So finden Sie uns

Strickhof
Eschikon 21
CH-8315 Lindau
+41 58 105 98 00
info@strickhof.ch

Strickhof auf Social Media

>

Merkblatt Eiweisserbsen

Eiweisserbsen sind vor allem im Bioanbau ein interessantes Proteinfutter und brauchen als Leguminosen nur wenig bis keinen Stickstoffdünger. Allerdings muss aufgrund von unterschiedlichen Krankheiten eine Anbaupause von mindestens sechs Jahren eingehalten werden und die Erträge schwanken von Jahr zu Jahr stark.
Factsheets EE Haupttabelle

 

Allgemeines

Vorteile und Chancen

  • Eiweisserbsen können in höheren Lagen bis zu 900 m.ü.M. angebaut werden.
  • Hochwertiges Proteinfutter mit einem guten Aminosäureprofil, vor allem für Schweine.
  • Da es sich um Leguminosen handelt, fixieren sie bei einer angepassten Stickstoffdüngung Luftstickstoff, der für die Folgekultur verfügbar ist.
  • Der Eiweisserbsenanbau hat Zukunft, da der Bedarf an inländischen Eiweissträger im Futter- und Lebensmittelbereich steigt.

 

Nachteile und Herausforderungen 

  • Sehr anfällig für Blattläuse, Spätverunkrautung und Lager.
  • Lange Anbaupause von 6 Jahren
  • Jährlich stark schwankende Erträge

 

Anbau

Sortenwahl 

  • Wintereiweisserbsen: Alle vier Wintereiweisserbsen-Sorten Enduro, Igloo, Flokon und Furious sind frühreif zum Blüte- und Erntezeitpunkt, haben eine hohe Bestandeshöhe und ein mittleres Tausendkorngewicht (176 bis 200g). Bezüglich des Ertrags und der Erntbarkeit schneidet die Sorte Furious am besten ab.
  • Sommereiweisserbsen: Alle fünf Sommereiweisserbsen-Sorten Alvesta, Audit, Austronaute, Mythic und Album haben gemäss Sortenliste ein mittleres Tausendkorngewicht von 176 bis 200g, sie weisen eine hohe Bestandeshöhe auf und sind frühreif zum Erntezeitpunkt. Die beiden Sorten Astronaute und Mythic schneiden in Bezug auf Kornertrag, Erntbarkeit und Proteingehalt am besten ab. Album hat zwar einen gleich hohen Ertrag wie Astronaute und Mythic, schneidet jedoch bei der Erntbarkeit schlechter ab.
EE Sortenwahl
Ob Wintereiweisserbsen oder Sommereiweisserbsen an einem Standort angebaut werden sollen, kann dem Schema von Swiss Granum und Agridea (2018) entnommen werden.

 

Weitere Informationen können der Liste der empfohlenen Sorten von Swiss Granum und der Sortenliste Futterbau und übrige Ackerkulturen des FiBL entnommen werden.

 

Saat

Wintereiweisserbsen
SaatzeitpunktMitte Oktober
Saatdichte80 – 100 Körner/m2
Reihenabstand12 – 20 cm
Saattiefe5 cm 
Sommereiweisserbsen
SaatzeitpunktAb Mitte Februar
Saatdichte80 – 100 Körner/m2
Reihenabstand12 – 20 cm
Saattiefe3 – 4 cm

Das Walzen nach der Saat hat sich bewährt, da es die Ernte vereinfacht.

 

Düngung

Referenzertrag: 40 dt/ha
Stickstoff0     kg/ha
Phosphor34   kg/ha (78 kg P2O5/ha)
Kalium127 kg/ha (154 kg K2O/ha)
Magnesium20    kg/ha

Basierend auf GRUD, 2017 (Agroscope) 

 

Bedeutendste Krankheiten und deren Bekämpfung

Fuss- und Welkekrankheit

  • Bedeutung Wichtigste Krankheit in Erbsen.
  • Schadbild Nesterweise Verkümmerung der Pflanzen (welken, vergilben, verdorren). Stengelgrund und Hauptwurzel verfärben sich dunkel.
  • Günstige Umweltbedingungen Verdichteter Boden sowie mässig feuchte und warme Witterung.
  • Vorbeugung Die Anbaupause von 6 Jahren einhalten, gesundes und anerkanntes Saatgut verwenden sowie eine gute Bodenstruktur fördern.
  • Direkte Bekämpfung Nur die Saatgutbeizung ist zugelassen, sie ist jedoch nur teilweise wirksam.

 

Brennfleckenkrankheit

  • Bedeutung Weit verbreitet und befällt auch andere Wirtspflanzen wie Bohnen, Lupinen, Luzerne, Rotklee und Platterbsen.
  • Schadbild Hellbraune bis braune Flecken mit dunkelbraunem Rand.
  • Günstige Umweltbedingungen Anhaltend feuchte Witterung.
  • Vorbeugung 4 bis 5 Jahre Anbaupause zwischen den verschiedenen Wirtspflanzen einhalten. Gesundes, anerkanntes Saatgut verwenden.
  • Direkte Bekämpfung Ausser der Saatgutbeizung sind keine anderen Mittel zugelassen. Die Beizung ist aber nur teilweise wirksam.

 

Grauschimmel

  • Bedeutung Weit verbreitet und befällt auch viele andere Kulturpflanzen.
  • Schadbild Hellbraune Flecken und später wird ein gräulicher Pilzrasen auf den Flecken sichtbar.
  • Günstige Umweltbedingungen Anhaltend feuchte Witterung bei 15-25°C.
  • Vorbeugung Sortenwahl und eine nicht zu hohe Saatdichte wirken vorbeugend.
  • Direkte Bekämpfung Es sind keine Mittel zugelassen.

 

Bedeutendste Schädlinge und deren Bekämpfung

Erbsenblattlaus

  • Bedeutung Häufig und bei starkem Befall kann es zu Ertragseinbussen kommen.
  • Schadbild Junge Blätter eingerollt und teilweise gelblich verfärbt. Blüten und Hülsen verkümmern und Pflanzen vertrocknen frühzeitig.
  • Günstige Umweltbedingungen Trockener, warmer Mai und Juni.
  • Vorbeugung Frühe Saat und Nützlingsförderung.
  • Bekämpfungsschwelle 80% befallene Pflanzen im BBCH 51- 61. Der Probenumfang beträgt 10 x 5 Pflanzen.
  • Direkte Bekämpfung Nützlingsschonende Insektizide, lokal können auch Schmierseifenpräparate eingesetzt werden.

 

Eiweisserbsen
Einzelne Eiweisserbsenpflanze mit den typischen Ranken. Zu diesem Zeitpunkt kann eine mechanische Unkrautkur in Betracht gezogen werden. 

 

Unkrautbekämpfung

  • Mechanisch: Die mechanische Unkrautbekämpfung kann entweder durch Blindstriegeln oder Hacken erfolgen. Für das Blindstriegeln ist eine konstante Saattiefe wichtig und der Zinkendruck sollte möglichst tief gewählt werden. Der erste Durchgang erfolgt nach Erscheinen des ersten echten Blattpaares, der zweite Durchgang bevor sich die Ranken berühren. Beim Hacken sollte entweder ein Scharhackgerät oder eine Hackbürste zum Einsatz kommen. Dazu ist ein Reihenabstand von mindestens 17cm notwendig und die Erbsenranken dürfen sich noch nicht berühren.
  • Chemisch: Es können Vorauflauf- und Nachauflauf- Herbizide eingesetzt werden.

 

Ernte

ZeitpunktMitte Juni bis anfangs Juli
Ertrag35 bis 55 dt/ha (höher für Wintereiweisserbsen)

Die Ernte erfolgt idealerweise bei einem Wassergehalt im Korn von 12-15%. Nach der Ernte müssen die Erbsen sofort getrocknet werden, vor allem dann, wenn der Wassergehalt 13% übersteigt, damit ein Schimmelpilzbefall verhindert werden kann. 

 

Tipps aus der Praxis 

  • Im Biolandbau werden die Eiweisserbsen oft in Mischkulturen z.B. mit Gerste angebaut. Diese dienen als Stützfrucht und reduzieren so die Lagerung der Eiweisserbsen.
  • Aufgrund der besseren Spätsaatverträglichkeit im Vergleich zur Ackerbohnen lohnt es sich, die Eiweisserbsen nicht zu früh in zu nassen und kühlen Boden zu säen.

 

Das detaillierte Merkblatt mit Informationen zu den Deckungsbeiträgen, ausführlicheren Angaben zum Anbau, den typischen Krankheiten & Schädlingen und zur Unkrautbekämpfung kann als Druckversion: Merkblatt Eiweisserbsen heruntergeladen werden.

Alle Versuche rund um den Eiweisserbsenanbau finden Sie hier: Versuche Körnerleguminosen

Aktuelles und umfassendes Fachwissen rund um den Eiweisserbsenanbau finden Sie hier: Fachwissen Eiweisserbsen