Erfreulicher Start ins Kartoffeljahr

20.05.2020

Eine frühe Bodenerwärmung, beste Pflanzbedingungen, rechtzeitige Feuchte und gnädige «Eisheilige» haben ihren Beitrag zu verbreitet erfreulichen Kartoffelbeständen geleistet.  Die Pflanzenschutzmassnahmen haben begonnen. Geflügelte Blattläuse sind in rekordverdächtig hohen Mengen und früh eingeflogen. Kartoffelkäfer haben bereits Eier gelegt. Erste Krautfäule-Herde sind bekannt.

Wiederum konnten Ende März bis Mitte April das Gros der Kartoffeln in gut abgetrocknete Böden gepflanzt werden. Die Pflanzgutqualität war offensichtlich besser als die aus der Ernte 2018.  

Warmer und trockener Start
Der plötzliche und frühe Temperaturanstieg Ende März hat den Boden rasch erwärmt und so eine frühe Pflanzung der fürs Lager vorgesehenen Kartoffeln ermöglicht. Meteorologisch gesehen wird der April 2020 als einer der wärmsten und trockensten in die Geschichte eingehen. An einigen Orten fielen am 25. Tag des Monats die ersten Regentropfen. Eine hartnäckige Bisenlage trocknete die oberste Bodenschicht komplett aus, so dass in einzelnen Böden selbst die Formung eines stabilen Dammes nicht möglich war. Herausfordernd war die Trockenheit verbreitet bezüglich Einsatz der Vorauflaufherbizide. Einerseits fehlte ausreichend notwendige Bodenfeuchtigkeit für eine optimale Wirkung. Andererseits konnten sich die Dämme erst nach der Herbizidbehandlung, mit eingehendem Niederschlag setzen. Dies führte zu Rissen im Herbizidfilm.

Hoher Blattlausdruck
Beobachtungen in Hausgärten zeigten eine enorme Anzahl früher Blattlauseinflüge mit massigen Kolonien an Nymphen an jungen Blatttrieben. Blattlaus-Fallenfänge von Agroscope haben einen beinahe 3.5-fache Anzahl Fänge im Vergleich zum 20-jährigen Mittel aufgezeigt! Diese geflügelten Blattläuse stellen für die Pflanzkartoffelbestände eine Gefahr als Virusüberträger dar. Pflanzkartoffelbestände virusanfälliger Sorten werden deshalb ab dem Feldaufgang regelmässig mit Öl als Schutzfilm gegen Virusübertragungen bei Blattlauseinstichen geschützt.
Zum jetzigen Zeitpunkt findet man noch keine Nymphen-Kolonien (immer auf der Blattunterseite und in Triebspitzen) deren Saugschäden dem Kartoffelkraut aller Produktionsrichtungen gefährlich werden können. Es gilt die Situation bei den Feldbeobachtungen im Auge zu behalten. Erfahrungsgemäss entwickeln sich im Laufe des Frühlings Pilze welche die Blattlauskolonien parasitieren. Zudem ist der Blattlausdruck lokal sehr unterschiedlich und sortenabhängig.

Eiablagen Kartoffelkäfer
Im April-Mai ab einer Bodentemperatur von 10° verlassen die Kartoffelkäfer ihre Winterquartiere (letztjährige Kartoffelfelder) und  wandern in die diesjährigen Kartoffelfelder ein. Je mehr letztjährige Kartoffelflächen in der Nähe sind, umso höher ist der Käferdruck. Entsprechend der allgemein verfrühten Vegetation sind nun auch Kartoffelkäfer an der Paarung und am «Reifefrass». An ersten Orten sind die Eier auf den Blattunterseiten der Stauden abgelegt. Erste Larven werden in diesen Tagen bereits schlüpfen und ihren Heisshunger stillen. Während der Käferfrass den jungen Stauden nie gefährlich wird, gilt es bei den Larven – bei überschrittener Schadschwelle – (30 % der Pflanzen mit Larven/ Eigelege oder 1 bis 2 Herde pro Are) rechtzeitig einzugreifen. Beim biologischen Präparat Bazillus thuringiensis entscheidet der (frühe) Einsatzzeitpunkt gar um Wirkung, Teilwirkung oder ausbleibender Wirkung. Um die Anzahl Behandlungen so tief wie möglich zu halten, sollen nicht jetzt schon die Käfer bekämpft werden, da nach erfolgter Behandlung laufend noch weitere einwandern oder Larven aus den Eiern schlüpfen werden. Erst zum Zeitpunkt der überschrittenen Schadschwelle bezüglich Larven ist eine erste Behandlung angebracht. Dafür eignet sich der Wirkstoff Spinosad sehr gut, weil er eine Wirkung gegen Larven und Käfer aufweist, nützlingsschonende Eigenschaften hat und ohne Sonderbewilligung eingesetzt werden kann. Spinosad hat eine kurze Wirkungsdauer und keine Wirkung auf Eier. Im ÖLN muss ein Befall zuerst mit Spinosad bekämpft werden, bevor eine Sonderbewilligung für ein stärker und länger wirkendes Mittel beantragt werden kann.

Beginn Krautfäulebekämpfung sachlich abwägen
In allen weit entwickelten Frühkartoffelbeständen ist der Erhalt eines lückenlosen Fungizidschutzes nun in vollem Gange. Der Spritzintervall ist Witterung entsprechend anzupassen. Bei den übrigen, aufgelaufenen Beständen ist der Entscheid über den Start des Krautfäuleschutzes von der regionalen Befallssituation und vom Stadium abhängig. Bis am 20. Mai wurde auf der Prognosesystem-Plattform www.phytopre.ch vier Krautfäulebefälle aus der Region Berner Seeland bzw. Rhonetal gemeldet. Bei bekanntem Krautfäulebefall sind die umliegenden (10km Radius) Felder ungeachtet des Entwicklungsstadiums und der Sortenanfälligkeit vor Krautfäule zu schützen. Als Erstbehandlung soll in einer solchen Situation ein Wirkstoff mit guter kurativer Wirkung eingesetzt werden. In unmittelbarem Umfeld (ca. 5km Radius) empfiehlt sich zudem die Beimischung eines sporenabtötenden Wirkstoffes da unbemerkte Infektionen nicht ganz auszuschliessen sind. Das letzte Jahr hat in der Ostschweiz gezeigt, dass der richtige Behandlungszeitpunkt und die situationsgerechte Wirkstoffwahl matchentscheidend waren.
Ausserhalb einer Region mit vorhandenem Befall richtet sich der Bekämpfungsbeginn nach Kulturstadium. Bei anfälligen bis mittelanfälligen Sorten kann mit einer Behandlung bis Stadium Reihenschluss, bei wenig anfälligen Sorten 1-2 Wochen später zugewartet werden.

Kartoffel-Versuchsanlage Humlikon
In Humlikon hat der Strickhof wiederum eine umfangreiche Kartoffel-Versuchsanlage angelegt. Am 28. März wurden rund 35 Saatproben der VO-Ost-Pflanzkartoffeln gesetzt. Diese stellen eine Art Rückstellmuster dar, um die Qualität der Ende 2019 vermarkteten und 2020 bei Kunden ausgepflanzten Ware zu überprüfen.
Herzstück des Versuches sind rund 50 verschiedene Sorten. Es handelt sich dabei vor allem um festkochende Sorten mit vielversprechenden, geschmacklichen Eigenschaften, guter Lagerfähigkeit sowie bei einzelnen Sorten eine ausgeprägt schwache Anfälligkeit gegen Krautfäule oder eine gute Toleranz gegenüber Trockenheit. Wegen letzterer Eigenschaft stehen einige der Versuchssorten im direkten Vergleich mit und ohne Bewässerung. Die aktuellen Bodenfeuchten und Niederschlags- bzw. Bewässerungsdaten finden sie unter www.bewaesserungsnetz.ch > Humlikon.
Da die Krautvernichtung durch den absehbaren Verzicht auf Diquat herausfordernder wird, werden auch verschiedenen Krautvernichtungsverfahren bei Agria und Ditta demonstriert.  
In einem Streifen Agria wird eine komplett mechanische Unkrautbekämpfung und Krautvernichtung dem herkömmlich chemischen Verfahren gegenübergestellt.

Die Entwicklung des Versuchs mit Bezug zu aktuellen Fachthemen können Sie als Filme im Strickhof Feldkanal unter www.youtube.com verfolgen.