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Merkblatt Winterweizen

Weizen ist eine der am meisten angebauten Kulturen und gehört zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. Der Anbau ist verhältnismäßig einfach und die Saat von Winterweizen kann bis Mitte November erfolgen. Eine Vernalisation ist zwingend notwendig. Pflanzenschutztechnisch wird Weizen oft intensiv angebaut, aus wirtschaftlicher Sicht ist der Extensoanbau i.d.R. zu bevorzugen.
Tabelle Factsheet Weizen

 

Allgemeines

Vorteile und Chancen

  • Auch im Extensoanbau lässt sich mit geeigneten Sorten eine verhältnismässig hohe Wirtschaftlichkeit erzielen (Strickhof Versuchsbericht 2021).
  • Höhere Erträge als Sommerweizen.
  • Im Vergleich zu anderen Kulturen relativ konstantes Ertragsniveau.
  • Verhältnismässig einfach anzubauende Kultur, bei der durch angepasstes Management (Düngung, Unkrautbekämpfung) kleinere Fehler ausgeglichen werden können, da die Hauptbestockung erst im Frühling erfolgt.
  • Ist spätsaatverträglich und kann teilweise bis Mitte November gesät werden.

 

Nachteile und Herausforderungen

  • An schlechteren, nährstoffarmen Standorten sind andere Getreidearten zu bevorzugen.

 

Anbau

Sortenwahl

Das Spezielle bei den Winterweizensorten ist die Einteilung in die fünf Klassen Top, I, II, Futter- und Biskuitweizen. Die Klassifizierung erfolgt aufgrund von unterschiedlichen Eigenschaften wie dem Proteingehalt und der Backqualität und hat direkte Auswirkungen auf den Produzentenpreis und indirekte Auswirkungen auf den Ertrag.  

Im Jahr 2020 wurden drei neue Sorten provisorisch in die Klasse Top aufgenommen:  

Cadlimo, Diavel und Piznair. Cadlimo zeigt eine gute Krankheitsresistenz und einen hohen Ertrag vor allem in Extenso. Piznair hat einen hohen Proteingehalt und eine gute Backqualität. Diavel ist eine frühreife Sorte mit guten Resistenzen gegenüber Krankheiten und mit einem guten Ertrag. Diese Sorte kann auch als Sommerweizen angebaut werden. Montalbano und Baretta sind sowohl unter ÖLN als auch unter Extenso Bedingungen immer empfehlenswerte Sorten.

In den anderen Qualitätsklassen haben viele Sorten gute Eigenschaften. Die detaillierten Informationen können unter der Liste der empfohlenen Sorten gefunden werden.

Saat

SaatzeitpunktMitte Okt.- Mitte Nov.
Saatdichte300 – 500 Körner/m2
Reihenabstand12.5 – 35 cm
Saattiefe2 – 4 cm

 

Düngung

Referenzertrag: 60 dt/ha (Brot- und Biskuitweizen)
Stickstoff140   kg/ha
Phosphor27    kg/ha    (63 kg P2O5/ha)
Kalium67   kg/ha     (81 kg K2O/ha)
Magnesium15    kg/ha

Basierend auf GRUD, 2017 (Agroscope)

 

Bedeutendste Krankheiten und deren Bekämpfung

Echter Mehltau

  • Bedeutung Kann zu Ertragsausfällen von bis zu 10% führen.
  • Schadbild Watteartige Myzelpolster oder gelbe und braune Flecken auf der Blattoberseite. Stark erkrankte Blätter sterben vorzeitig ab.
  • Günstige Umweltbedingungen Milder, trockener Frühling mit abwechselnd warmen und feuchten Tagen sowie dichte Saat.
  • Vorbeugung Angepasste Sorten, Saatdichten und Düngung. Halmverkürzer nicht zu spät einsetzen.
  • Direkte Bekämpfung Die Bekämpfungsschwelle liegt bei 25 – 30 % im DC31-61. Das entspricht 30 bis 60 Blätter pro 120 Blättern. Es werden nur die obersten drei Blätter bonitiert.
WW Septoria und Mehltau
Links: Typische Flecken verursacht durch die Blatt- und Spelzenbräune (Septoria). Rechts: Mehltau auf den Blättern.

 

Blatt- und Spelzenbräune (Septoria)

  • Bedeutung Wichtige Krankheit in Weizen.
  • Schadbild Auf den Blättern sind rautenförmige, braune Flecken sichtbar. Die Spelzen werden von der Spitze her braun.
  • Günstige Umweltbedingungen Häufiger Nebel, Ernterückstände, infiziertes Saatgut, Einsatz von Halmverkürzern.
  • Vorbeugung Vermeidung von dichten Saaten, resistente Sorten wählen, Einarbeitung von Ernterückständen und gesundes Saatgut verwenden.
  • Direkte Bekämpfung Saatgutbeizung oder Fungizideinsatz.

 

Ährenfusarien

  • Bedeutung Gefahr von erhöhten Mykotoxinwerten.
  • Schadbild Je nach Stadium des Getreides kommt es zu Auflaufschäden, Verbräunungen an der Halmbasis und den Knoten oder zum Ausbleichen ganzer Ährchen mit partieller Taubährigkeit.
  • Günstige Umweltbedingungen Lange Schneedecke und / oder feuchte Witterung während der Blüte.
  • Vorbeugung Einarbeitung von Strohresten. Bei pflugloser Bodenbearbeitung sollte eine weite Fruchtfolge eingehalten und nie Weizen nach Mais gesät werden. Zudem gibt es Sorten, die weniger anfällig sind.
  • Direkte Bekämpfung Einsatz von Fungiziden ist möglich.

 

Bedeutendste Schädlinge und deren Bekämpfung

Getreidehähnchen 

  • Bedeutung Kann Schäden verursachen, i.d.R. sind die Schäden <10%.
  • Schadbild Streifenförmiger Fensterfrass, bei Larven entlang der Nervenbahn, wobei die untere Epidermis erhalten bleibt.
  • Günstige Umweltbedingungen Warmer Frühling und trockene Witterung während der Eiablage.
  • Vorbeugung Förderung von Nützlingen.
  • Bekämpfungsschwelle Im DC 37-55 eine Larve oder ein Ei pro Halm. Mindestens 50 Halme auszählen: An zehn Stellen die obersten Blätter an je 5 Halmen absuchen.
  • Direkte Bekämpfung Häutungsemmer und andere Insektizide.

 

Getreideblattlaus

  • Bedeutung Kann bei Massenbefall unterschiedliche Schäden verursachen, kann aber das Gelbverzwergungsvirus (BYDV) übertragen. I.d.R. betragen die Verluste weniger als 10%.
  • Schadbild Saftentzug und Honigtauausscheidung. Läuse auf Blättern und Ähren.
  • Günstige Umweltbedingungen Die Blattlausvermehrung wir durch eine warme und trockene Witterung im Mai/Juni sowie eine hohe Stickstoffdüngung gefördert. Für die Virusübertragung von Vorteil ist ein warmer Herbst und eine frühe Saat.
  • Vorbeugung Bekämpfung von Ausfallgetreide und Förderung von Nützlingen, z.Bsp. durch Ackerschonstreifen.
  • Bekämpfungsschwelle Ist erreicht, wenn im DC65 mindestens 60% der Ähren mit Läusen befallen sind. Es sollte an mindestens 10 Stellen fünf Ähren abgesucht werden.
  • Direkte Bekämpfung Nur mit Sonderbewilligung möglich.

 

Unkrautbekämpfung

Das Ziel ist, den Bestand von der Saat bis zum Ende der Bestockung möglichst sauber zu halten. Als vorbeugende Massnahme spielt die Wahl der Fruchtfolge eine wichtige Rolle: Getreideanteil in der Fruchtfolge unter 50% behalten und Winter- und Sommerkulturen regelmässig alternieren. Die direkte Massnahme ist die Unkrautkur:

WW Striegel
Weizen bietet sich für die mechanische Unkrautregulierung an.
  • Mechanisch: Nach der groben Saatbettvorbereitung wird mehrmals gestriegelt oder geeggt, um die Anzahl der auflaufenden Unkräuter zu verringern. Deren Wurzeln sterben nur bei genügend trockenen Bedingungen. Blindstriegeln kann zwischen der Saat und dem Auflaufen erfolgen. Im März/April kann 2 bis 3 mal, bis zum Ende der Bestockung, gehackt oder gestriegelt werden. Beim Ährenschieben kann noch mittels eines Striegels ausgekämmt werden, falls der Klebern- und Wickendruck hoch ist.

 

  • Chemisch: Bekämpfungsschwellen sollten beachtet werden und je nach Unkrauttyp stehen verschiedene Mittel zur Verfügung. Wegen ihrer Ähnlichkeit zu Getreide, sind Ungräser chemisch meist schwieriger zu bekämpfen als zweikeimblättrige Unkräuter. Ein Vorauflaufherbizid kann im Herbst bis am 10. Oktober eingesetzt werden und kann gegen Ungräser helfen. Ein Nachauflaufherbizid kann im Frühjahr eingesetzt werden. Das Produkt wird aufgrund von den vorhandenen Unkräutern, deren Stadium und dem Stadium von den Pflanzen sowie mithilfe von neutralen Pflanzenschutzmittelverzeichnissen gewählt.

 

Ernte

ZeitpunktMitte Juli bis Ende August
Ertrag

Intensiv: 70 – 80 dt/ha

Extenso: 55 – 70 dt/ha

Weizen ist reif, wenn die Körner hart sind und unter Zahndruck brechen, das Stroh brüchig wird und sich die Ähren nach unten biegen.

 

Tipps aus der Praxis

  • In guten Lagen (Boden und Wasser vorhanden) kann Futterweizen rentabler sein als Brotweizen (ÖLN).
  • Striegeln im Herbst nur, wenn absolut nötig.
  • Im Frühling bereits vor Keimblattstadium der Unkräuter striegeln (Aus dem Stehen sollte das Unkraut nur knapp erkennbar sein), dafür beizeiten ein zweites Mal striegeln (oftmals wird zu lange zugewartet).

 

Das detaillierte Factsheet mit Informationen zu den Deckungsbeiträgen, ausführlicheren Angaben zum Anbau, den typischen Krankheiten & Schädlingen und zur Unkrautbekämpfung kann als Druckversion: Merkblatt Winterweizen heruntergeladen werden.

Alle Versuche rund um den Winterweizenanbau finden Sie hier: Versuche Weizen

Aktuelles und umfassendes Fachwissen rund um den Winterweizenanbau finden Sie hier: Fachwissen Weizen