im biologischen Anbau nicht zugelassen und deshalb für die Praxis nicht relevant.

Unter den Populationssorten zeigten insbesondere Baldachin, Elias und Recrut interessante Eigenschaften. Baldachin überzeugte durch eine gute Standfestigkeit sowie eine hohe Krankheitsresistenz. Elias und Recrut erreichten gute Erträge und solide agronomische Leistungen.

Neben den Sorteneigenschaften lieferten die Versuche wichtige anbautechnische Erkenntnisse. Besonders die Konkurrenzkraft gegenüber Unkraut sowie der Einfluss von Gräserdurchwuchs auf den Mutterkornbefall erwiesen sich als wichtige Faktoren im Bio-Roggenanbau.

Die Erkenntnisse aus dem Praxisstreifenversuch fliessen in die zukünftige Sortenliste für Biogetreide ein und tragen dazu bei, Empfehlungen für den biologischen Roggenanbau weiterzuentwickeln.

Schlussbericht

Der vollständige Versuchsbericht mit allen Resultaten und detaillierten Auswertungen ist im Schlussbericht Roggen 2023 - 2025 des FiBL verfügbar.

 

Autor: Johannes Röllin

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