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Wärme dient dem Immunsystem

Am Kurs «Winterliches Know-how in der Kälberhaltung» vermittelten drei Experten reiches Wissen über Kälteschutz, Vermeidung von Krankheiten und optimale Haltungsbedingungen.

Eine sorgfältige und optimale Betreuung der Kälber in den ersten Lebenswochen zahlt sich aus: Studien zeigen, dass die Tierarztkosten je Tier sich halbieren, die Tageszunahmen sich erhöhen und die Kuh in den ersten zwei Laktationen mehr Milch gibt. Diese Vorteile erläuterte Katrin Müller vom Strickhof bei der Einleitung des Kurses «Winterliches Know-how in der Kälberhaltung» am letzten Samstagnachmittag in Lindau. 

Kalb braucht Wärme 

Katrin Müller zeigte auf, warum es für die Kälber wichtig ist, dass sie nicht allzu kalten Temperaturen ausgesetzt sind. Da ihr Pansen noch sehr klein ist und dieser aber den Rindtieren sozusagen als «Heizung» dient, benötigen die Kälber in den ersten Wochen eine zusätzliche Wärmequelle. Dabei können verschiedene Hilfsmittel eingesetzt werden: Wärmelampen, trockenes Stroh und auf jeden Fall ist Zugluft zu vermeiden. Auch stellte sie den «Nesting Score» vor, ein Messinstrument für das Strohnest: Sind die Beine des Kalbs im Stroh nicht sichtbar, ist das Strohnest gut. Ein weiteres Hilfsmittel sind Kälbermäntel, die vor allem bei Kälbern bis zum Alter von drei Wochen und bei Temperaturen von weniger 10 Grad sehr nützlich sind. Wird der Kältestress reduziert, erhöhen sich die Tageszunahmen und das Kalb hat genügend Energie übrig, um sein Immunsystem aufzubauen. 

Darm als zweites Gehirn 

Wo befindet sich das Immunsystem? Dieser Frage ging Roger Bolt vom Strickhof in seinem Referat nach. Fündig werden wir im Darm. Hier befinden sich die meisten immunologisch aktiven Zellen. Eine ausreichende Versorgung mit Kolostrum sei zentral, weil das Kalb eine Abwehr vor Krankheiten erst aufbauen muss. Er empfiehlt, die Kuh 2 bis 3 Wochen vor der Geburt mit zusätzlichen Mineralstoffen und Vitaminen zu versorgen. Am Kurs wurden verschiedene Kolostrum-Messmethoden vorgestellt und die Teilnehmenden konnten mitgebrachtes Kolostrum testen. 

Durchfall schwächt Immunsystem 

Tierärztin Helen Huber vom Rindergesundheitsdienst referierte zu den Themen Lungenentzündung, Drenchen und Durchfall. Für eine erfolgreiche Kälberaufzucht brauche es nebst einem guten Immunsystem auch ausreichend Futter, Platz, Luft und Licht und eine gute Betreuung. Meist führe eine Kombination mehrerer Faktoren zu einer Krankheit. Sie empfiehlt, eine Lungenentzündung nicht nur mit Antibiotika zu behandeln, sondern auch mit Entzündungshemmern und Schleimlösern. Nebenbei würden auch Wärme, genügend Einstreu und Milch sowie ein gutes Stallklima zur Heilung beitragen. Um Durchfall zu verhindern, sei die Prophylaxe zentral. In den ersten 12 Stunden nach der Geburt müsse das Kalb mindestens vier Liter Kolostrum erhalten. In den ersten 10 bis 14 Tagen nach der Geburt darf der Milch kein Milchpulver oder Wasser zugegeben werden, ansonsten könne dies zu Blähungen und Durchfall führen. Da das Immunsystem vor allem im Darm gebildet wird, stört Durchfall dessen Aufbau, was später leicht zu einer Lungenentzündung führen könne. 

Kälberhütten im Test 

Beim Praxisteil wurden die Kälberbuchten im Jungviehstall von AgroVet-Strickhof analysiert, speziell der Wind- und Kälteschutz sowie die Rückzugs- und Spielmöglichkeiten. Weiter wurden Kälberhütten verschiedener Anbieter besichtigt und deren Vor- und Nachteile diskutiert. Gemäss Katrin Müller hat die paarweise Unterbringung den Vorteil, dass die Kälber eine höhere Anpassungsfähigkeit bei Veränderungen aufweisen, was sich lebenslang positiv auswirke. Die Paarhaltung habe indes keinen negativen Effekt auf Gesundheit, Futteraufnahme und Tageszunahme. 

Text: Ursina Berger

Kälberkurs
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