Die Zukunft auf vier Beinen

28.05.2019

«Bühne frei für Anymal!» Der Roboter auf vier Beinen verlässt zum Gaudi der Zuschauer zielstrebig seinen Ruheplatz im Kälberiglu und schreitet zu allen auf der Wiese stehenden Blumentöpfe, hebt sein Bein und giesst sie mit einem Strahl Wasser. Eine für das Aufspüren von Unkraut umgebaute Drohne registrierte zuvor die zu giessenden Blumentöpfe und stellte die Daten Anymal zur Verfügung. Anymal, der künftig auch in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt werden kann, und viele weitere Hightech- und digitale Attraktionen waren am AgriTech Day zu erleben und zu bestaunen. Dabei waren die Führungen, Demonstrationen und Ausstellungen für Fachpersonen wie Laien gleichermassen interessant, informativ und verständlich aufbereitet. Es war klar ersichtlich, in welche Richtung sich die Landwirtschaft entwickelt und inwiefern diese neuen Technologien dazu beitragen, die landwirtschaftliche Produktion effizienter und ressourcenschonender zu gestalten, den Züchtungsfortschritt zu beschleunigen und die Emissionen zu reduzieren.

Digital auf dem Feld

Während die ETH Zürich in erster Linie Forschungsprojekte vorstellte, nutzte der Strickhof die Plattform, um digitale Techniken im praktischen Einsatz auf dem Feld vorzuführen. So wurde aufgezeigt, wie eine Spritze mit Sektorenschaltung zuverlässig abschaltet, sobald ein bereits applizierter Bereich befahren wird. Der Traktor mit Lenksystem zeigte auf, wie er selbstständig einen vorgegebenen Punkt anvisieren kann und dabei noch einen Geschicklichkeitsauftrag erfüllen kann. Der Hackroboter demonstrierte im Salatfeld autonome Unkrautbekämpfung, wie es in Frankreich bereits der Fall ist. Sollten die Roboter eines Tages zwischen den Pflanzen hacken können, dürfte dieses Gerät für die Schweiz, insbesondere für den Gemüsebau, interessant werden.

Im Gespräch mit Forschern

Im Forum gaben Professorinnen oder Professoren der ETH Zürich kurze Inputs zu einem Forschungsthema. Beispielsweise stellte Nina Buchmann ein Forschungsprojekt zum Klimawandel vor, wobei Konzentrationen von Kohlenstoff und weiteren Emissionen an sechs verschiedenen Standorten in der Schweiz seit 20 Jahren gemessen werden. Damit will man herausfinden, welchen Anteil die Landwirtschaft am Klimawandel hat, wie sich dieser auf unsere Systeme auswirkt und wie diese Emissionen reduziert werden können. Anschliessend konnte mit den Forschungsteams über die Versuche diskutiert und Fragen gestellt werden.

Pflanzen beim Wachsen zusehen

Blickfang am Strickhof Lindau sind die hohen Masten gleich neben den Gewächshäusern der ETH. Bei einer Führung wurde der an Seilen befestigte Sensorkopf mit Kamera vorgestellt. Mit dieser Feld-Phänotypisierungs-Plattform FIP werden die Pflanzen beim Wachsen beobachtet und damit unter anderem Zuchtexperimente durchgeführt und Techniken zur effizienteren Züchtung entwickelt.

Podium zum Schluss

Letzter Programmpunkt des «AgriTech Day» war eine Podiumsdiskussion. Strickhof-Direktor Ueli Voegeli sagte, die Digitalisierung könne den Landwirtinnen und Landwirten helfen, auf Basis von Daten bessere Entscheidungen zu treffen.

Die Berner Landwirtin Rosmarie Fischer-von Weissenfluh sieht in der Digitalisierung grosse Chancen. Vor zwei Jahren hat sie beim Neubau des Stalls voll auf Automatisierung gesetzt und in einen Melk-, Fütterungs- und Entmistungsroboter investiert. "Heute benötigen wir weniger Muskeln, dafür arbeiten wir mehr mit dem Kopf", erklärte Rosmarie Fischer-von Weissenfluh.

Die Digitalisierung könne zu neuen Geschäftsideen führen und damit Bauernbetrieben neue Perspektiven eröffnen, sagte Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft. Und ETH-Professor Achim Walter betonte, dass Landwirte künftig etwas mehr zu Informatikern werden müssten.

Ursina Berger/Michael Wahl



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