So finden Sie uns

Strickhof
Eschikon 21
CH-8315 Lindau
+41 58 105 98 00
info@strickhof.ch

Strickhof auf Social Media

Maulbeerschildlaus auf dem Vormarsch?

Mit der Maulbeerschildlaus wird im Kanton Zürich ein weiterer Schädling beobachtet, der in unserer Gegend bisher kaum auf dem Radar war. Die nur schwer zu bekämpfende Schildlaus richtet in Süddeutschland schon seit längerem Schäden an Pfirsichen an. Sie fühlt sich jedoch auch auf Strauchbeeren und Kirschen wohl. Eine frühzeitige Erkennung hilft, Schäden zu verhindern (Publikation Februar 2024).

Weltweit gilt die Maulbeerschildlaus (Pseudaulacaspis pentagona) als gefährlicher Schädling von Obst- und Ziergehölzen sowie Wald- und Parkbäumen. Seit etwas mehr als 20 Jahren breitet sie sich in den Pfälzer Pfirsichanbaugebieten rasant aus und richtet teilweise massive Schäden an Bäumen und teilweise auch an Früchten an. Ein starker Befall kann in wenigen Jahren zum Absterben der Bäume führen. In den letzten Jahren wurde zunehmend Befall an Johannisbeeren, Stachelbeeren, Süsskirschen und Walnuss festgestellt. In der Schweiz wurde die Maulbeerschildlaus zunächst am Genfersee und im Tessin nachgewiesen, seit einigen Jahren tritt sie aber auch in anderen Regionen auf. Im Kanton Zürich wurden in den letzten Monaten Funde am Zürichsee auf Johannisbeere, Brombeere, Kirsche und Pfirsich gefunden. Ein gezieltes Monitoring wurde bisher in unserer Region nicht gemacht.

Biologie

Es sind über 120 Wirtspflanzen der Maulbeerschildlaus bekannt. Zusammen mit den durch Klimawandel begünstigten Lebensbedingungen macht sie dies zu einem potentiell gefährlichen Schädling. Die mobilen Larven (Crawler) sind lachsfarben und schlüpfen ab Mitte Mai. Männliche Larven bleiben in der Nähe der Mutterschilde, weibliche wandern umher und besiedeln die jungen Triebe. Ab ungefähr Mitte Juli beginnt die Eiablage für die nächste Generation, welche im August schlüpft. Nebst den Crawlern werden auch geflügelte Männchen gebildet, deren Flugaktivität mit Pheromonfallen überwacht werden kann. Flugdaten von unserer Region sind nicht bekannt, im Oberrheingraben fliegt die erste Männchengeneration jedoch von Mitte Juni bis Ende Juli, die zweite von September bis Oktober. Die Verbreitung der Wanderlarven erfolgt in erster Linie über den Wind, wodurch eine rasche Ausbreitung innerhalb einer Parzelle möglich ist. Befruchtete Weibchen überwintern auf dem Holz und überdauern auch tiefe Temperaturen. Hingegen scheinen Eier und Wanderlarven empfindlich gegenüber nasskalten Temperaturen im Frühling zu sein. 

Maulbeerschildlaus Obst Schädling
Männliche (rechts) und weibliche (links) Maulbeerschildläuse

 

Symptome

Die mobilen Stadien und der ca. 2 mm grosse rund-ovale, gelblich-weisse Schild der Weibchen sind auf dem Holz leicht zu übersehen. Die männlichen Larven hingegen sind auffällig und für Schildläuse untypisch: sie produzieren wachsüberzogene, längliche Schilde die bereits bei geringem Befall leicht entdeckt werden können, gerade im Winter. Bevorzugt wird strukturreiches, älteres Holz besiedelt. Teilweise setzen sich die Läuse aber auch an einjährigen Trieben fest, oftmals im Bereich von Knospen. Stark befallene Baumpartien wirken wie gekalkt, verkümmern und sterben schliesslich ab. 

Maulbeerschildlaus Obst Schädling
Pfirsiche sind besonders anfällig

 

Ein Versteckspiel

Die Bekämpfung der Maulbeerschildlaus ist durch die versteckte Lebensweise schwierig, insbesondere die ausgewachsenen Weibchen sind sehr gut geschützt. Sowohl Insektizide als auch Winter- oder Austriebspritzungen mit Ölen haben keine oder nur eine geringe Wirkung. Ähnlich wie bei der San José Schildlaus sind die mobilen Stadien am empfindlichsten. Die Bestimmung eines optimalen Einsatzzeitpunktes für ein Insektizid dürfte jedoch schwierig sein, einerseits weil die mobilen Stadien nicht leicht erkannt werden, andererseits wegen dem Einhalten von Wartefristen. Es gibt einige heimische und exotische Schlupfwespenarten, die die Populationen von Maulbeerschildläusen stark dezimieren. Ein nützlingsschonender Pflanzenschutz ist also oberstes Gebot. Je früher ein Befall erkannt wird, desto effizienter sind Gegenmassnahmen. Hier bewährt sich vor allem das mechanische Entfernen der Schildläuse durch abbürsten oder mit dem Hochdruckreiniger während der Vegetationsruhe. Bei Strauchbeeren ist dies nicht möglich, dort empfiehlt es sich bei frühem Befall, die Schilde von Hand zu zerdrücken um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Stark befallene Äste sollten entfernt bzw. stark befallene Bäume gerodet und verbrannt werden. Ausnahme: bei starker Parasitierung (erkennbar an zerstörten Schilden) soll das Schnittgut in der Anlage verbleiben, damit die Nützlinge überwintern können. Erfolgt der Schnitt in der Winterruhe, besteht durch das Fehlen beweglicher Stadien des Schädlings kein grosses, vom Schnittgut ausgehendes Befallsrisiko. 

 

Melden Sie uns Befallsverdacht

Insbesondere Pfirsich, Kirsche, Walnuss und Strauchbeeren sind gefährdet. Die Fachstelle Obst ist froh um Befallsmeldungen aus diesen oder anderen Kulturen. Melden Sie einen Verdacht an kaspar.hunziker@strickhof.ch
Vielen Dank!

 

Maulbeerschildlaus Obst Schädling
Starker Befall ist von weitem sichtbar
Maulbeerschildlaus Obst Schädling
Typische Rindendeformation nach starkem Befall
Maulbeerschildlaus Obst Schädling
bei starkem Befall wirken die Bäume wie gekalkt
Maulbeerschildlaus Obst Schädling
Kaum zu verwechseln sind die weissen, männlichen Schilde

Weiteres Fachwissen

Rindvieh aktuell August 2026
04.08.2026

Rindvieh aktuell August 2026

Erreger von Euterentzündungen können in zwei Kategorien unterteilt werden. Das Rindvieh aktuell August 2026 beleuchtet einige Erreger im Detail. Zum Schluss sind weitere aktuelle Fachbeiträge und Kurs...
Gehölz nutzen, um Futterlager zu strecken
31.07.2026

Gehölz nutzen, um Futterlager zu strecken

Eines haben die Tierhalter dieses Jahr nahezu schweizweit gemeinsam – die Trockenheit und Hitze reduziert den Futterertrag massiv. Hecken und Gehölz verfüttern ist möglich, aber Biodiversitätsförderfl...
Weinlesekontrolle – Informationen für Rebbewirtschafter und Einkellerer
28.07.2026

Weinlesekontrolle – Informationen für Rebbewirtschafter und Einkellerer

Die Weinlesekontrolle für Trauben aus dem Kanton Zürich erfolgt als Eigenkontrolle durch die EinkellerInnen. Mit der korrekten Weinlesekontrolle wird auch die geforderte Rückverfolgbarkeit der einzeln...
Milchkühe mit Durchfall & Hitzestress
28.07.2026

Milchkühe mit Durchfall & Hitzestress

Milchviehställe werden aktuell zum Kranken-Lazarett. Durchfall legt ganze Herden lahm, begleitet von diversen weiteren Symptomen und starkem Milchrückgang.
Schweizer Beeren-Bulletins 2026
24.07.2026

Schweizer Beeren-Bulletins 2026

Hier finden Sie alle Schweizer Beeren-Bulletins der Saison 2026. Das aktuelle Bulletin Nr. 7/2026 ist vom 24. Juli
Regelmässige Feldkontrollen der Zuckerrüben bleiben wichtig
23.07.2026

Regelmässige Feldkontrollen der Zuckerrüben bleiben wichtig

Trotz der trockenen Bedingungen halten sich die Zuckerrüben auf den Feldern grösstenteils wacker. Nach der Getreideernte können bereits die ersten Arbeiten durchgeführt werden, um eine erfolgreiche Zu...
Pflanzenbau News Strickhof vom 22. Juli 2026
22.07.2026

Pflanzenbau News Strickhof vom 22. Juli 2026

Aktuelles zu den Themen: Raps; Unwetterschäden; Kartoffeln; Stoppelbearbeitung; Zuckerrüben; Biolandbau; Düngung; Erdmandelgras