Pflanzenschutz aktuell Feldbau 26. Juni

27.06.2019

korrigierte Version vom 1.7.2019:

Cercospora-Kontrollen

Erste Cercospora-Blattflecken in Zuckerrüben gefunden und der Hitzestress beschleunigt Alternaria in Kartoffeln


Zuckerrüben

Erste Cercospora-Blattflecken 2019 entdeckt
Der Pilz Cercospora überwintert auf altem Rübenlaub in letztjährigen Feldern. Im Frühsommer müssen sich auf diesen Blättern zuerst wieder Sporen bilden. Erste Infektionen erfolgen ab 25°C meist aber erst nach einigen heissen Tagen. Mindestens in der Nacht muss sich ein kräftiger Tau bilden können. Früher und über die Saison starker Befall tritt eher auf, je mehr der folgenden Punkte erfüllt sind:

  • Fluss-, Bach- oder Seelagen
  • tiefe Lagen
  • viel Zuckerrüben in der Region
  • angrenzend an letztjähriges Feld
  • angrenzend an letztjährigen Rübenhaufen
  • nahes letztjähriges, nicht gepflügtes Feld

Auf einer solchen Risikoparzelle angrenzend an ein letztjähriges Feld mit Rübenhaufen, haben wir in dieser Woche am Rand allererste Cercospora-Blattflecken gefunden. Unter dem Mikroskop wurde das Vorhandensein von Sporen in den Flecken bestätigt.

Feldkontrollen in Zuckerrüben
Besonders wenn bei Ihrem Feld viele der genannten Punkte erfüllt sind, sollte das Feld schnell kontrolliert werden. Dabei sollten Sie die folgenden Fleckenarten unterscheiden können:

  • Bakterielle Flecken: unförmiger, schwarzer, nicht rötlicher Rand, oft entlang von Blattadern oder am Rand
  • Ramularia (Pilz): In der Anfangsphase von Auge fast nicht von Cercospora zu unterscheiden, mehr hellbrauner Rand, nicht rötlich. Die Flecken werden aber schnell grösser als Cercosporaflecken.
  • Cercospora (Pilz): kleine (2-3mm), gleichmässige, graue Flecken mit dunkelbraun-rötlichem, scharfem Rand

Ramulariaflecken treten früher bei tieferen Temperaturen auf. Um sicher zu sein, dass es sich um Cercospora-Blattflecken handelt, untersuchen wir die ersten Verdachtsproben im Jahr unter dem Mikroskop. Viele Sporen entwickeln sich erst, wenn die verdächtigen Blattproben eine Nacht in einem feuchten Plastiksack gelagert werden. Ramularia hat kurze, Gipfeli-förmige Sporen. Cercosporasporen sind dünn und lang wie Nadeln und oft geknickt oder gebogen.

Rufen Sie uns an, falls Sie wünschen, dass wir ihre verdächtigen Blätter unter dem Mikroskop anschauen. Gleichzeitig mit der Cerco-Kontrolle können Wildrüben (Schosser) entfernt werden.

Keine vorbeugende Fungizidbehandlung
Der Einsatz eines Fungizides darf nur nach festgestelltem Befall erfolgen. Denken Sie bei der Mittelwahl unbedingt an die Antiresistenzstrategie (Mittelheft Seite: 109). Besonders in Befallslagen, wo in der Vergangenheit viel behandelt werden musste, haben Strobilurine ihre Wirkung weitgehend verloren. Das gewählte Mittel muss also kein Strobilurin enthalten. Triazolwirkstoffe haben je nach Einsatzdauer und -häufigkeit an Wirkung eingebüsst. Cyproconazol und Difenoconazol sind schon länger in Gebrauch, Epoxiconazol und Prothioconazol weniger lang. Um eine möglichst gute Wirkung zu erzielen, muss der Triazol-Wirkstoff abgewechselt werden. Die Wirkung der Mittel stammt hauptsächlich vom Triazol. Wählen Sie deshalb keine Fungizide mit reduzierter Triazolmenge (Opera). Die Zuckerrüben sollten behandelt werden, bevor sie wegen Hitze und Wassermangel am Boden liegen. Welke Pflanzen transportieren den systemischen Wirkstoff (Triazol) schlecht. Eine allfällige Behandlung soll in solchen Feldern in die frühen Morgenstunden verschoben werden. Es darf aber auch nicht so feucht sein, dass das Fungizid abläuft. Durch Reduktion der Wassermenge unter 300l (normal eher 400l) kann das Ablaufen reduziert werden. Grundsätzlich sollte es nicht über 25°C sein und die Luftfeuchtigkeit nicht unter 60% liegen.

Der Zusatz von 2l Funguran Flow erhöht die Wirkung und hilft die Resistenzbildung zu bremsen. Zum jetzigen Zeitpunkt könnte die Wirkung von Kupfer besser sein als im letzten Jahr, da das Blattwerk im Moment stärker entwickelt ist. Solange kein Regen fällt, wird der Kupferbelag nicht abgewaschen und nicht wie Triazole innert 2-3 Wochen abgebaut.

 

Das Mittel Allegro war in der 1. Version fälschlicherweise aufgeführt. Eine um 50% reduzierte Menge Triazol hat nur das Produkt Opera, das auch aufgeführt war. Allegro liegt im Gehalt wie die anderen Mittel, nahezu bei 100 g/ha.

Mittel Triazol Aufwandmenge g Wirkstoff je ha Weiterer Wirkstoff
Opal Epoxiconazol 1 l 100 g Azoxystrobin
Opus Top Epoxiconazol 1.2 l 101 g Fenpropimorph
Ombral Epoxiconazol 0.75 l 94 g -
Allegro Epoxiconazol 0.75 l 94 g Kresoxym-methyl
Opera Epoxiconazol 1 l 50 g Pyraclostrobin

 

Die Borversorgung sicherstellen

Bei trockener Witterung ist der Transport in der Pflanze schlecht. Bis jetzt war dies nicht der Fall. Wenn es nun trocken wird, macht es Sinn auf schwach versorgten Standorten (hoher pH, wenig Hofdünger) bald eine Borblattdüngung vorzunehmen, falls dies noch nicht geschehen ist. Falls das Fungizid auch bald ausgebracht werden muss, können Borblattdünger mit dem Fungizid kombiniert werden.

Kartoffeln

Alternaria
Alternaria tritt vor allem dann auf, wenn die Bestände gestresst sind. Dies ist im Moment mit den sehr hohen Temperaturen der Fall. Sollten Sie erste kreisrunde Flecken, die kreisförmig angeordnet sind, finden, lohnt es sich einen Alternariaspezialisten ins Spritzprogramm aufzunehmen. Hierbei ist wichtig zu erwähnen, dass neben diesen Spezialisten auch Mancozeb-Spritzfolgen eine vergleichbar gute Wirkung zeigen. Ein regelmässiger Blattdüngereinsatz (Mehrnährstoffdünger mit Mg, S, B, Mn) kann gerade im anhaltend trockenen Wetter die Befallsentwicklung zusätzlich bremsen. Ohne Bewässerung ist der Stress für die Pflanzen aber sehr hoch und keine der genannten Massnahmen kann eine Befallsentwicklung langfristig bremsen.

Krautfäule
Die Krautfäule hat den Kanton mittlerweile flächendeckend erfasst. Aus diesem Grund ist es wichtig, ein Fungizid mit Knollenschutz einzusetzen (Seite 18 & 19 im Pflanzenschutzmittel im Feldbau). Dadurch kann eine Infektion und somit eine Weiterverbreitung über die Knollen verhindert werden.

Blattläuse
Nach wie vor ist der Blattlausdruck gering. Die heissen Temperaturen reduzieren den Befall zwar nicht, die Blattläuse werden sich aber auch nicht weitervermehren. Haben die Blattläuse bis jetzt keine Gefahr dargestellt, wird dies im Moment noch so bleiben.

Kartoffelkäfer
Vereinzelt hat es nun nach dem Audienz Einsatz wieder kleine Larven. Bei erneut erreichter Bekämpfungsschwelle könnte ein 2. Mal Audienz eingesetzt werden. Oder aber mit einer Sonderbewilligung Coragen, Biscaya, Gazelle SG oder Oryx Pro.

Vorerntekontrollen

In den Vorerntekontrollen soll die Sorte sowie die Wirkung der eingesetzten Pflanzenschutzmittel überprüft werden. Ungenügende Auswirkungen sollen unbedingt im Feldkalender notiert werden, so dass im nächsten Jahr auf diese Notizen zurückgegriffen werden kann.

Sollten auch Sie Mais oder Kartoffeln anbauen, achten Sie in diesem Jahr darauf, ob es Saatschnellkäfer (Adulter Drahtwurm) in Ihren Getreidebeständen hat. Treffen Sie vermehrt auf diese Tierchen, kann es in der Folgekultur zu grösseren Drahtwurmproblemen kommen.

Die einzige Möglichkeit, die Sie zur Bekämpfung der Drahtwürmer ab 2020 noch haben (im Mais wurde ab 2014 die Beizung verboten) ist eine intensive Stoppelbearbeitung im Getreide. Dabei wird optimalerweise eine Scheibenegge, ein Flachgrubber (gerade, wenn Sie viele Wurzelunkräuter haben, ist hier eine kombinierte Bekämpfung möglich) oder im Notfall auch eine Federzinkenegge (mischt den Boden z.T. nicht so gut durcheinander) bei heissen und trockenen Bedingungen mehrmals eingesetzt. So können die Eier und auch kleine Larven getötet werden.

Die Bewilligungen des Wirkstoffs Chlorpyriphos (inkl. –ethyl und –methyl) werden, wie aus der Medienmitteilung von Greenpeace vom 12. Juni 2019 hervorgeht widerrufen. Bis heute steht noch nicht fest, welche Ausverkaufs- bzw. Aufbrauchfristen bei den verschiedenen Produkten gelten werden. Dies gilt beispielsweise für Rimi, Cortilan, Blocade ebenso wie für Pyrinex, Reldan 22 und Ephosin.

Autoren: Markus Hochstrasser, Georg Feichtinger & Fiona Cimei



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