So finden Sie uns

Strickhof
Eschikon 21
CH-8315 Lindau
+41 58 105 98 00
info@strickhof.ch

Strickhof auf Social Media

>

Factsheet Winterweizenanbau

In der Schweiz ist Winterweizen das am weiteste angebaute Getreide. Ein Paar Eckdaten über Weizenanbau werden in diesem Steckbrief erfasst, unter anderem: Sortenwahl, Düngung, Unkraut-, Schädlings- und Krankheitsbekämpfung.
Allgemeine Infos Weizen

Fruchtfolge: 

Um den Druck von Fusskrankheiten niedrig zu halten, sollte nicht mehr als 50% der Fläche mit Getreiden angebaut werden. Deswegen ist es auch besser zwei Jahre Anbaupause einzuhalten.

  • ÖLN-Anforderungen: maximal 66% der Fläche dürfen mit Getreide angebaut werden. Direkt nach Weizen dürfen Mais oder Hafer angebaut werden. Aber mindestens ein Jahr Pause muss beachtet werden, wenn Getreide schon zwei Jahre hintereinander auf die Parzelle angebaut wurde. Nach Weizen muss mindestens ein Jahr gewartet werden, bevor Weizen, Triticale oder Dinkel auf der Parzelle wieder gesät werden.

Sortenwahl:

Im Jahr 2020 wurden drei neue Sorten provisorisch in die Klasse Top aufgenommen: Cadlimo, Diavel und Piznair. Cadlimo zeigt eine gute Krankheitsresistenz und einen hohen Ertrag vor allem in Extenso. Piznair hat einen hohen Proteingehalt und eine gute Backqualität. Diavel ist eine frühreife Sorte mit guten Resistenzen gegenüber Krankheiten und mit einem guten Ertrag. Diese Sorte kann auch als Sommerweizen angebaut werden. Montalbano und Baretta sind unter ÖLN sowohl unter Extenso Bedingungen immer empfehlenswerte Sorten.

In den anderen Qualitätsklassen haben viele Sorten gute Eigenschaften. Die detaillierten Informationen können unter empfohlene Sorten 2021 gefunden werden.

Saatbettvorbereitung:

Mulchsaat und Direktsaat sind für Weizen sehr gut geeignet und reduzieren das Erosionsrisiko. Der Bedarf an einer Bodenbearbeitung ist vor allem von der Vorkultur abhängig, aber der Pflug ist bei Getreiden meistens nicht notwendig. Nach Rüben, Raps und Körnermais muss je nach Bodenzustand entschieden werden, ob der Pflug nötig ist. Nach Kartoffeln sollte eine pfluglose Bearbeitung bevorzugt werden. Nach einer Wiese kann 3-4 Wochen vor der Weizensaat mit möglichst wenig Bearbeitung gepflügt werden. Nach einen Bestand reich an Kleegras sollte möglichst spät eingegriffen werden, um Stickstoffverluste zu vermeiden.

Das Saatbett soll gut abgesetzt und leicht schollig an der Bodenoberfläche sein. Bei Böden mit Verschlämmungsgefahr muss nicht zu fein bearbeitet werden. Walzen kann nach der Saat bei Trockenheit oder nach Auswitterungsschäden in Frühling erfolgen.

Saat:

Winterweizen wird zwischen Mitte Oktober und Mitte November mit einer Saatdichte von 300 - 500 Körner/m2 bei einer Tiefe von 2-4 cm gesät. Je später gesät wird, desto geringer ist Bestockung und somit Kornertragspotenzial. Der Reihenabstand beträgt 12-18 cm, aber er muss mindestens 16 cm, wenn gehackt werden muss.

Düngung:

Wie alle Getreide hat Winterweizen einen hohen Bedarf an Stickstoff. Der Bedarf an Phosphor und Kalium bleibt hingegen relativ tief. 

Weizen Düngungsnorm (GRUD 2017)

Stickstoffdüngung:

Die Stickstoffdüngung beeinflusst den Ertrag, ist aber auch wichtig für die Backqualität und den Proteingehalt. Einen N-Überschuss begünstigt Krankheiten, wie Mehltau und Braunrost und die Vermehrung von Blattläusen.

Im Herbst ist normalerweise keine N-Düngung nötig. Die 1. Gabe (Vegetationsbeginn) erfolgt im Frühjahr bei der Bestockung mit 35-40 kg N/ha. Die 2. Gabe (Schossengabe) findet zwischen Ende der Bestockung bis 2-Knotenstadium mit 50-70 kg N/ha der Menge und die 3. Gabe (Abschlussgabe) bei Erscheinen des Fahnenblattes mit 35-40 kg N/ha statt.

Die Düngung kann im Form von Mineraldünger mit Ammonsalpeter erfolgen oder mit Gülle. Da sie aber langsamer wirkt, sollte eher ab der 2. Gabe so gedüngt werden. 25 bis 30 m3 Gülle 1:1 verdünnt decken die Grunddüngung ab und sollten mit dem Schleppschlauch ausgebracht werden. Sonst kann auch Hofdünger für die Grunddüngung eingesetzt werden. D.h. 15-20 t/ha Mist im Herbst vor dem Pflügen streuen. 

Phosphor, Kali, Magnesium und Schwefel:

Bei Winterweizen kann die Grunddüngung gut mit Hofdünger erfolgen, da die lange Vegetationszeit erlaubt P, K und Mg gut aufzuschliessen. Die Grunddüngung kann entweder im Herbst als Mist (15 bis 20 t/ha) vor dem Pflügen oder als 2. Gabe in Form von Gülle (25 bis 30 m3, 1:1 verdünnt) im Frühjahr erfolgen.

Eine Schwefeldüngung ist nur auf viehlosen Betrieben und leichten Böden empfohlen.

Unkrautbekämpfung:

Mechanisch:

Das Ziel ist der Bestand von der Saat bis zur Ende der Bestockung möglichst sauber zu halten. Als vorbeugende Massnahme spielt die Wahl der Fruchtfolge eine wichtige Rolle: Getreideanteil in der Fruchtfolge unter 50% behalten und Winter- und Sommerkulturen regelmässig alternieren.

Als direkte Massnahmen gilt die Unkrautkur. Nach der groben Saatbettvorbereitung wird mehrmals gestriegelt oder geeggt, um die auflaufenden Unkräuter zu verringern, aber deren Wurzeln können nur bei genügend trockenen Bedingungen sterben.

Blindstriegeln kann zwischen der Saat und der Auflauf erfolgen. In März/April kann 2-3 Mal bis zum Ende der Bestockung gehackt (bei genügender Reihenabstand) oder gestriegelt werden.

Beim Ährenschieben kann noch mittels einem Striegel ausgekämmt werden, falls der Klebern- und Wickendruck hoch ist. Am Strickhof wir ein Striegelversuch durchgeführt (siehe Versuchsbericht 2019).

Klebern können noch bis zum Ährenschieben mittels einem Striegel ausgekämmt werden.
Klebern können noch bis zum Ährenschieben mittels einem Striegel ausgekämmt werden.

Chemisch:

Bekämpfungsschwellen (siehe  Agridea-Dokument, S.7) sollten beachtet werden und je nach Unkrauttyp stehen verschiedene Mitteln zur Verfügung. Wegen ihrer Ähnlichkeit zu Getriede sind Ungräser meist schwieriger chemisch zu bekämpfen. Ein Vorauflaufherbizid ist im Herbst bis am 10. Oktober möglich und kann gegen Ungräser helfen. Ein Nachauflaufherbizid kann im Frühjahr eingesetzt werden. Das Produkt wird aufgrund der vorhandenen Unkräuter und dem Stadium von den Pflanzen mit Hilfe neutralen Pflanzenschutzmittelverzeichnisse bestimmt.

  • ÖLN-Anforderungen: Vorauflaufherbiziden spätestens bis am 10. Oktober einsetzbar. Ein Herbizidverzichtbeitrag von 250 CHF/ha kann erfolgen, wenn kein Herbizid eingesetzt wird. Dieser Beitrag kann noch um 200 CHF/ha erhöht werden, wenn der Anbau pfluglos stattfindet und keine Herbizide von der Ernte der Vorkultur bis zur Ernte der Hauptkultur eingesetzt werden.

Krankheiten und Schädlinge:

Schädlinge:

Bei Weizen kann ein hoher Druck an Getreidehähnchen schädlich sein. Wenn die Bekämpfungsschwelle überschritten ist, kann eine Behandlung durchgeführt werden: mehr Informationen über Getreidehähnchen und ihre Bekämpfungsschwelle.

Die Getreidehähnchenlarven fressen langgezogene oberflächliche Streifen in die Blätter.
Grosse Populationen von Getreidehähnchenlarven können den Ertrag beeinträchtigen.

Krankheiten:

Ein bis drei Fungizidbehandlungen können durchgeführt werden, aber es sollte auf derer Wirtschaftlichkeit beachtet werden. Eine Behandlung wird erst wirtschaftlich relevant, wenn ihre Kosten über einen Mehrertrag gedeckt werden können. Oft wird die Strategie mit zwei Behandlungen gewählt, eine bei 1-2 Knotenstadium und die andere zwischen Fahnenblattentfaltung und Ährenschieben. Zu diesen Zeitpunkten muss zuerst eine Kontrolle auf dem Feld gemacht werden.

  • 1. Zeitpunkt: Mehltau und Gelbrost müssen kontrolliert werden. Die Behandlung muss nur beim hohen Krankheitsdruck durchgeführt werden.
  • 2. Zeitpunkt: Mehltau, Braunrost, Gelbrost, Septoria- Blatt- und Spelzenbräune und Fusarien müssen kontrolliert werden. Ist die Bekämpfungsschwelle erreicht (siehe Agridea-Dokument), kann man mit den verfügbaren Fungiziden behandeln.

Um den Druck zu reduzieren, muss auf den Anbau von resistenten Sorten und auf die Fruchtfolge geachtet werden.

Krankheiten vom Weizen
Von links nach rechts: Gelbrost mit der typischen linienartigen Anordnung der Pusteln, Braunrost, Septoria und Mehltau.

Wachstumsregulatoren:

Wachstumsregulatoren sind nur zu benutzen, wenn ein hohes Lagerrisiko auf der Parzelle existiert. Deswegen kann auch im intensiven Anbau auf Wachstumsregulatoren verzichtet werden, wenn nicht zu viel überflüssigen Stickstoff im Boden zur Verfügung steht und wenn die Sorte standfestig ist. CCC kann im Stadium DC30 appliziert werden. Im Stadium DC31-37 können Moddus oder Medax eingesetzt werden, möglicherweise kombiniert mit einem Fungizid. Später im Stadium 37-40 kann noch Ethephon appliziert werden.

Wachstumsregulatoren sollten unbedingt bei sonnigem Wetter auf trockenen Blättern angewendet werden, um wirken zu können.

Ernte:

Die Ernte findet zwischen Mitte Juli und Ende August statt, wenn das Getreide reif ist. Dieser Zustand ist erreicht, wenn die Körner hart sind und unter Zahndruck brechen, das Stroh brüchig wird und die Ähren nach unten biegen. Der optimale Wassergehalt für die Ernte und die nachfolgende Lagerung liegt bei 14.5%. Standarderträge liegen bei 70-80 dt/ha im ÖLN-Anbau und bei 55-70 dt/ha im Extenso-Anbau.

reife Weizen
Wenn die Ähren hängen, ist der Weizen reif.

Swissgranum koordiniert die Verarbeitung und den Absatz von inländischem Getreide. Mehr Informationen über Preise sind auf die Seite von Swissgranum zu finden oder auf diejenige von IP-Suisse für IP-Suisse Anbau.

Der Extensobeitrag beträgt 400.-/ha.