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Kartoffel-Sortenversuchsfeld 2022 am 16. Mai>

Optimaler Start – aber mit Altlasten

Der rekordtrockene März und der niederschlagsarme April haben dazu geführt, dass unter besten Bodenbedingungen, zügig gepflanzt werden konnte. Dementsprechend haben sich die Bestände sehr schön entwickelt. Die Durchwurzelung der Dämme ist gut. Die Grundlage für erfreuliche Knollenansätze ist gelegt. Eine mechanische Unkrautbekämpfung konnte meist zu den optimalen Zeitpunkten erfolgen.

Mehrere Krautfäule-Primärherde 
An mehreren Orten im nördlichen Kanton Zürich wurden in der Kalenderwoche 19 Primärherde mit gestreutem Befall festgestellt und ehrenwerterweise gemeldet (www.phytopre.ch). Wegen der witterungsbedingt frühen und flächendeckenden Ausbreitung der Kraut- und Knollenfäule im letzten Jahr ist ein erhöhter Druck über das Pflanzgut vorhanden. Diese «Altlasten» in Form versteckt vorhandener Knolleninfektionen im Pflanzgut gelangten nun in krautanfälligen Sorten als Primärherde an die Oberfläche.

Krautfäule-Primärherd, Sorte Osira, Frühkartoffeln, Dorf ZH, 16. Mai 2022
Krautfäule-Primärherd in einem Frühkartoffelfeld der Sorte Osira

Einschätzung der Infektionsgefahr
Einerseits förderten die Primärherde in mehreren Regionen und regelmässiger Wind die Verbreitung der Sporen. Man rechnet mit einem «Gefahrenradius» von 10 Kilometern um einen sporulierenden Krautfäulebefall. Auch der Morgentau könnte für eine Infektion der Blätter sorgen.
Andererseits führte das trockene Wetter der letzten 14 Tage - mit höchstens lokal geringen Niederschlägen und Temperaturen oft über dem Optimum für die Krautfäule-Entwicklung - zu einer äusserst geringen Infektionsgefahr. Diese Infektionsgefahr ist in hoch anfälligen Sorten mit grösserer Blattmasse (langsameres Abtrocknen der Pflanzen nach Regen und Tau) aber dennoch vorhanden.  

Krautfäuleflecken auf Blattoberseite
Krautfäule auf Blättern (Oberseite)

Intensiverer Pflanzenschutz bei Befall
Vier der gemeldeten Krautfäule-Fälle sind in Frühkartoffelbeständen der hochanfälligen Sorten Annabelle und Osira. In diesen zeigt sich wie zäh die Krautfäule in den Griff zu kriegen ist. Trotz chemisch-synthetischen Behandlungsmöglichkeiten mit passender Wirkstoffkombination, verkürztem Behandlungsintervall und rascher Intervention ist der Befall nicht unmittelbar eingedämmt. 

Krautfäule-Stängelbefall, Sorte Annabelle, Marthalen, 16.5.22
Krautfäule-Stängelbefall


In der biologisch-organischen Produktion bleibt in solchen Fällen nebst der Verkürzung des Behandlungsintervalls nur die Möglichkeit die Kupfermenge je Behandlung zu erhöhen. 
Für Kartoffelfelder im Umfeld der festgestellten Befälle ist es zur Vermeidung von kostspieligen und unökologischen «Feuerwehrbehandlungen» essentiell alle anfälligen Sorten zu behandeln. Bei den wenig und mittelanfälligen Sorten sollte die Krautfäuleprävention ab Stadium Reihenschluss begonnen werden.  

Krautfäuleflecken auf Blattunterseite, typischer Pilzrasen
Krautfäule (Blattunterseite)

Alternaria
Im Gegensatz zur Krautfäule ist Alternaria solani ein Schwächeparasit.  Er bevorzugt im Gegensatz zur Krautfäule Temperaturen >24 Grad Celsius. Da er auf geschwächten Blättern Fuss fasst, ist er erst gegen Ende des Krautwachstums sichtbar.  Trockenheitsstress und fortgeschrittene Abreife beschleunigen dessen Entwicklung. Infektionen erfolgen aber schon früher im Krautwachstum. Deshalb ist die englische Bezeichnung für Alternaria «Early Blight». Das Auftreten von Alternaria ist verbreitet, ein Schaden aber weit geringer als bei der Krautfäule. Alternaria kann zu Minderertrag führen, jedoch nicht zu mengenmässig oder qualitativ einschneidenden Ausfällen. Relevant betroffen sind praktisch nur spätere Sorten mit längerer Wachstumszeit. Trotzdem muss auch Alternaria präventiv behandelt werden. Bei anfälligen Sorten empfiehlt sich über die gesamte Krautfäule-Behandlungszeit Einsatz von Wirkstoffen mit Alternaria-Wirkung, mit zweiwöchigem Abstand und abwechselndem Wirkstoffeinsatz zur Resistenzvorbeugung.

Kartoffelkäfer auf Blatt
Vor der Eiablage führen Kartoffelkäfer einen "Reifungsfrass" durch. Dieser Frass hat keine Relevanz auf die Krautentwicklung

Kartoffelkäferlarven
Die Kartoffelkäfer sind nun definitiv in den diesjährigen Feldern eingetroffen und haben die Eiablage begonnen. Der Käferbesatz ist wie immer regional und feldspezifisch unterschiedlich. Von Eiablage bis zum Schlüpfen der ersten Larven dauert es 10 bis 14 Tage. Die trockene und warme Witterung der letzten Tage beschleunigt den Schlupf der Larven. Die Bekämpfungsschwelle beträgt 30% der Pflanzen mit Larven oder 1 Herd pro Are. 
Bei der Bekämpfung im ÖLN-Anbau ist Audienz das erste Pflanzenschutzmittel der Wahl. Es wirkt auf Käfer und Larven und ist ohne Sonderbewilligung einsetzbar. Es muss berücksichtigt werden, dass dieses Mittel natürlicher Herkunft nur eine kurze Wirkungsdauer (Tage) auf Adulte und Larven und keine Eierwirkung aufweist. Eine Behandlung mit Audienz soll erst erfolgen, wenn möglichst viele Larven aus den Eigelegen geschlüpft sind. Der «Reifungsfrass» der aktuell sichtbaren Käfer stellt keinen relevanten Schaden an den Stauden dar. 

Eigelege Kartoffelkäfer auf Ausfallkartoffeln
Das Eigelege des Kartoffelkäfers findet sich in Form oranger, ovaler "Zapfen" auf der Blattunterseite

In der biologisch-organischen Produktion steht das Produkt «Neem Azal» zur Verfügung. Die Wirkung ist etwas länger anhaltend, beschränkt sich aber auf die ersten zwei Larvenstadien. Ein erster Einsatz dieses Produktes muss also innert Wochenfrist nach den ersten Eiablagen erfolgen. Die Schadschwelle muss darum aufgrund des Käfervorkommens bestimmt werden. 

 

Geflügelte Blattläuse
Aus eigenen Beobachtungen, aber auch aufgrund Blattlaus-Fallenfängen von Agroscope, sind dieses Jahr überdurchschnittlich viele Blattläuse vorhanden. Es handelt sich dabei um geflügelte Blattläuse. Diese sind aktuell nur für die Pflanzkartoffelproduktion relevant. Für alle übrigen Kartoffelbestände können nur die nicht geflügelten «Jungfern» problematisch werden. Diese treten meist durch eine Massenvermehrung der Blattläuse ab Mitte/Ende Juni auf. Die Schadschwelle beträgt 1 Laus pro Blättchen (Teilblatt eines Fiederblattes). Blattlaus-Populationen befinden sich immer auf der Blattunterseite oder in den Spitzen der sich entwickelnden Fiederblätter.