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Gastgeber des vierten Betriebsrundgangs waren Werner Bachmann und Rosalie Wagner (Bild: K. Carrel, Strickhof)>

Bereichernde Einblicke und vielseitiger Austausch unter Biolandwirten

Rund 35 Biobäuerinnen und Biobauern trafen sich am 10. August 2020 zum Betriebsrundgang auf dem Biohof Lettenberg. Der Rundgang fand im Rahmen des Projekts «Praxisbegleitung für Umstellbetriebe» statt. Der Abend ermöglichte Bio-Umstellern und erfahrenen Biobetriebsleitern einen vielseitigen Einblick und regte zum gemeinsamen Austausch unter Praktikern an.
Praxisabend Bioumstellung in Zell
Gastgeber des vierten Betriebsrundgangs waren Werner Bachmann und Rosalie Wagner (Bild: K. Carrel, Strickhof)

 

Seit zehn Jahren öffnen erfahrene Biobetriebe ihre Türen und bieten Neu-Umstellern und weiteren Interessierten die Möglichkeit, ihren Betrieb kennenzulernen. Sie erzählen dabei von ihren Erfahrungen, von ihrer Motivation und ihren Strategien. Der Rundgang und der anschliessende Imbiss bieten viel Gelegenheit, um über Herausforderungen und Praxistipps zu diskutieren. Das Projekt beinhaltet vier Treffen auf verschiedenen Betrieben, die jeweils am Abend stattfinden. Im Corona-Jahr 2020 mussten die ersten beiden Treffen leider ausfallen. Die Teilnehmerzahl und die angeregten Diskussionen am dritten und vierten Abend zeigten, dass dieses Angebot weiterhin geschätzt und genutzt wird. Getragen wird dieses Projekt vom Verein Bio Zürich & Schaffhausen, die Fachstelle Biolandbau übernimmt jeweils die Administration.

 

Biobetriebe mit unterschiedlichen Betriebsstrategien und Schwerpunkten

Während der Gastgeber des dritten Praxisabends, Markus Ochnser, einen Schwerpunkt setzt beim Einsatz bekannter und eher ungewöhnlicher Bodenbearbeitungs- und Hackgeräte und sich am Konzept der regenerativen Landwirtschaft orientiert, setzt Werner Bachmann auf Geo-Hobel, Pflug, Dammkulturen und Handarbeit in seinen Gemüsekulturen. Bachmann hat sich ausserdem auf die Produktion von Bio-Heidelbeeren spezialisiert, die Milchproduktion wurde im 2009 durch Weidemast ersetzt.

Praxisabend Bioumstellung bei Markus Ochsner
Bunt gemischt oder klar getrennt - Die gewählte Betriebsstrategie muss zum Betriebsleiter und zu den betrieblichen Gegebenheiten passen. Links Silomais von Markus Ochsner mit beigemischten Begleitpflanzen

 

Praxisabend Bioumstellung - Heidelbeeren
Die gewählte Betriebsstrategie muss zum Betriebsleiter und zu den betrieblichen Gegebenheiten passen. Bio-Heidelbeeren von Werner Bachmann unter Volleinnetzung, eine stark spezialisierte Biokultur (Bilder: K. Carrel, Strickhof)

Gefragtes Feldgemüse, gesuchte Bio-Heidelbeeren

Werner Bachmann ist ein leidenschaftlicher Heidelbeer- und Gemüseproduzent. Dabei orientiert er sich stark an der Nachfrage nach seinen Produkten, die er ohne Verträge problemlos absetzen kann: „Wenn wir unsere Heidelbeeren am Freitag abliefern, sind sie am Dienstag im Regal beim Grossverteiler“, kommentiert er. Die Nachfrage ist sehr gross, die Preise empfindet Bachmann als fair und seine Investitionen für die Einnetzung seiner Heidelbeeren waren nach sieben Jahren amortisiert. Bio-Heidelbeeren brauchen saure Bodenverhältnisse, um gut zu gedeihen. Werner Bachmann erreicht dies durch eine Mischung von Boden und Tannenholzschnitzel, sowie Schwefeldünger, der jedoch nicht jedes Jahr zum Einsatz kommt. Die Kultur wurde nur einmal im April ohne Säurezusatz bewässert und meistens genügt das Regenwasser für den Bedarf seiner Kultur. Die Kirschessigfliege (KEF) ist eine der grössten Herausforderungen und hat dazu geführt, dass die Anlage auch seitlich eingenetzt werden musste. Wird ein Befall mit KEF in der Anlage festgestellt, setzt Bachmann Audienz ein, um die explosionsartige Ausbreitung in der Anlage zu stoppen. Bei geschlossenen Netzen genügt ein zweimaliger Einsatz im Abstand von wenigen Tagen bis zum Ende der Pflücksaison. Der Mäusedruck wird von seinen beiden Katzen sehr effizient in Schach gehalten.

Praxisabend Bioumstellung - Feldgemüse Bioranden
Arbeitsstunden und Unkrautentwicklung im Auge behalten: Die drei linken Reihen der Randenkultur wurden zuerst von Hand gejätet und konnten sich optimal entwickeln. Die äussersten Reihen auf der rechten Seite des Feldes wurden aufgegeben und mit Karotten ersetzt. (Bild: K. Carrel, Strickhof)

Wirtschaftlichkeit im Blick

Werner Bachmann überdenkt und rechnet auch während der Saison immer wieder, ob Aufwand und Ertrag sich lohnen. Das gilt zum Beispiel bei der Pflückleistung und bei der Gebindegrösse in den Heidelbeeren. Aber auch in den Gemüsekulturen werden Arbeitsstunden und Machbarkeit immer wieder überprüft. So mussten dieses Jahr einige Reihen der Randenkultur aufgeben werden, weil die Wachstumsbedingungen für das Unkraut so günstig waren, dass Bachmann und sein Team mit der Handarbeit nicht schnell genug folgen konnten. Während der Feldbesichtigung war gut erkennbar, wie die Reihen sich am besten Entwickeln konnten, in denen mit der Handarbeit gestartet worden war. Daniel Bachmann von der Fachstelle Gemüsebau vermutet, dass dieser Zeitpunkt ideal war, um Trockenheitsstress durch Unkrautkonkurrenz zu reduzieren und um Nährstoffe im günstigen Entwicklungsstadium der Randen zu mobilisieren.

Austausch und kulinarischer Abschluss

Der Feld- und Stallrundgang auf dem Biohof Lettenberg endete erst, als es dunkel wurde. Der feine Imbiss bildete den Abschluss und bot einen gemütlichen Rahmen für den weiteren Erfahrungsaustausch und Gespräche. Die verschiedenen Strategien der gezeigten Betriebe und die angeregten Diskussionen zeigten, wie spannend die Bio-Landwirtschaft ist. Tamara Bieri, vormalige Beraterin an der Fachstelle Biolandbau, schreibt dazu: «Ein Universalrezept existiert nicht, jeder muss für sich selber herausfinden, was am besten zu seinem Betrieb passt. Durch die Vielfalt der besuchten Betriebe und durch die Bereitschaft der beteiligten Betriebsleiter, ihre Betriebe zu öffnen und ihre Erfahrungen weiterzugeben, konnten die Teilnehmer viele Ideen mitnehmen, sich inspirieren und motivieren lassen.».