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Weite Reihen im Getreide geplant: eine neue Biodiversitätsförderfläche in der AP 22+ vorgeschlagen

In der Biodiversitätsförderung gibt es einige Erfolge vorzuweisen, doch im Ackerbaugebiet zeigt der Pfeil immer noch nach unten. Eine prominente, ackerbewohnende Art ist die Feldlerche. Mit weiten Reihen oder weiter Saat von Getreide , so beweisen verschiedene Projekte, kann der anspruchslosen Art geholfen werden.

Mangel an Biodiversitätsförderflächen (BFF) im Ackerbaugebiet

Die Feldlerche gilt als robuste Art und ist noch die häufigste unter den Bodenbrütern. Umso erschreckender, dass selbst die Feldlerche im Kanton Zürich – bis auf Gebiete mit spezifischen Förderprojekten – sozusagen nicht mehr vorkommt.

In der Botschaft des Bundesrates zur Agrarpolitik 22+, wird denn auch folgerichtig vorgeschlagen, dass neu im Ackerbaugebiet 3.5 % der Ackerfläche mit Biodiversitätsförderflächen belegt sein muss. Im Vergleich zu heute wäre das eine enorme Steigerung an Brachen, Säumen oder Blühstreifen. Denn es ist wohl nicht von ungefähr, dass die typischen Acker-Bewohner selten geworden sind.

 

Neuer Typ BFF  "weite Reihen oder weite Saat" vorgeschlagen

In der AP 22+ wird aber nicht nur gefordert, sondern auch ein neuer anrechenbarer und beitragsberechtigter Typ Biodiversitätsförderfläche vorgeschlagen. Die sogenannten «weiten Reihen oder weite Saat»: Beim Säen von Getreide werden in der Regel zwei von fünf Scharen geschlossen, so dass etwa 60 % der üblichen Saatmenge ausgebracht wird. In den Lücken und zwischen den Reihen können sich die Tiere besser bewegen und finden Nistplätze sowie Nahrung (vgl. unten: Bedürfnisse der Feldlerche). So entsteht im Zusammenspiel mit anderen Ackerflächen ein Lebensraum für die typischen ackerbewohnenden Tiere.

Weite Saat von Getreide
Getreidefeld in weitern Reihen gesät von fern
Weite Saat in Getreide
Getreidefeld in weitern Reihen gesät von nah

Abgeltung und Erfahrungen

Die Ertragseinbussen beim Getreide betrugen in Probeflächen im Durchschnitt ca. 15 %. Die tiefen Saatmengen werden also zu einem guten Teil mit höherer Bestockung kompensiert und der fehlende Teil des Ertrags soll mit Beiträgen ausgeglichen werden, sodass für den Landwirt kein Schaden entsteht.

Die Massnahme «weite Reihe» ist in einzelnen Gemeinden in definierten Fördergebieten für Feldlerche und Feldhase im Rahmen von Vernetzungsprojekten schon heute möglich. Der Vernetzungbonus beträgt dafür Fr. 1000.- / ha Getreide, doch sie sind (noch) nicht an die BFF (7%) anrechenbar.

Interview mit einem Landwirt, der die weite Saat praktiziert: 

Wieviel Getreide bauen Sie an und wieviel in weiten Reihen?

480 Aren Getreide, davon 240 Aren Futterweizen und 240 Aren Futtergerste. Der Einfachheit halber, wenn die Sämaschine schon gerichtet ist, säe ich den gesamten Weizen in weiten Reihen. 

Gibt es etwas Spezielles zu beachten im Anbau, z.B. Unkräuter oder die Lage? 

Ums Feld herum säe ich jeweils dichter, damit der Fuchs keine Eintrittspforte hat. 

Ausserdem baue ich das Getreide ohne Insektizide, Fungizide und in der Regel ohne Herbizide an, ein früher Striegeleinsatz reicht.

Haben Sie noch andere Biodiversitätsförderflächen im Acker? Welche? 

Nein, die Feldlerchenpatches sind mir zu aufwändig wegen der Einsaat von Blühmischungen im Frühling und wegen der Lage mittendrin. Das erschwert die Pflege.

Konnten Sie Feldlerchen oder andere Tiere beobachten?

Das Trällern höre ich oft und den Sink- und Steigflug der Feldlerchen zu beobachten ist faszinierend. Zu anderen Tieren kann ich wenig sagen, da das Feld nicht in der Nähe liegt. 

Hatten Sie Ertragseinbussen, bzw. lohnt sich unter dem Strich das Mitmachen im Projekt?

Die Bestockung, auch angeregt durchs Striegeln, kompensiert einiges. Manchmal gibt es mehr, manchmal weniger Ertrag; dies aber eher wegen der Trockenheit.

Da ich den Projektbeitrag für «weite Reihen» mit intensiverem Anbau nie erreichen würde, entsteht eine Win-win Situation. 

 

Was brauchen Feldlerchen?

Feldlerchen leben im offenen Ackergebiet. Sie halten Abstand zu hohen Strukturen wie Wald, Hochspannungsleitungen und dem Siedlungsgebiet. Sie singen hoch oben in der Luft und markieren damit ihr Revier, aber bauen das Nest am Boden im Acker. Deshalb ist für sie eine lückige Struktur besser.

Der zweite wichtige Punkt ist die Nahrung: In weit gesäten Reihen kommt das Licht bis auf den Boden, daher hat es mehr Beikräuter und auch mehr Insekten – hauptsächliche Nahrung der Feldlerche. Aus demselben Grund sind auch Brachen und Blühstreifen wichtig für sie. Durch die «weite Saat», Feldlerchenfenster (IP Suisse) und andere BFF in der Nähe werden Weizenfelder als Lebensraum für die Feldlerche, aber auch für Feldhasen wieder attraktiver. 

Feldlerche am Boden