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Merkblatt Ackerbohne

Ackerbohnen sind Leguminosen mit einem hohen Wasserbedarf während der Blütezeit. Es gibt sowohl Sorten für Winter- als auch Sorten für Sommerkulturen. Im Gegensatz zu Wintergetreide, spielt bei Winterackerbohnen die Vernalisation keine Rolle, sondern sie wachsen in Abhängigkeit von der Temperatur und machen keine Winterruhe.
Ackerbohnen
Allgemein

Allgemeines

Vorteile und Chancen

  • Gute Proteinqualität für Mastvieh und Milchviehfütterung. Hoher Stärkegehalt muss in der Gesamtration beachtet werden.
  • Produktion von inländischem Proteinfutter.
  • Gute Bodendurchwurzelung.
  • Leguminose: bringt einerseits Abwechslung in die Fruchtfolge und kann andererseits Luftstickstoff fixieren.
  • Einzige Körnerleguminose die mit schweren Böden und nassen Verhältnissen gut zurechtkommt.
  • Wachsen in Abhängigkeit der Temperatur auch bei der Winterform keine Vernalisation notwendig.

 

Nachteile und Herausforderungen 

  • Hoher Wasserbedarf während der Blüte.
  • Vergleichsweise schlechte Kältetoleranz
  • Bodenbedeckung lange nicht gut (Gefahr von Spätverunkrautung, wenn nicht eine entsprechende Unkrautbekämpfung erfolgen kann)

 

Anbau

Sortenwahl 

Winterackerbohnen bilden drei bis vier Seitentriebe, Sommerackerbohnen keine. Daher sind Sommerackerbohnen noch etwas anfälliger auf Verunkrautung als die Winterform.

Die Sorten unterscheiden sich vor allem durch Frühreife bei Ernte und Blüte, Proteingehalt und Tannin-Gehalt. In Bezug auf den Ertrag sind sich alle Sorten sehr ähnlich. 

Die Sorten Tiffany und Synergy (Sommerackerbohne) sind vicin/convicinarm und daher zur Fütterung von Legehennen geeignet. Die Sommersorte Stella ist für die menschliche Ernährung geeignet.

Weitere Informationen können der Sortenliste Ackerbohnen von Agridea und der Sortenliste Futterbau und übrige Ackerkulturen des FiBL entnommen werden. 

 

Saat

 

Winterackerbohnen
Saatzeitpunkt25. Sept. – 31. Okt.
Saatdichte25 – 40 Körner/m2
Reihenabstand25 – 35 / 35 – 50 cm
Saattiefe6 – 8 cm 
Sommerackerbohnen
SaatzeitpunktEnde Feb.  – Mitte März
Saatdichte40 – 50 Körner/m2
Reihenabstand25 – 35 / 35 – 50 cm
Saattiefe5 – 6 cm

Ackerbohnen können sowohl als Einzelkorn- als auch Drillsaat gesät werden. Bei der Drillsaat ist aufgrund der Verletzungsgefahr der Körner eine pneumatische einer mechanischen Sämaschine vorzuziehen. Der Reihenabstand wird bei der Drillsaat auf 25 – 35 cm und bei der Einzelkornsaat auf 35 – 50 cm eingestellt. 

Düngung

Referenzertrag: 40 dt/ha
Stickstoff0-20     kg/ha
Phosphor72         kg/ha 
Kalium175       kg/ha
Magnesium25          kg/ha

Eine späte Stickstoffdüngung wirkt sich negativ auf die stickstofffixierenden Bakterien aus und somit werden weniger Wurzelknöllchen angesetzt. Eine frühe erste Stickstoffgabe von ca. 20 kg N/ha kann sich bei nährstoffarmen Böden allerdings positiv auswirken, da die Wurzelknöllchen erst gebildet werden und die Pflanzen wachsen müssen. Wenn die Düngung bereits organisch erfolgt ist, sollte kein zusätzlicher Stickstoffdünger ausgebracht werden. 

Ackerbohne Knöllchen
Ackerbohnen bilden ein beachtliches Wurzelwerk und können als Leguminosen mithilfe von Rhizobien N fixieren.

 

Bedeutendste Krankheiten und deren Bekämpfung

Schokoladen- oder Braunfleckenkrankheit

  • Bedeutung Von zunehmender Bedeutung.
  • Schadbild Anfangs kleine, rotebraune Flecken, die später zusammenlaufen und zum Vertrocknen der Blätter führen können.
  • Günstige Umweltbedingungen Hohe Luftfeuchtigkeit bei 15 bis 20°C.
  • Vorbeugung Anbaupause einhalten, Anbau nur auf gut drainierten Böden und Saatdichte nicht zu hoch wählen.
  • Direkte Bekämpfung Fungizid Tebuconazol

 

Brennfleckenkrankheit (Ascochyta)

  • Bedeutung Häufiges Auftreten, führt in der Regel jedoch nicht zu Mindererträgen.
  • Schadbild Runde, braune Flecken mit schwarzen Punkten die sowohl auf Blättern und Stängeln als auch auf den Hülsen auftreten.
  • Vorbeugung Anbaupause, Sortenwahl, zertifiziertes Saatgut.
  • Direkte Bekämpfung Nicht möglich.

 

Bedeutendste Schädlinge und deren Bekämpfung

Blattrandkäfer

  • Bedeutung Lokal von Bedeutung. Ertragseinbussen jedoch meist gering.
  • Schadbild Bogenförmig ausgeschnittene Blattränder. Der Käfer selbst ist 4-5 mm gross, länglich, graubraun und nachtaktiv. Die Larven sind 5-6 mm lang, sind weiss und haben einen hellbraunen Kopf.
  • Günstige Umweltbedingungen Langsames Pflanzenwachstum im Frühjahr.
  • Vorbeugung Jugendentwicklung fördern.
  • Direkte Bekämpfung Sonderbewilligung der kantonalen Zentralstellen für Pflanzenschutz notwendig.

 

Ackerbohne Blattrandkäfer
Generell sind Ackerbohnen relativ gesund, dieser hier wurde von Blattrandkäfern angeknabbert.

 

Schwarze Bohnenlaus

  • Bedeutung Koloniebildende, mattschwarze Laus.
  • Schadbild Blüten fallen ab und Blätter vertrocknen.
  • Günstige Umweltbedingungen Warme, trockene Witterung und Fehlen von Nützlingen.
  • Vorbeugung Sommerackerbohnen früh säen.
  • Direkte Bekämpfung Insektizid. Ab BBCH 61 (kurz nach Beginn Blüte) mindestens 10 mal 5 Pflanzen auszählen. Die Bekämpfungsschwelle ist erreicht, wenn 40 – 60 % der Pflanzen mit Läusen befallen ist. Bei 50 ausgezählten Pflanzen entspricht dies 20 bzw. 30 befallenen Pflanzen.

 

Ackerbohnenkäfer

  • Bedeutung gross, vor allem für die menschliche Ernährung optisch ein grosses Problem
  • Schadbild kreisrunde Bohrlöcher und schwarz braune Flecken an den Bohnen
  • Vorbeugung Anbaupausen, neues Feld >500 m von altem befallenen Feld entfernt anlegen.
  • Direkte Bekämpfung nicht möglich

 

Link zu den Bekämpfungsschwellen für Krankheiten und Schädlinge: Bekämpfungsschwellen (Agridea)

Unkrautbekämpfung

  • Mechanisch: Die Unkrautbekämpfung kann problemlos mechanisch erfolgen. Bei grossem Reihenabstand ist das Reihenhackgerät das Gerät der Wahl. Während dem Auflaufen sind die Ackerbohnen jedoch sehr empfindlich. Ab dem 2-3 Blatt-Stadium, bis zu einer Höhe von 20 cm, kann gut gehackt werden.
  • Der Hackstriegel kann unabhängig vom Reihenabstand eingesetzt werden. Beim Striegel sind in der Regel zwei Durchgänge erforderlich. Der erste Durchgang erfolgt noch vor dem Auflaufen (Blindstriegeln), der zweite Durchgang nach dem Auflaufen bis spätestens, wenn die Ackerbohnen 20cm hoch sind.

 

  • Chemisch: Die chemische Unkrautbekämpfung erfolgt in der Regel mit Vorauflaufherbiziden. Es sind jedoch auch Mittel für Nachauflaufbehandlungen zugelassen.

 

Ernte

Zeitpunkt
  1. August bis September
Ertrag30 - 40 dt/ha

Ackerbohnen sind reif, wenn die Hülsen schwarz und dürr sind und die Körner so hart sind, dass man sie nicht mehr mit dem Fingernagel ritzen kann. Für die Lagerung darf der Wassergehalt in den Bohnen nicht höher als 13% sein.

 

Tipps aus der Praxis 

  • Die Saat sollte möglichst früh aber bis Mitte April geschehen.
  • Bei mechanischer Unkrautbekämpfung sollte die Saatmenge um 10% erhöht werden.

 

Das detaillierte Merkblatt mit Informationen zu den Deckungsbeiträgen, ausführlicheren Angaben zum Anbau, den typischen Krankheiten & Schädlingen und zur Unkrautbekämpfung kann als Druckversion heruntergeladen werden.

Aktuelles und umfassendes Fachwissen rund um den Ackerbohnenanbau finden Sie hier: Fachwissen Ackerbohnen

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