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Biosoja Sortenversuch 2023

Soja erlebt in der menschlichen als auch in der tierischen Ernährung eine steigende Nachfrage. Die Suche nach geeigneten Sojasorten für den Schweizer Biolandbau ist dashalb ein wichtiges Thema. So führt das FiBL an sechs unterschiedlichen Standorten Streifenversuche mit Sojasorten durch. Einer dieser Standorte ist der Stiegenhof.

Ausgangslage und Versuchsfrage

Die Sojabohne wird wegen ihrem hohen Öl- und Proteingehalt auf der ganzen Welt angebaut. Sojaöl ist das weltweit meistproduzierte pflanzliche Öl und wird für Nahrungszwecke, technische Anwendungen und in der Kosmetik eingesetzt. Das Sojaprotein findet Anwendung in der menschlichen Ernährung, beispielweise in Form von Tofu. In der tierischen Ernährung wird das Sojaprotein meist in Form von gepresstem Sojaschrot als Futterzusatz in der Nutztierfütterung von Schweinen, Geflügel und Wiederkäuern eingesetzt. Dabei wird Soja anderen Körnerleguminosen als „Kraftfuttermittel“ vorgezogen, da sie ein besseres Aminosäuremuster und eine höhere Verdaulichkeit aufweist.

Die Versorgung mit einheimischen Proteinen spielt insbesondere im Biolandbau eine wichtige Rolle. Durch den immer stärker werdenden Trend hin zu einer vegetarischen oder veganen Humanernährung steigt die Nachfrage nach einheimischem pflanzlichem Protein als Fleischalternative. Ebenfalls steigt die Nachfrage in der Tierernährung. Da Futtersoja sehr gefragt ist, fördert Bio Suisse fördert den Anbau von Futtersoja mit einem Förderbeitrag.

Die Suche nach geeigneten Sojasorten für den Schweizer Bioanbau als Proteinlieferanten für die menschliche und tierische Ernährung ist zurzeit ein wichtiges Thema. So führen das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL und seine Partner in den kantonalen Beratungen sowie die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea an sechs unterschiedlichen Standorten Streifenversuche mit Sojasorten durch. Einer dieser Standorte ist der Stiegenhof. 

Methodik 

Anzahl StandorteAnzahl VersuchsjahreAnzahl WiederholungenArt des Versuchs
110Streifenversuch

Sorten, Vorkultur

Im diesjährigen Streifenversuch wurden sechs Sojasorten auf der Parzelle Spicheracher 2 im ersten Umstellungsjahr mit der Vorkultur Winterweizen angebaut. Die Sorten wurden vom FiBL in Zusammenarbeit mit der Saatgutfirma Delley Samen und Pflanzen AG (DSP) und dem Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung Agroscope ausgewählt. Im Versuch sind neben den bekannten Sorten Obelix (000), Aurelina (00), Abaca (000) und Arnold (000), die neueren Züchtungen Talisse (00) und Adelfia (000/00).

Bodenbearbeitung, Saat, Düngung, Pflege und Ernte 

Die Parzelle wurde Mitte Februar gepflügt (16.02.23). Anfangs Mai folgte dann die Saatbettbereitung mit der Egge (06.05.23). Sobald der Boden im nassen Frühjahr genug abgetrocknet war, wurden die vorher geimpften Sojabohnen mit einer Saatdichte von 70 Körner/m2 auf eine Tiefe von 3 cm gesät (15.05.23). Zur Unkrautregulierung wurde die Soja drei Mal mit einem kameragesteuerten Hackgerät gehackt (30.05., 07.06. und 16.06.23). Ende September wurde die Soja geerntet (21.09.23). Um den Ernteertrag der einzelnen Sorten zu bestimmen, wurde jeweils in der Mitte des Sortenstreifens ein Streifen herausgedroschen und das Erntegut gewogen. 

Resultate 

Erträge Soja Stiegenhof 2023
Ertrag [dt/ha] normiert auf eine Feuchtigkeit von 11% und Feuchtigkeit [%] der verschiedenen Sojasorten. Die Sorte Adelfia (000/00) erzielte den höchsten und die Sorte Aurelina (00) den tiefsten Ertrag. Die Feuchtigkeit der Sojasorten lag zwischen 10.9 und 13.6%.

Die sechs Sojasorten erzielten einen durchschnittlichen Ertrag von 38.9 dt/ha bei einer standardisierten Feuchtigkeit von 11%. Die Sorte Adelfia (000/00) zeigte den höchsten Ertrag mit 44.5 dt/ha und die Sorte Aurelina (00) wies mit 33.7 dt/ha den tiefsten Ertrag auf.

Der durchschnittliche Feuchtigkeitswert von 12.8% liegt über den bei der Übernahme geforderten 11%. Einzig die Sorte Abaca (000) mit 10.9% Feuchtigkeit hätte nicht noch zusätzlich in der Sammelstelle getrocknet werden müssen.

Soja Stiegenhof 2023
Dank guter Wetterbedingungen und neuster Hacktechnik zeigt sich der Soja Sortenversuch bezüglich Verunkrautung von der besten Seite.

Diskussion 

Erträge und Qualität

Das Jahr 2023 war ein sehr gutes Sojajahr, in dem hohe Erträge geerntet werden konnten (durchschnittlich 38.9 dt/ha). Diese hohen Erträge sollten jedoch nicht als absolute Erträge auf eine ganze Parzelle hochgerechnet werden. Vielmehr wurde aus jedem Sortenstreifen der beste Anteil herausgedroschen und gewogen. Dementsprechend wurden Effekte, die den Ertrag negativ beeinflussen könnten, wie beispielsweise Randeffekte, stehengelassen. Es ist also anzunehmen, dass der Ertrag auf der ganzen Parzelle tiefer ausgefallen wäre. Dennoch, die unterschiedlichen Erträge der Sorten untereinander zu vergleichen, ist aussagekräftig. 

Erfreulicherweise reiften alle Sorten trotz der höheren Lage des Stiegenhofs (630 m. ü. M.) und des eher späten Saatzeitpunktes wegen dem nass-kalten Frühjahr vollständig ab. Auch die mittelspäte Sorte Talisse (00) wurde erntereif.

Obwohl die Bedingungen für die Sojasaat in diesem Frühjahr lange zu kalt und zu nass waren, wurde ein gutes Zeitfenster erwischt, so dass der Boden genug warm (mind. 10°C) und abgetrocknet war. Aufgrund des guten Ertrages ist ebenfalls anzunehmen, dass die Saatgutimpfung erfolgreich war und der Boden keine relevanten Verdichtungen aufwies, so dass sich die Knöllchenbakterien der Sojapflanzen erfolgreich entwickeln und Stickstoff fixieren konnten.

Die mechanische Unkrautregulierung mit dem kameragesteuerten Hackgerät erfolgte schon in einem frühen Stadium der Sojapflanzen (Zweiknoten Stadium). Ebenfalls wurde mehrmals in kurzen zeitlichen Abständen gehackt, sodass das Unkraut die Sojapflanzen bis zum Reihenschluss nicht relevant konkurrenzieren konnte. Eine gute Unkrautregulierung ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Kultur. 

Der Feuchtigkeitswert war fürs Dreschen ideal (13-15%). Bei unter 12% Feuchtigkeit nimmt die Empfindlichkeit gegenüber mechanischer Beanspruchung zu. Erheblicher Bruch lässt sich dann nur mit perfekter Druschtechnik und Dreschereinstellung vermeiden. Zerbrochene oder angerissene Sojabohnen lassen sich nicht mehr gut lagern, da sich die Qualität durch den Kontakt des Bohneninneren mit Sauerstoff verschlechtert und das Öl ranzig wird. Ausserdem wird Bruchkorn bei der Reinigung ausgesiebt.

Das Sojajahr 2023 war sehr erfreulich und alle in Streifen angebauten Sorten zeigten am Standort Stiegenhof gute Ergebnisse. Ob die neuen Sorten auf die Bio-Sortenliste aufgenommen werden, wird sich anhand der Resultate über alle Versuchsstandorte hinweg zeigen.

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