Sortenversuche, Krautfäule und Pflanzenschutzmittel im Kartoffelbau

11.07.2019

Rund 80 Kartoffel-Produzenten fanden sich am Dienstagabend, 9. Juli 2019, auf dem Betrieb von Daniel Ganz in Humlikon ein. Der Strickhof und die Fenaco hatten zur Besichtigung der Kartoffelversuchsanlage eingeladen, um über Versuche mit neuen Sorten, die aktuelle Krautfäule- und Bekämpfungssituation und über die Wirkstoffe, die in naher Zukunft verschwinden werden, zu informieren.

Die diesjährige Versuchsanlage in Humlikon umfasst nebst dem Saatprobenanbau der VO-Ost gut 20 Sorten im direkten Vergleich. Darunter sind die 3 neuen Chipssorten «Pelikan», «Crisp4All» und «Sorentina», im Vergleich zu den empfohlenen Sorten «Lady Claire», «Levinata» und «Figaro». Die 3 neuen Sorten werden auch an verschiedenen Orten in der Schweiz, auf Praxisbetrieben im Auftrag von swisspatat getestet. Bei den Sorten für die industrielle Verarbeitung sind vorwiegend die Verarbeitungseigenschaften, allen voran die Stabilität der Backfarbe, entscheidend über Erfolg oder Misserfolg einer neuen Sorte. Aus den Versuchen mit Frites-Sorten hat es aus den letzten beiden Versuchsjahren keine auf die empfehlende Sortenliste geschafft.

Im Segment der festkochenden Sorten für den Frischkonsum sind aktuell die 3 Sorten «Goldmarie», «Granada» und «Monique» im Test. «Granada» besticht durch einen hohen Ertrag. «Goldmarie» hat gute geschmackliche Eigenschaften und «Monique» besitzt eine gute optische Schalenqualität. Verglichen werden die 3 Testsorten in Humlikon mit den Referenzen «Ditta», «Queen-Anne», «Jazzy» und «Vitabella». Nebst den Testsorten der swisspatat-Versuche sind in Humlikon weitere festkochende, gut lagerfähige Sorten im Anbau die erfolgsversprechende Eigenschaften besitzen. Es sind dies «Château», «Annalena», «Simonetta», «Bellinda», «Baby Lou», «Lucera» und «Montana».

Im Saatprobenanbau konnte an einem Extrembeispiel der Sorte «Amandine» eindrücklich eine negative Nachwirkung des Hitzesommers 2018 beobachtet werden. Die extreme Hitze in einzelnen Parzellen im Sommer 2018 hat das Pflanzgut physiologisch überaltern lassen. D.h. die Pflanzknollen haben durch zu viel Wärmesumme mit Fadenkeimern reagiert. Die Bestände sind diesen Frühling sehr unregelmässig aufgelaufen und das Kraut hat sich sehr schlecht entwickelt. Auffällig sind die vielen dünnen Triebe aus demselben Auge.  Dieses Phänomen ist auf die heisse Witterung im Feld 2018 zurückzuführen und liess sich trotz kühler Lagerung des Pflanzgutes nicht mehr korrigieren.

Im letzten Teil des Versuches konnten sich die Teilnehmer der Besichtigung ein Bild des Pflanzgutkaliber- und Pflanzdistanzversuches machen. Von der Sorten Queen-Anne wurden aus der Normalsortierung (35-45mm) die kleinen und grossen Knollen separat ausgepflanzt in den Pflanzdistanzen 20, 25 und 30 cm in der Reihe.

Hansjörg Meier, Fenaco Pflanzenschutz, erläuterte die aktuelle Krautfäulesituation. In diesem Jahr sei der Druck stärker als in den letzten beiden Jahren. Vor allem bei Folienfeldern habe man heuer vermehrt Primärinfektionen feststellen können. 10 bis 15 Prozent seien latent befallen. Die Übertragung von Krautfäule geschehe im Feld über Sporen. Wenn diese auf der Blattunterseite sichtbar gebildet werden, sollte mit einer Stoppspritzung reagiert werden. Dabei werden innerhalb von 3 Tagen, 2 Spritzungen durchgeführt . Beispielsweise mit Cymoxanil mit «rückwirkender Wirkung, gemischt mit einem  sporenabtötenden Mittel, «Danach sollte je nach Befallsdruck im Wochenrhythmus gefahren werden», erklärte Hansjörg Meier. Den Produzenten riet er, in stark befallenen Feldern gemeinsam mit Abnehmern nach möglichen Absatzmöglickeiten zu suchen.

Gemäss Markus Hochstrasser, Fachstelle Pflanzenschutz am Strickhof, stehen bei den Pflanzenschutzmitteln einige Veränderung an. Er zählte diverse Wirkstoffe auf, die mit grosser Wahrscheinlichkeit in Zukunft eingeschränkt oder verschwinden werden. Dazu gehört beispielsweise Chlorothalonil und Infinito. Beim Wirkstoff Chlorpyriphos (Reldan 22, Pyrinex, Blocade, Cortilan, Rimi und Pyrinet) habe das BLW entschieden. Ab 1. August 2019 dürfen diese Mittel nicht mehr verwendet werden. betonte der Pflanzenschutzexperte.

Markus Hochstrasser zeigte auf einem zweiten Plakat auf, wie gegen den Kartoffelkäfer vorgegangen werden soll. Audienz wird als 1. Mittel eingesetzt, reicht diese eine Behandlung nicht aus, wird in einem Beratungsgespräch (Antrag Sonderbewilligung) ermittelt, welches Produkt der Situation entsprechend am besten eingesetzt werden kann.

Profigruppe Kartoffelbau

Die Profigruppe Kartoffelbau wird vom Strickhof geleitet. Sie besteht seit gut 15 Jahren. Sie setzt sich aus rund 100 Kartoffelproduzenten und Kartoffelprofis von vor- und nachgelagerten Unternehmen zusammen. Information, Austausch und Diskussion zu aktuellen Herausforderungen der Kartoffelproduktion sind die Ziele. Nebst Versuchsbesichtigungen finden Tagungen statt. Über Aktivitäten der Profigruppe wird in der Regel direkt per Mailanschrift informiert. Falls Sie sich für eine Teilnahme interessieren, nehmen sie Kontakt auf mit uns über