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Altes Wissen aufleben lassen

Am Strickhof vermittelt ein Kurs und ein Arbeitskreis, wie Heilkräuter im Stall eingesetzt werden können.

Es duftet nach Lavendel, Thymian und Bienenwachs in der Schulküche vom Strickhof Wülflingen. Heute findet der dritte Kurstag «Arzneipflanzenanwendungen im Stall» statt und die Kursteilnehmerinnen lernen unter der Anleitung der heutigen Referentin, Sabine Bosshard, aus Wild- und Küchenkräutern Tinkturen, Salben, Tee und weitere Anwendungen herzustellen. Eine Teilnehmerin erzählt: «Ich möchte mein Wissen mit Heilpflanzen vertiefen.» Sie hat guten Grund: Bereits konnte sie auf ihrem Betrieb ein Kalb mit Heilerde von seinem Ohrenleiden befreien, obwohl der Tierarzt das Tier bereits einschläfern wollte. Eine andere Teilnehmerin hat bei ihren Kindern gute Erfahrungen mit Heilpflanzen gemacht und möchte sie nun auch im Stall anwenden.

Herausforderung: Antibiotika-Resistenz

Roger Bolt vom Fachbereich Tierhaltung am Strickhof, leitet den fünftägigen Kurs «Arzneipflanzenanwendungen im Stall» und hat dieses Jahr – zusammen mit Karoline Schweingruber - den gleichnamigen Arbeitskreis ins Leben gerufen. Im Arbeitskreis sollen sich die Anwenderinnen und Anwender von Heilpflanzen austauschen und durch gelegentliche Inputs von Fachpersonen weiterbilden lassen können. Für Roger Bolt ist klar: «Die Zunahme von Antibiotikaresistenzen stellt die öffentliche Gesundheit vor grosse Herausforderungen. Was unsere Vorfahren für selbstverständlich anschauten, haben wir fast vergessen: Das Wissen um Heilkräuter und ihre Anwendung.»

Vorbeugende Behandlungen

Im Kurs werden die Teilnehmenden sensibilisiert, die Tiere genau zu beobachten und wenn nötig, genügend früh eine Behandlung zu beginnen. «Oft sind Pflanzen im prophylaktischen Bereich hervorragend», hat Roger Bolt die Erfahrung gemacht. Er nennt Euterentzündungen, die im Anfangsstadion mit Thymian behandelt werden können, oder dass beim Einstallen der Kälber vorbeugend eine Kapuzinerkressetinktur verabreicht werden kann, um die Tiere gegen die üblichen Krankheiten widerstandsfähiger zu machen. Mit Heilpflanzen könne auch die Verdauung unterstützt und der Appetit angeregt werden, was die Leistung des Tiers beeinflusse. Im Mutterkuhstall vom Strickhof Wülflingen hängen Tannäste im Stall. Die darin enthaltene Harzsäure und das Tannin wirken gegen Bakterien und Viren. Roger Bolt stellt fest: «Je nach Befindlichkeit der Tiere fressen sie fleissig davon oder sie lassen es links liegen.»

Grenzen erfahren

In der Natur sind unendlich viele Heilpflanzen zu finden. Um den Kursteilnehmern einen überschaubaren Start in die Heilpflanzenwelt zu ermöglichen, werden zirka 15 Kräuter fokussiert besprochen und angewendet. Diese Kräuter sind vielseitig einsetzbar und bei einer falschen Dosierung ohne nennenswerte Auswirkungen. Dass Pflanzen immer mehrere Wirkstoffe enthalten, ist zwar von grossem Vorteil, macht das Ganze aber auch undurchschaubar. Denn welcher Wirkstoff oder gar deren Kombination haben nun zu einer Besserung geführt? Dass viele Pflanzen ähnliche Wirkstoffe enthalten, erlaubt es den Anwenderinnen und Anwendern, die ihnen ansprechenden Pflanzen zu wählen. Roger Bolt will den Kursteilnehmenden auch vermitteln, dass die Anwendung von Heilpflanzen ihre Grenzen hat und diese respektiert werden müssen: «Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, für das Wissen um die Heilpflanzen, aber auch um die Grenzen, die es geben wird.»

Text: Ursina Berger

Der Arbeitskreis trifft sich das nächste Mal am Donnerstag, 15. September 2022. Anmeldungen an roger.bolt@strickhof.ch

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