Zuckerrüben Mitteilung KW 25

20.06.2019

Volle Fahrt in den Rübensommer

Vielerorts decken nun die Rüben den Boden ab. Dies geschah etwas später als vor einem Jahr. – Damit die Rübenblätter möglichst ihre volle Assimilationsleistung erbringen können, sollten Sie sich nun vorab schon mal intensiv mit der Blattgesundheit auseinandersetzen.

Rüben ohne Herz
Auf betroffenen Feldern wo nicht sekundärer Phytotox durch Herbizide oder Bodensäure aufgetreten sind, scheinen die herzlosen Rüben, die aber inzwischen vielfache Wiederaustriebe aufweisen, sich weiter zu entwickeln (vgl. Bild ZR2). Ob daraus gewichtige Rüben werden, kann noch nicht beurteilt werden. Die Ursache scheint nach wie vor vielschichtig und unklar. Zudem scheinen wir, mit Ausnahme der Belgier, die einzigen in Europa zu sein, die diese Anomalie auf den Feldern finden.

Blattläuse
Auf den meisten Rübenfeldern konnten in diesem Jahr viele Blattläuse gefunden werden. Meistens gelang es aber den schon früh erschienenen, zahlreichen Nützlingen oder dann aber den Entomophthora-Pilzen eine Blattlausepidemie zu verhindern. Nur in einigen wenigen Fällen musste das nützlingsschonende Pirimor eingesetzt werden.

Bor
Bormangel ist bei uns selten auf einen effektiven Mangel im Boden zurückzuführen. Die Herz- und Trockenfäule, wie der Bormangel auch genannt wird, ist ab und zu im Sommer aber ungenügend verfügbar. Gründe können sein: Festlegung durch hohen Boden-pH, respektive erhöhtes Risiko nach einer Kalkung in den letzten Jahren. Umbruch einer älteren Wiese, oder Sommertrockenheit. Insbesondere in diesen Fällen ist eine Borspritzung (0.5-1 kg/ha Reinbor) übers Blatt bei Reihenschluss empfehlenswert. Eine Düngung über den Boden genügt in diesen Fällen oft nicht.

Schosser – Unkrautrüben
Schosserrüben habe ich bis jetzt noch keine gesehen, diese werden aber bald erscheinen, denn Unkrautrüben – diese stehen auch zwischen den Reihen – können bereits gesichtet werden. Schosserrüben, insbesondere jene der Sorte SMART BELAMIA müssen zwingend ausgerissen, geknickt und auf das Blätterdach der Rüben abgelegt werden. Erfolgt diese Arbeit erst nach dem Blühen, müssen die Schosser mit grösserem Aufwand aus dem Bestand getragen werden. – Beachten Sie, dass allenfalls abgesamte SMART BELAMIA-Rüben mit «normalen» Herbiziden in der Fruchtfolge kaum mehr eliminiert werden können!!

Fruchtfolge
Beachten Sie, dass möglicherweise ab nächstem Jahr der Wirkstoff «Chlorpyriphos» nicht mehr zur Verfügung steht! – Sie sind also gut beraten, wenn Sie ihre Fruchtfolge so planen, dass direkt vor Rüben keine Futtergräser zu stehen kommen. Denn diese Pflanzen ziehen die Erdschnaken, die selber keinen Schaden machen, fast magisch zur Eiablage an. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine mehrjährige Wiese oder ein einjähriges Herbstfutter handelt. So oder so könnten die schädlichen Larven im nächsten Frühjahr nicht mehr mit Ködern wie: Blocade, Cortilan oder Rimi bekämpft werden.

Blattgesundheit
Bis anhin konnten wir in der Schweiz noch keine Cercospora-Blattflecken ausmachen. Wohl finden wir auf vielen Feldern Flecken, die ähnlich aussehen. Bisher handelte es sich aber vorwiegend um bakterielle Blattflecken, die weder bekämpft werden können noch müssen. Diese Flecken treten oft bereits 2-3 Tage nach Hagel oder Starkregen auf. Anhand der Witterung, lange Zeit deutlich zu kühle Nächte, erwarte ich, dass die Cercospora später auftritt als vor einem Jahr. Kontrollieren Sie ihre Felder primär auf der Seite wo 2018 allenfalls Rüben standen – beachten Sie auch die Windrichtung.

Wir raten von blinden Behandlungen ab, denn diese führen oft nur zu einer vermeintlichen Sicherheit. Da die Fungizide in den Rüben-Hauptanbaugebieten schwächeln, ist es dort besonders wichtig nach dem Auftreten der ersten, echten Flecken die erste Behandlung umgehend durchzuführen. Je nach Folgewitterung, Lage, Sorte und Rübendichte sollte die zweite Applikation 2-4 Wochen später mit einem anderen Wirkstoff erfolgen. Danach kann eine allenfalls weitere Spritzung etwas hinausgezögert werden.

Je mehr Probleme Sie in den letzten Jahren mit der Blattgesundheit hatten, desto mehr müssen Sie folgendes beachten:

  • Vielerorts sind alle Strobilurine resistent gegenüber Cercospora und bringen somit keine Wirkung mehr.
  • Die Wirkung ist primär von der Wirkstoffmenge der Triazole abhängig. Cyproconazol, als ältester Wirkstoff, ist klar am schwächsten, Epoxy- und Prothioconazol am besten.
  • Die Zusätze Fenpropidin und Fenpropimorph können einen Vorteil bringen.
  • Bei jeder Behandlung soll 1.5-2 kg/ha Funguran flow beigemischt werden.
  • Bei jeder Durchfahrt soll ein anderes Triazol zum Einsatz kommen.
  • Bei hoher Luftfeuchtigkeit spritzen; die Blätter dürfen aber nur feucht und nicht nass sein.
  • Die Wassermenge soll mindestens 300 l/ha betragen.


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Andreas Bertschi

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