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Bei den Radiesli hat die Nachfrage extrem zugenommen (Bild: H. Hu00f6neisen, zVg)>

Grosse Nachfrage und viel Arbeit

Stimme aus der Praxis: Die Corona-Krise hat den Arbeitsalltag auf dem Biogemüsebetrieb «Tännlihof» der Familie Höneisen stark verändert. Heinz Höneisen berichtet im Interview über die Entwicklungen und Herausforderungen in dieser aussergewöhnlichen Zeit.

FS Bio: Heinz, beschreibe uns deinen neuen Arbeitsalltag. Was hat sich verändert? Wann startest Du in den Tag?

Meine Woche beginnt mit der Planung. Am Sonntag fahre ich über die Felder und erstelle danach einen groben Wochenplan. Ich überlege, was in den kommenden Tagen alles gesät, gepflanzt und geerntet werden muss. Am Montag erstelle ich ein Bulletin und informiere unsere Abnehmer darüber, welches Gemüse zurzeit erhältlich ist.

Bestellungen bestimmen den Tagesablauf

Bereits um 5 Uhr morgens erhalte ich die ersten Telefonanrufe, ab 6 Uhr mache ich einen ersten Tagesplan auf der Grundlage der eingegangenen Bestellungen. Unter unseren Abnehmern haben wir sehr viele Hofläden und Marktfahrer. Die Bestellungen gehen relativ kurzfristig und auf vielen verschiedenen Wegen bei uns ein. Da sind die Telefonanrufe, aber auch Emails, SMS- und What’s App-Nachrichten. Per Fax wird nur noch selten bestellt. Man muss sehr aufmerksam sein, damit man keinen dieser Kommunikationskanäle übersieht.

Um 7 Uhr sind meine Leute da. Wir machen eine Einteilung der Arbeit, im Moment gibt es viel zu jäten und zu ernten. Unsere Mitarbeiter kommen vor allem aus dem EU-Raum. Wir haben dabei sehr positive Erfahrungen gemacht mit den Behörden, da muss ich ihnen ein Kränzchen winden. Das Online-Meldeverfahren hat sehr gut funktioniert, in der Regel wurden unsere Anfragen innert Tagesfrist bewilligt. Wir haben auch einige neue Helfer aus der Schweiz. Einerseits haben wir Ausgesteuerte, die für einige Stunden am Tag aushelfen, für die aber ein ganzer Arbeitstag zu anstrengend wäre. Andererseits haben uns auch drei Schweizer Frauen und ein 60jähriger Landwirt ihre Unterstützung angeboten und sind bei uns geblieben.

 

Bioradiesli 2020
Bei den Radiesli hat die Nachfrage extrem zugenommen (Bild: H. Höneisen, zVg)

Je nachdem wieviel Gemüse wir noch am Lager haben, müssen wir eine genügend grosse Menge auf dem Feld ernten. Eine spezielle Situation haben wir beim Randen. Durch den milden Winter können wir immer noch vom letztjährigen Randen ernten. 

Die Nachfrage nach unserem Gemüse ist allgemein stark gestiegen, sie hat sich mehr als verdoppelt. Bei einzelnen Gemüsearten wie Radiesli und Bundzwiebeln hat der Absatz sogar extrem zugenommen. Das ist eine absolut neue Situation. Im Moment braucht es pro Tag etwa 1000 Bund Radiesli und 600-700 Bund Zwiebeln. Jede Woche säen wir etwa 2 Aren neue Radiesli, für uns sind das ungewöhnlich grosse Flächen. Das Vorbereiten und Rüsten der bestellten Ware füllt einen sehr grossen Teil des Tages aus.

Wichtigste Abnehmer: Hofläden

Die ersten Abnehmer treffen schon um 10 Uhr ein, um die Ware abzuholen. Wir haben festgestellt, dass einige Marktfahrer in der Corona-Zeit auf Hofläden umgestellt haben. Allgemein sind Hofläden sehr wichtige Kunden. Der Waidhof und der Riedenholzhof in der Nähe der Stadt Zürich, aber auch die Betriebe Räss Wildbeeren AG in Benken, der Bio Eschenhof in Schalchen und der Wylandhof in Henggart sind wichtige Abnehmer. Ebenso bezieht die Jucker Farm Rafz für ihre Läden grosse Mengen unserer Bio Produkte zu kostendeckenden Preisen! In allen diesen Läden wird zurzeit klar, dass regionale Produkte gefragt sind.

Auch unser eigener Hofladen ist aussergewöhnlich gut besucht, er wird von unserer jungen Generation geführt. Unser Laden liegt eher abgelegen und trotzdem ist die Ladeninhaberin und Partnerin meines Sohnes den ganzen Tag damit beschäftigt, neue Waren nachzufüllen. Ich glaube, die Leute haben es während dem Lockdown geschätzt, dass sie einmal rausgekommen sind und haben daraus einen kleinen Familienausflug gemacht. Wenn die Kinder dann nebenbei noch ein Glacé essen und unsere Ponys streicheln konnten, war das ein willkommener Unterbruch im eintönigen Alltag. Durch diese Pandemie ist das Thema regionale und gesunde Ernährung noch wichtiger geworden. Ob dieses Bewusstsein so bleiben wird, müssen wir abwarten.

Mit den Unternehmen, die Gemüse-Abos anbieten, haben wir nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Man merkt, dass es oft keine Bauern sind, die hier in den Markt eingestiegen sind. Für sie sind die Gemüse-Abos einfach ein «Business». Sie haben nicht immer realistische Vorstellungen, haben keine eigenen Kühlräume und erwarten, dass wir kleine Mengen über weite Distanzen liefern. 

Bio-Frühkartoffeln
Einspringen, wo man gebraucht wird – z.B. bei den Frühkartoffeln (Bild: H. Höneisen, zVg)

 

FS Bio: Was sind im Moment eure grössten Herausforderungen?

Wir sind in verschiedenen Bereichen unseres Betriebs herausgefordert. Wir wollen auf die grosse Nachfrage reagieren und unsere Saat-, Pflanz- und Erntemengen anpassen. Eine zusätzliche Schwierigkeit ist natürlich der Unfall meines Sohnes, der im Moment in seinem Arbeitsbereich ausfällt. Nun muss ich mich mit der Kartoffelernte befassen, was ich schon seit einer Weile nicht mehr gemacht habe. 

Wie jedes Jahr müssen wir bei unseren Arbeiten auch auf die Wetterverhältnisse achten. Am Montagvormittag haben wir zum Beispiel die Bohnen gehackt, weil wir vorher einfach keine Gelegenheit dazu hatten. Da es schon bald darauf stark geregnet hat, wird die Wirkung wohl nicht optimal sein. 

Neben den umfangreichen Ernte- und Rüstarbeiten dürfen wir natürlich nie aufhören zu säen und zu pflanzen. Bereits jetzt fehlen uns etwa drei Hektaren Kartoffeln und Randen, weil wir mit der Arbeit einfach nicht hinterhergekommen sind. Man darf nie aufhören für die Zukunft zu planen.

 

FS Bio: Du bist ein Kenner von Bauernregeln. Gibt es eine, die deiner Ansicht nach auf die jetzige Situation passt?

Mmh…mit dem Klimawandel müssen sich vielleicht auch die Bauernregeln ändern. Im Moment denke ich an diesen Spruch:

«Blüht die Eiche vor der Esche, hält der Sommer grosse Wäsche. Blüht die Esche vor der Eiche, wird es trocken, dass es ’s Herz erweiche.»

Ich geh gleich mal meine Esche anschauen…

Autorin: Katrin Carrel, Strickhof