Ergebnisse Kartoffel-Sortenversuche Humlikon 2019

31.10.2019

Zum fünften Mal seit 2014 konnte der Strickhof auf dem Betrieb Ganz in Humlikon Kartoffel-Demonstrationsversuche anlegen. Gepflanzt wurde am 2. April, geerntet am 6. September. Die Versuche lassen interessante Beobachtungen und Lehren zu. Allgemeine Interpretationen für den Kartoffelbau auf andere Standorte und Jahre sind jedoch mit Vorsicht zu tätigen.

Die Kartoffelsaison 2019 war geprägt durch frühe Pflanzmöglichkeiten, eine kalte Vorauflaufphase, frühe und heftige Ausbreitung der Krautfäule, wiederum eine ausgeprägte Trockenphase gepaart mit zwei Hitzeperioden, guten Erntebedingungen aber schorfgeprägter äusserer Qualität.    

Sehr grosse Sortenunterschiede
Im Anbauvergleich festkochender Sorten wurden die drei – im zweiten Hauptversuchsjahr von swisspatat geprüften – Typ A - Sorten Granada, Goldmarie und Monique angebaut, nebst den Referenzsorten Ditta, Queen Anne und Vitabella (Abbildung 1). Desweiteren wurden einige vielversprechende Sorten aus den Vorversuchen von Agroscope und aus ausländischen Versuchen oder Züchterempfehlungen getestet. Bei den Industriesorten wurden die zwei– im ersten Hauptversuchsjahr von swisspatat geprüften – Chipssorten Pelikan und Sorentina mit den Referenzen Lady Claire und Figaro, ergänzt mit den Fritessorten Agria, Fontane und Lady Anna verglichen (Abbildung 2). Aufgrund von Schäden im Pflanzgut konnten die Parzellen der Sorten Crisp4All und Levinata nicht ausgewertet werden.
Die Resultate zeigen die bekannte Tatsache, dass zwischen Standorten und Jahren grosse Unterschiede erwartet werden müssen.

Durch das systematische Vorkeimen des Versuchspflanzgutes und die frühe Pflanzung Anfang April fand der Ertragszuwachs bei den frühreiferen Sorten (= Mehrheit der festkochenden Sorten) inklusive natürliche Abreife vor der grossen Hitze Ende Juli statt. Mit wenigen Ausnahmen waren die Knollenzahlen je Staude unter den mittleren Erwartungen. Vermutlich haben die kalten Temperaturen Anfang Mai dazu beigetragen. Ein Faktor dürfte aber auch tendenziell physiologisch überaltertes Pflanzgut aus dem Hitzejahr 2018 sein.

Untergrössen bei Industriesorten
Aus versuchstechnischen Gründen wurde die Bewässerung per Mitte Juli eingestellt (Abreife der meisten Sorten zu diesem Zeitpunkt). Unter der folgenden Trockenheit sowie aber auch der Hitze litten die spätreiferen Industriesorten. Das Kraut starb bei diesen schon Anfang August praktisch komplett ab. Ein grosser Anteil der Knollen gelang somit nicht mehr in die Universalsortierung von 42.5+mm. Bei Lady Claire ist das frühzeitige Abreifen des Krautes bei Hitze ein bekanntes Phänomen. Bei den anderen Sorten war es eher überraschend. Ein weiterer Grund für das geringe «Stehvermögen» des Krautes war eine für das gros der Industriesorten eher zurückhaltende Stickstoff-Düngung von 140 kg N/ha. Es zeigte sich 2019 einmal mehr, dass gerade bei spätreifen Sorten eine nahtlose, Beregnung entscheidend über Erfolg oder Misserfolg sein kann. 

Festkochende Sorten - Ditta bewährt
Die Sorte Ditta hat sich im Versuch 2019 ertraglich sehr bewährt. Ebenso die Vorversuchssorte Château, welche 2019 geschmacklich hervorragte. Sie könnte durchaus für Hauptversuche in Frage kommen. Montana und Simonetta - zwei «Low-Input»-Typen bezüglich Stickstoff – hielten sich sehr lange mit grüner Krautmasse. In Kombination mit wenigen, grossfallenden Knollen je Staude, produzierten diese jedoch einen hohen Anteil übergrosser Knollen. Entgegen 2018 fielen Granada und Queen Anne mengenmässig ab, nicht verwunderlich bei deren aussergewöhnlich tiefen Stückzahlen. Der Pflanzgutposten von Queen Anne war offensichtlich physiologisch überaltert. Das Kraut gelangte nur knapp in den Bestandesschluss.

Verbreitet Schorf
Dank Züchtungsfortschritten ist der gewöhnliche Schorf (Buckel- und Flachschorf) bei neueren Sorten nicht mehr so ausgeprägt wie man ihn noch von der Sorte «Bintje» kennt. Die klimatisch verursachten Infektionsbedingungen durch die bodenbürtigen Schorfbakterien waren dieses Jahr so ausgeprägt, dass nur wenige Standorte resp. Sorten einem Schorfbefall entgingen. Die Informationen der Schweizer Sortenliste geben einen guten Eindruck zur Anfälligkeit einer Sorte.

Neue Sorten 2020

Auf der Schweizerischen Sortenliste für Kartoffeln 2020 sind 2 neue Speisesorten aufgeführt.
Die festkochende Sorte «Ballerina» (Züchter Danespo/NSP) wurde 2016 und 2017 in den Hauptversuchen von swisspatat getestet. Diese frühreife Lagersorte produziert eine ausgeglichene Sortierung à ca. 12 Knollen/Staude bei mittlerer Ertragserwartung. Diese vergleichsweise tiefe Stückzahl bedingt ein geringerer Pflanzabstand für eine befriedigende Produktivität und zur Eindämmung von Übergrössen. Die gute Keimruhe der Sorte und eine eher zögerliche Jugendentwicklung fordert Vorkeimen oder mindestens eine Keimstimmung des Pflanzgutes. Die Krautfäuleanfälligkeit sowie Empfindlichkeit gegenüber Rhizoctonia ist eher als hoch zu betrachten.

Die vorwiegend festkochende Lagersorte «Belmonda» (Züchter Solana) produziert je Staude ca. 16 langovale, eher grösserfallende Knollen. Die Ertragserwartung ist hoch. Die Krautfäuleanfälligkeit ist mittel. Die Sorte ist punkto physiologischer Störungen unproblematisch für Standorte ohne Bewässerung. Sie benötigt jedoch etwas mehr Wachstumszeit als die Sorte Victoria. Es empfiehlt sich eine zeitige Pflanzung.