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Bio-Sommereiweisserbsen Sortenvergleich 2019

Eiweisserbsen gelten als ausgewogenes Futtermittel aufgrund ihres sehr hohen Protein– und Energiegehalts. Der Inlandanteil der Produktion von Bio-Eiweisserbsen liegt bei rund 39 Prozent. Sommereiweisserbsen liefern in der Regel höhere Erträge als Wintereiweisserbsen, gelten als robust gegenüber Krankheiten und sind keinem Auswinterungsrisiko ausgesetzt.

Im Versuchsjahr 2019 wurde am Stiegenhof ein Streifenversuch mit Sommereiweisserbsen durchgeführt, der einen Vergleich aktueller Sorten und einen Einblick in die Anbautechnik ermöglichen sollte.

 

Versuchsziel

Im Biolandbau werden Sommereiweisserbsen häufig als Mischkultur mit Sommergerste angebaut, um die Standfestigkeit und die Unkrautunterdrückung zu verbessern; gleichzeitig funktioniert die Gerste als „Versicherung“, damit Ertragsausfälle bei den Erbsen durch die Gerste kompensiert werden können. Bei der Entwicklung neuer Sorten werden verschiedene Ziele verfolgt: Neben einem hohen Ertrag sind die Standfestigkeit und die Wuchshöhe zum Erntezeitpunkt besonders wichtig, damit möglichst wenig Ernteverluste entstehen. Schliesslich achten die Züchter auf ein hohes Tausendkorngewicht und hohe Rohproteingehalte. 

 

Methodik

Am Strickhof-Partnerbetrieb Stiegenhof wurden vier Sortenstreifen mit den Sommereiweisserbsen-Sorten ASTRONAUTE, MYTHIC, BATUTA und SAFRAN angelegt. Die Erbsen wurden mit Sommergerste als Mischkultur angebaut; das bewährte Verhältnis der beiden Kulturen liegt bei 80% Erbsen zu 40% Gerste gegenüber der Saatdichte der beiden Arten in Reinkultur.

Sommereiweisserbse BATUTA anfangs Mai
Entwicklung der Sommereiweisserbsensorte BATUTA, in Mischkultur mit Sommergerste am 2. Mai. Das Bild zeigt deutliche Frassspuren des Blattrandkäfers (Sitona lineatus), für den eine Schadschwelle von 5-10 Frassstellen pro Blatt bis zum 6-Blattstadium angenommen wird. Im Biolandbau gibt es zurzeit keine direkte Bekämpfungsmöglichkeiten, ausser der Wechsel auf Herbstsaat oder eine mög-lichst frühe Saat der Sommereiweisserbsen (Bild: K. Carrel, Strickhof)
Sommereiweisserbse BATUTA Ende Juni
Entwicklung der Sommereiweisserbsensorte BATUTA, in Mischkultur mit Sommergerste am am 28. Juni (Bild: K. Carrel, Strickhof)

Die Saat erfolgte nach einer Winterfurche (22.11.18) am 28. März 2019 mit einer pneumatischen Krummenacher-Sämaschine mit einem Reihenabstand von 12 cm und wurde am nächsten Tag angewalzt. Die Vorkultur war Futterweizen. Der Bestand brauchte keine weiteren Pflegemassnahmen und wurde am 24. Juli 2019 unter guten Bedingungen geerntet. Die Feuchtigkeitsgehalte lagen zwischen 13.3 und 14.5 Prozent.

 

Resultate und Diskussion

Ertrag und Ertragsanteile Sommereiweisserbsen-Sortenversuch
Erträge und Ertragsanteile der Sommereiweisserbsen-Sorten. Die Erträge lagen grundsätzlich erfreulich hoch, der Erbsen-Anteil in der Mischung lag jedoch zu tief. Der Zielwert liegt bei 30 Prozent. (Grafik: K. Carrel, Strickhof)

Die Variante mit der französischen Sorte SAFRAN erreichte 2019 den höchsten Gesamtertrag im Feld mit 52.4 dt/ha und auch den höchsten Erbsenanteil im Erntegut mit 25.5 Prozent. Die Sorte weist eine mittlere Wuchshöhe von 52cm auf und hat ein besonders hohes TKG (265g). ASTRONAUTE steht gemeinsam mit MYTHIC auf der aktuellen Bio-Sortenliste für Futtergetreide und erreichte ebenfalls einen sehr schönen Ertrag (48.9 dt/ha). Die Sorte gilt als standfest und robust und hat einen relativ hohen Proteingehalt. ASTRONAUTE stand auch im Vorjahr in einem Streifenversuch mit drei anderen Sorten und erreichte das beste Resultat mit 50.2 dt/ha. Der Erbsen-Anteil im Erntegut lag mit durchschnittlich 21.7 Prozent deutlich unter dem Zielwert von 30 Prozent. Der Frass der Blattrandkäfer, die sehr kühlen Temperaturen Ende April, sowie die trocken-heissen Sommerwochen haben sich wahrscheinlich negativ auf die Entwicklung der Erbsen ausgewirkt. Die Gerste funktionierte in diesem Fall wie beabsichtigt als Versicherungskultur.

Schlussfolgerungen/Empfehlungen:

ASTRONAUTE und MYTHIC stehen bereits auf der Biosortenliste 2020. SAFRAN ist ebenfalls eine vielversprechende und in Frankreich bewährte Sorte. Die Sorte BAGOO (nicht im aktuellen Versuch) steht ebenfalls auf der Biosortenliste und wird in französischen Sortenvergleichen als sehr hochwüchsig beschrieben (65 cm bei der Ernte). Das macht sie natürlich besonders konkurrenzfähig gegenüber Unkraut und lässt auf eine einfache Ernte hoffen; ihr TKG liegt deutlich unter dem Durchschnitt, trotzdem gilt BAGOO als sehr ertragsstarke Sorte. 

Grundsätzlich spielt der Bodenzustand eine besonders wichtige Rolle für einen erfolgreichen Anbau von Sommereiweisserbsen. Erbsen brauchen tiefgründige, gut durchlüftete Böden, damit die Wurzeln sich gut entwickeln und die Knöllchenbildung gut gelingt. Sehr hohe Kalkgehalte können zu Eisen-Chlorosen führen. Ausserdem ist es sehr wichtig, eine Anbaupause von 6-8 Jahren einzuhalten, damit sich keine bodenbürtigen Fuss- und Welkekrankheiten (z.B. Aphanomyces euteiches) anreichern, welche zu sehr grossen Ausfällen führen können. Nach einem Befall in der Parzelle können die Pilze sogar 10 bis 20 Jahren später noch im Boden nachgewiesen werden.

Autorin: Katrin Carrel, Strickhof 

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