So finden Sie uns

Strickhof
Eschikon 21
CH-8315 Lindau
+41 58 105 98 00
info@strickhof.ch

Strickhof auf Social Media

Blu00fchender Raps>

Factsheet Rapsanbau

Raps ist in der Schweiz die am weitesten verbreitete Ölpflanze. Von der Aussaat bis zur Ernte wird der Ertrag von vielen Aspekten beeinflusst, sei es die Fruchtfolge, die Düngung oder die Schädlingsbekämpfung. Ein paar Eckdaten sind in diesem Steckbrief zusammengetragen.
Raps Tabelle allgemeine Infos

Fruchtfolge:

In der Fruchtfolge sind Getreide gute Vorgänger von Raps. Zwischen der Rapsernte und der Bodenbearbeitung muss Ausfallraps keimen können. Damit wird er bekämpft und die Übertragung von Krankheiten und Schädlinge in die nächste Kultur wird vermieden.In der Fruchtfolge sind Getreide gute Vorgänger von Raps. Zwischen der Rapsernte und der Bodenbearbeitung muss Ausfallraps keimen können. Damit wird er bekämpft und die Übertragung von Krankheiten und Schädlinge in die nächste Kultur wird vermieden.

Ausfallraps
Ausfallraps unbedingt vor einer Bodenbearbeitung keimen lassen.
  • ÖLN-Anforderungen: : Zwischen zwei Rapskulturen, sowie zwischen Raps und Sonnenblumen sollten mindestens drei Jahre Pause eingehalten werden und es dürfen maximal 25% der angebaute Fläche in der Fruchtfolge mit Raps und Sonnenblumen angebaut werden. Diese Anbaupause wird verlangt, damit Pathogene und Schädlinge wie zystenbildende Nematoden nicht übertragen werden. Da Rübsen Wirt der gleichen Pathogene sein können, braucht es auch hier eine dreijährige Anbaupause.

 

 

Sortenwahl:

Als erstes muss zwischen HOLL-Raps und klassischen Sorten unterschieden werden. Innerhalb dieser Kategorien sind die Unterschiede nicht extrem gross. Da HOLL-Raps reich an Ölsäure und arm an Linolensäure ist, kann sein Öl gut für das Frittieren angewendet werden. Die klassischen Sorten sind meistens Hybride, aber Liniensorten werden für den biologischen Anbau weitergezüchtet.

Die Züchtung macht derzeit beträchtliche Fortschritte, wodurch die bestehenden Hybridsorten relativ rasch abgelöst werden. Der Erfolg des Produzenten ist meist von anderen Faktoren als der Sortenwahl abhängig.

Weitere Informationen über empfohlene Sorten 2021.

Saatbettvorbereitung:

Zur Entwicklung einer kräftigen Pfahlwurzel braucht die Rapspflanze einen gut gelockerten Boden. Raps reagiert empfindlich auf Verdichtungen und Schmierschichten. Das Saatbett sollte krümelig und gut abgesetzt sein. Unter der Voraussetzung einer guten Bodenstruktur sind auch Mulchsaaten sehr gut möglich.

Raps Einfluss von Bodenverdichtung auf Wurzel
Bodenverdichtung verhindert das Wachstum der Pfahlwurzel (Pflanze rechts). Oberirdisches Symptom ist eine bläulich-rote Verfärbung der Blätter.

Saat:

Einzelkornsaaten und Drillsaaten sind praktisch gleichwertig, sofern die Saattechnik eine exakte Ablagetiefe und Körnerzahl erlaubt.

Saatzeitpunkt und Saatstärke:

Der Saatzeitpunkt sollte so gewählt werden, dass eine kräftige Herbstentwicklung mit 10-14 Blättern und ein Wurzelhalsdurchmesser von 1cm vor dem Winter möglich ist. Dazu sollte der Raps bis Ende September das 6-Blatt-Stadium erreichen. Eine zu frühe Saat erhöht allerdings das Risiko von Stängelbildung und Auswinterungsschäden. Der Saatzeitpunkt beeinflusst die Schädigung durch den Rapserdfloh, eine pauschale Aussage dazu ist allerdings schwierig. 25-30 kräftige Rapspflanzen im Frühjahr reichen für einen Vollertrag aus. Die empfohlene Saatstärke:

25. August bis 5. September:    30-40 Körner/m2, 1-2 cm tief

Untersaat:

Wenn der Unkrautdruck auf der Parzelle gering ist, kann eine Untersaat gesät werden. Diese führt zu einer Verbesserung der Bodenstruktur und einer Verminderung der Erosion. Die Wirtschaftlichkeit wird dank des Herbizidverzichtsbeitrags gesichert.
Weitere Informationen im Versuchsbericht.

Raps mit Untersaat
Die Bodenstruktur wird von der Wurzelvielfalt einer Untersaat verbessert.

Düngung:

Düngungsnorm Raps (GRUD 2017)

Stickstoffdüngung:

In einem milden Herbst kann in Böden mit gutem Mineralisierungspotential auf N-haltige Dünger vor dem Winter verzichtet werden. Eine allfällige Grunddüngung kann aber mit Hofdüngern erfolgen. Ein üppiger Bestand kann im Herbst bereits 80-100 kg N/ha aus dem Boden aufnehmen. Dabei wird allerdings das Blattwachstum ebenfalls stark angeregt, was meist auch höhere Blattverluste über den Winter zur Folge hat. 

Wenn keine Düngung im Herbst stattfindet, wird meistens die N-Ausbringung in zwei Gabe aufgeteilt. Die 1. Gabe wird im Frühjahr bei Vegetationsbeginn ausgebracht, um das Blattwachstum und die Bildung von Seitentrieben zu fördern. Bei starkem Bestand reichen 60 kg N/ha zur dieser Zeitpunkt, ist der Bestand aber schwach, dann kann man bis 90 kg N/ha ausbringen. Eine 2. Gabe, die die restliche Menge deckt, soll zum Beginn der Streckungsphase ausgebracht werden. Diese Gabe hat eine positive Auswirkung auf die Anzahl Körner und das Korngewicht. Gülle 1:1 verdünnt kann ausgebracht werden oder Mineraldünger in Form von Ammonsalpeter mit Bor, Mg oder S oder auf kalkreichen Böden in Form von Ammonsulfat.

Phosphor und Kali:

Die Grunddüngung mit P und K wird im Herbst durchgeführt. Raps braucht eine ausreichende P-Versorgung über den gesamten Vegetationszyklus. Eine Düngung ist deswegen meistens notwendig, da der Raps die P-Reserven im Boden nicht gut mobilisieren kann. Das Kali, das vom Raps aufgenommen wird, wird über die Zersetzung der Ernterückstände für die folgende Kultur wieder freigesetzt. Um diese Bedürfnisse zu decken, können Mist (15-20 t/ha) oder Spezialvolldünger für Raps ausgebracht werden.

Schwefel:

Schwefelversorgung muss bis zur Blüte gewährleistet werden. Böden, die regelmässig mit organischer Substanz versorgt werden, benötigen meistens keine S-Düngung. Wenn der Boden nicht genügend S liefern kann, sollte eine Sulfaten-Düngung vorgenommen werden. Allerdings sollten zu hohen S-Düngungen vermieden werden, damit das Glukosinolatgehalt unter die tolerierte Grenze für die Fütterung bleibt.

Unkrautbekämpfung:

Wenn die Unkrautbekämpfung mechanisch stattfindet, werden schon vor der Saat 1-2 Unkrautkuren durchgeführt. Bei genügend grossem Reihenabstand, kann eine spätere mechanische Unkrautbekämpfung auch noch durchgeführt werden.

Meistens wird im ÖLN ein Vorauflaufherbizid ausgebracht. Für Nachauflaufherbizide ist das Wirkungsspektrum eingeschränkt, aber Klettenlabkraut, Getreidedurchwuchs und Gräser können noch bis im Frühjahr bekämpft werden.

Schädlinge:

Schädlinge im Herbst

Schnecken: Die relativ tiefen Saatmengen pro Quadratmeter setzen neben einem guten Saatbett auch eine gute Bestandeskontrolle voraus. Ab Saat bis zum 4-Blattstadium ist (insb. in Mulchsaaten) den Schnecken besondere Beachtung zu schenken.

Erdfloh und Blattwespenlarve: Kontrollen sind ab dem Auflaufen nötig. Eine allfällige Bekämpfung sollte 10-14 Tage nach den ersten Einflügen und noch vor der Eiablage erfolgen und erfordert auch bei überschrittener Bekämpfungsschwelle eine Sonderbewilligung der Fachstelle Pflanzenschutz. Bei Pyrethroiden besteht ein Risiko der Resistenzbildung (erste Fälle bestätigt!).

Rapserdfloh
Ein Rapserdfloh sitzt auf einer Rapspflanze. Rechtsdavon ist eine kleine, runde Frassstelle sichtbar.

Schädlinge ab Frühjahr

Rapsstängelrüssler- sowie Rapsglanzkäferpopulationen können zu wichtigen Ertragseinbussen führen und sollten überwacht werden. Wenn die Bekämpfungsschwelle nach ÖLN-Anforderungen überschritten ist, stehen verschiedene Insektizide zur Verfügung. 

Stängelrüssler verursachen eine S-förmige Krümmung und der Stängel der Rapspflanze platzt.
Stängelrüssler verursachen eine S-förmige Krümmung und der Stängel platzt.
Glanzkäfer durchbohren die Rapsknospen, um dem Blütenstaub zu fressen.
Glanzkäfer durchbohren die Rapsknospen, um dem Blütenstaub zu fressen.

Weitere Informationen zu den Schädlingen und Bekämpfungsschwellen finden Sie unter: Erdfloh, Stängelrüssler und Rapsglanzkäfer.

Krankheiten:

Verschiedene Krankheiten können bei Raps auftreten. Die Bedeutendsten sind die Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae), Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma linguam), der Rapskrebs (Sclerotinia slerotiorum) und die Rapsschwärze (Alternaria brassicae). Diese Krankheiten können durch Anbaupausen, Sortenwahl, Saatzeitpunkt und saubere Behandlung der Ernterückstände vorbeugend bekämpft werden.

Das Ziel einer Fungizidbehandlung im Herbst ist die Stauchung des Haupttriebes und der Schutz gegen die Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma lingam). Die Behandlung im Herbst verbessert die Frostresistenz und die Ausbildung der Wurzel und der Seitenknospen. Hat der Raps bei geringem Phoma-Druck bis Ende September weniger als sechs Blätter gebildet, kann auf eine Wachstumsregulierung im Herbst verzichtet werden. Bei geringem Phoma-Druck kann in dichten Bestanden die Fungizidbehandlung auch ins Frühjahr verschoben werden. Positive Nebeneffekte sind dann die Förderung der Seitentriebe, eine gleichmässigere Blüte und die Verhinderung des frühen Lagerns.

Ernte:

Raps ist ab Mitte Juli druschreif. Zum Dreschen liegt die optimale Feuchte der Körner bei 10-12%, d.h. wenn 20-30% der Körner schwarz sind und die Schoten grau-braun verfärbt sind und rascheln. Die ersten Schoten am Haupttrieb der Pflanzen sind dann allenfalls aufgeplatzt. 

Schoten sollen bei der Ernte braun verfärbt sein.
Auch die untersten Schoten sollten bei der Ernte braun verfärbt sein.

Mähdrescher mit Rapstisch und Rapsschere sollten bevorzugt werden, um Ausfallverlusten zu minimieren. Es ist mit 1-2% Verlust zu rechnen. Dies entspricht ca. 8 Körner pro dm2 Ackerfläche bei 35 dt/ha Ertrag. 

Nach der Ablieferung bei der Getreidesammelstelle werden die Körner auf unter 6% Wassergehalt getrocknet, damit die nachfolgende Verarbeitung problemlos durchgeführt werden kann.

Die Ölsaatenflächenbeiträge vom Bund liegen bei 700.-/ha. Wenn man auf Insektizide und Fungizide verzichtet, kommen noch 400.-/ha dazu.

Literatur:

Datenblätter Ackerbau, Agridea

Düngung von Ackerkulturen / GRUD 2017, Agrarforschung Schweiz 8

Versuchsbericht 2019 Strickhof