Krautfäule feldspezifisch bekämpfen

12.06.2019

Der ersehnte Niederschlag von Montag und Dienstag freut den Kartoffelproduzenten nicht nur. Die Feuchtigkeit, gepaart mit Temperaturen um die 20 Grad, fördert die Verbreitung der Krautfäule. Zahlreiche Befallsmeldungen aus den Regionen Wein- und Unterland bestätigen, dass in allen Beständen höchste Aufmerksamkeit und eine angepasste Bekämpfung notwendig ist. Verbreitet vorhandene Durchwuchskartoffeln in übrigen Feldkulturen machen die Situation zusätzlich herausfordernd.

Krautfäuledruck überall hoch
Die Anbausaison 2016 hat uns vor Augen geführt, was die Kraut- und Knollenfäule anrichten kann bzw. wie aggressiv dieser Pilz ist. Hat der Pilz einmal Fuss gefasst in einem Kartoffelbestand, braucht es noch mehr Augenmerk auf die passende Wirkstoffwahl und den korrekten Bekämpfungsintervall. Nichtsdestotrotz gilt es nicht zu überreagieren und «zu spritzen was das Zeug hält». Wie immer gilt es situationsangepasst, nach guter fachlicher Praxis zu handeln.

Die wichtigsten Faktoren in der korrekten Bekämpfung resp. Vorbeugung einer Krautfäuleinfektion sind Zeitpunkt der ersten Behandlung, Wirkstoffwahl und Behandlungsintervall.
Bezüglich Zeitpunkt der ersten Behandlung wurden dieses Jahr viele Produzenten überrascht. Insbesondere diejenigen mit Pflanzzeitpunkt ab zweiter Aprilhälfte. Zwischen dem 20. und 30. Mai wurden mehrere Primärherde in verschiedenen Sorten/Feldern im Zürcher Weinland entdeckt. Die ersten Ausgangsherde für Krautfäuleinfektionen stammen praktisch immer aus Frühkartoffelfeldern. Man bezeichnet diese als Primärherde. Sie haben ihren Ursprung in versteckt (latent) infizierten Pflanzknollen. Im Gegensatz zu Pflanzkartoffeln liegen Ausfallkartoffeln den ganzen Winter unter feuchten Bedingungen im Boden. Mit Krautfäule infizierte Ausfallkartoffeln verfaulen praktisch immer direkt im Boden und wachsen im Frühjahr gar nicht mehr hoch. Kartoffeldurchwuchs wird jedoch mit Krautfäule befallen (Sekundärbefall). Befallene Stauden streuen die Krautfäulesporen weiter.

Ursachen für diesjährigen Ausgangsbefall?
Die Pflanzkartoffel-Produktionssaison 2018 stand eigentlich unter besten Voraussetzungen bezüglich Krautfäule. Die trockene und heisse Witterung im Frühjahr 2018 liess kaum Krautfäule aufkommen, geschweige denn auf die Pflanzknollen übertragen.

Was hat nun dieses Jahr zu einer solch verbreiteten Befallssituation geführt? Über die tatsächlichen Ursachen kann rückblickend nur spekuliert werden. Trotz aller Qualitätssicherungsmassnahmen in der Pflanzkartoffelproduktion gibt es immer vereinzelte, versteckt (latent) infizierte Pflanzkartoffeln. Von solchen Einzelknollen ausgehend infiziert der Krautfäulepilz die jungen Kartoffelstängel im Boden und wächst nach oben. Daraus entsteht ein sogenannter Primär-Infektionsherd (Primärherd), der im betreffenden Feld Sporen streut. Fallweise werden die Sporen dann von einem solchen Feld mit Wind, in einem relativ weiten Umkreis (20-40 km) in umliegende Kartoffelfelder getragen. Temperatur und Feuchtigkeit in der zweiten Maihälfte dieses Jahres waren extrem förderlich für die Verbreitung der Krautfäule. Bei optimalen Bedingungen kann sich der Krautfäulepilz innert 7 Tagen reproduzieren. Wird in dieser Phase ein Primärherd nicht sofort bemerkt und eine angepasste Abstop-Bekämpfungsstrategie gefahren, kann sich eine Infektion explosionsartig ausbreiten.

Krautfäulebefall abstoppen
Ein Primärherd ist erkennbar an einer kreisrunden Befallsstelle im Feld. Ein Befall mit typischer Verfärbung des Blattes, inkl. weissem Pilzrasen auf Blattunterseite bedeutet, dass die Krautfäule bereits kräftig sporuliert. D.h. der gesamte Bestand sowie auch ein Umkreis von 10 km Luftlinie ist stark gefährdet.

Ein Primärherd mit sichtbarem Blatt- oder Stängelbefall soll mittels Kombination von Diquat (Reglone) und sporenabtötendem Kontaktfungizid vernichtet werden. Kleine Herde können ausgerissen und via Kehricht entsorgt werden.

Der umliegende Bestand und auch Bestände in denen eingeflogene Krautfäule vorhanden ist (Streubefall), wird mittels «Stoppspritzung» aus Mischung von sporenabtötendem und kurativem (rückwirkendem) Wirkstoff behandelt. Der Einsatz der systemisch wirkenden Phenylamide ist in dieser Situation nicht zulässig. Die Gefahr einer Fungizidresistenz-Entwicklung in sporulierenden Beständen ist hoch.

Drei Tage später ist dieselbe Behandlung zu wiederholen. Anschliessend kann die Krautfäulebekämpfung in einen ordentlichen Rhythmus weitergeführt werden.

Bestände auf Krautfäulebefall absuchen!
In der aktuellen Befallssituation ist es für den Bekämpfungserfolg zentral, die Kartoffelfelder auf einen allfälligen Befall zu kontrollieren, unabhängig des Stadiums. Dabei kann auch gleich die Kartoffelkäfer- und Blattlaussituation beurteilt werden. Krautfäule-Streubefall nistet sich auf den obersten Blättern oder auf den Stängeln der jüngsten Blattetagen ein. Bleibt eine Infektion in einem Feld unerkannt und es wird nicht die dazugehörige «Stoppspritzung» mit sporenabtötendem Wirkstoff durchgeführt, können die Sporen weiter infizieren, auf ungeschütztem Neuzuwachs oder Stellen mit Spritzschatten. Schlussendlich geht es bei einer «Stoppspritzung» nicht nur um Verhinderung der Krautfäuleverbreitung auf dem Kraut sondern auch um die Verhinderung einer Knolleninfektion.

Beim aktuell enorm hohen Befallsdruck in den Regionen Unterland/Weinland muss in jedem dortigen Kartoffelfeld mit Krautfäulebefall gerechnet werden. Bleibt ein solcher unerkannt und es fehlt an einer angepassten Wirkstoffwahl und Spritzfolge, kann die Krautfäule nicht im Schach gehalten werden.
Kontrollieren Sie Felder mit beobachtetem Befall auch 1-2 Tage nach erfolgter «Stoppspritzung» um den Erfolg der Behandlung zu kontrollieren. Bei Bekämpfungserfolg verschwindet der weisse Pilzrasen bei Befallsstellen nach ca. 2 Tagen.

Angepasster Behandlungsintervall
Je nach Witterung und Wirkstoffwahl soll der passende Abstand zwischen zwei Krautfäulebehandlungen in den kommenden Tagen/Wochen flexibel gestaltet werden. Das mittlere Behandlungsintervall liegt bei 7-10 Tagen. Für eine Verlängerung des Intervalls um maximal 4 Tage sprechen mässiges Krautwachstum (i.d.R. ab Juli), wenig anfällige Sorte, befallsfreies Feld, wenig Niederschlag und trockene Witterung sowie Einsatz von Wirkstoffen mit guter Wirkungsdauer und Regenfestigkeit. Für eine Verkürzung des Intervalls auf 5 Tage sprechen anfällige Sorten, Befall im Feld, hohe Infektionsbedingungen (feuchtwarm), hohes Krautwachstum und der alleinige Einsatz von Kontaktwirkstoffen.

Als nächstes die Käfer und Läuse
Kartoffelkäfer sind in vielen Feldern eingewandert und haben Eier gelegt. Der Käferdruck ist erfahrungsgemäss lokal sehr unterschiedlich. Ab 1 Befallsherd (Eigelege auf Blattunterseite oder Larven) oder 30% der Pflanzen mit Befall macht gemäss öLN eine Bekämpfung Sinn. Ohne Sonderbewilligung können Audienz oder Novodor eingesetzt werden. Bei Novodor, das Bazillus thuringiensis Präparat, ist ein früher Einsatz auf die kleinsten Larvenstadien (bis 0.5 cm) unabdingbar für eine ausreichende Wirkung.

Der Druck an geflügelten Blattläusen ist dieses Jahr überdurchschnittlich hoch. Bis sich daraus für Speise- und Verarbeitungskartoffeln relevante Kolonien gebildet haben, wird es in der Regel zweite Junihälfte. Treten nebst Kartoffelkäfer, Blattläuse über der Bekämpfungsschwelle (1 Laus je Blatt bzw. 10 Läuse je Fiederblatt/Blattzweig) auf, kann eine kombinierte Bekämpfung ins Auge gefasst werden. Generell bedarf der Einsatz von nicht selektiven Wirkstoffen (z.B. Biscaya oder Gazelle SG) gegen Blattläuse und Kartoffelkäfer einer Sonderbewilligung durch die Fachstelle Pflanzenschutz.


«Alternaria solani»

Im Gegensatz zur Krautfäule ist Alternaria solani ein Schwächeparasit der gegen Ende des Krautwachstums sichtbar wird. Trockenheit und Hitze beschleunigen dessen Entwicklung. Die Bedeutung von Alternaria ist weit geringer als bei der Krautfäule. Alternaria kann zu Minderertrag führen, jedoch nicht zu mengenmässig oder qualitativ einschneidenden Ausfällen. Relevant betroffen sind praktisch nur spätere Sorten mit längerer Wachstumszeit. Trotzdem muss auch Alternaria präventiv behandelt werden. Bei anfälligen Sorten ist über die gesamte  Krautfäulebehandlungsperiode mit zweiwöchigem Abstand ein Wirkstoff mit guter Alternariawirkung einzusetzen.