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Priorität der Hygiene

Beim sechsten und vorläufig letzten Fachnachmittag im Bereich Tierhaltung ging es um die Gesundheit und das ideale Stallklima in der Kälberhaltung.

Das Team Tierhaltung am Strickhof organisierte diesen Winter insgesamt sechs Fachveranstaltungen, die von den Teilnehmenden von zu Hause aus via Bildschirm mitverfolgt werden konnten. Am Fachnachmittag von letzter Woche ging es um die Gesundheit der Kälber und deren optimales Stallklima. Fakt sei, dass in der Schweiz bis zu 20 % Kälberverluste zu beklagen sind, erläuterte einleitend Matthias Schick, Bereichsleiter Tierhaltung und Milchwirtschaft am Strickhof. Dabei gelte es den Kälbern grösste Beachtung zu schenken, bilden sie doch den Anfang einer langen Wertschöpfungskette, sei es in der Milchproduktion, Mutterkuh- oder Masttierhaltung.

Rückzugsmöglichkeiten bieten

Vor Ort eingeladen war die Tierärztin Corinne Bähler aus dem Kanton Luzern, die im Jungvieh- und Rindermaststall von AgroVet-Strickhof das Stallklima und die Gesundheit der Kälber beurteilte. Die Betonmauern in der Tiefstreubox wurden nachträglich mit einer isolierenden Wand versehen, um die Kälber vor deren Kälte zu schützen. Auch wurde in diesem offen gebauten Stall oberhalb der Kälberbox ein Zwischendach angebracht, um den Kälbern mehr Rückzugsmöglichkeiten zu bieten und den Luftaustausch zu verlangsamen. Corinne Bähler bezeichnet ein regelmässiger Luftaustausch als gut, Durchzug sei jedoch zu vermeiden. Sie sagte, dass kein einziger Stall in allen vier Jahreszeiten optimale Bedingungen biete. Deshalb sei es wichtig, dass der Stall mit flexiblen Vorrichtungen angepasst werden könne.

Saubere Gerätschaften

Leidet ein Kalb unter Durchfall, ist für Corinne Bähler weniger wichtig was hinten rauskommt. Viel eher interessiere, welchen Gesamteindruck das Tier hinterlässt. Ist es apathisch und lässt es die Ohren hängen, müsse behandelt werden. Wirke es hingegen vital, könne je nach Alter mit der Behandlung zugewartet werden. Häufig habe es mit der Fütterung zu tun, ob die ohnehin überall vorhandenen Durchfall-Erreger angreifen können. Wichtig sei qualitativ gutes Futter, ergänzt mit einem Salz- und Mineralstoffleckstein, extra für Kälber. Corinne Bähler: «Kälber sollten etwas zu spielen oder zu lecken haben». Priorität habe aber auf jeden Fall die Hygiene. Die Einstreu müsse trocken sein. Die Fressgitter, Tränkevorrichtungen etc. seien sauber zu halten, weil die Kälber wie kleine Kinder alles in den Mund nehmen und so schädliche Bakterien zu sich nehmen können.

Schnelltest bei Durchfall

Karoline Schweingruber vom Strickhof stellte einen Schnelltest zum Nachweis von Durchfallerregern vor, Kosten zirka 30.- Franken. Nach zehn Minuten ist ersichtlich, welche Erreger für den Durchfall verantwortlich sind. «Die meisten Erreger werden von den Menschen verschleppt, via Hände, Stiefel, Kessel oder Arbeitsgeräte», sagte Karoline Schweingruber. Es gilt folglich, der Hygiene Priorität zu schenken. Das unterstrich auch Roger Bolt in seinem Referat über Kryptosporiden. Der Tierhaltungsexperte vom Strickhof stellte einen ausgeklügelten Entscheidungsbaum vor, der vom Team Tierhaltung erstellt wurde. Dieser hilft, bei Durchfall die richtige Massnahme zu treffen - abhängig vom Alter und den Symptomen des Tiers sowie der Farbe des Kots. Denn nicht jeder Erreger greift im selben Alter an und je nach Alter muss eine Durchfallerkrankung verschieden behandelt werden.

Text: Ursina Berger

Scannen Sie den QR-Code und gelangen Sie zum Entscheidungsbaum «Kälberdurchfall».

QR-Code Entscheidungsbaum Kälberdurchfall
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