Verhaltener Start ins Kartoffeljahr

23.05.2019

Die kühlen Maiwochen inklusive zwei Frostnächte haben die Entwicklung der Kartoffelbestände gebremst. Im Gegensatz zum heutigen Kalendertag vor einem Jahr sind die Kartoffelkäfer noch nicht aktiv. Der Blattlausdruck ist unter dem mehrjährigen Durchschnitt. Erste Krautfäulefälle in Frühkartoffeln sind hingegen bekannt.

Wiederum konnten Ende März bis Mitte April das Gros der Kartoffeln in gut abgetrocknete Böden gepflanzt werden. Aufgrund der kühlen, zeitweise stagnierenden Bodentemperaturen benötigten die Bestände rund 4 Wochen zwischen Pflanzung und Feldaufgang.

Geringe Frostschäden
In den Nächten vom 6. und 7. Mai fiel das Thermometer während einiger Stunden leicht unter den Gefrierpunkt. Kartoffeln sind nicht frosttolerant. An den meisten Orten im Kanton beschränkte sich der Frost - im Gegensatz zum westlichen Mittelland - auf -0.5 bis -1 Grad Celsius, je nach Lage der Parzellen war dieser Frost länger oder kürzer. Frühkartoffelfelder waren noch abgedeckt oder mussten wiederum gedeckt werden. Abgesehen von einigen Schäden im Bereich von ungedeckten Stellen blieben Frühkartoffeln erwartungsgemäss unversehrt. Bereits Ende März gepflanzte, sich dadurch bereits in der Blattentwicklung befindliche Bestände, erlitten leichte Schäden. Abgesehen von einem leichten Wachstumsrückstand dürften diese Frostschäden ohne nennenswerte Folge sein. 
Durch die Kälte hat sich die Empfindlichkeit der Kartoffeln auf Metribuzin erhöht. Die typischen gelben Aufhellungen der Blattrosetten traten die letzten Wochen in bereits mit Herbizid behandelten Feldern, auch in weniger empfindlichen Sorten auf. Die Symptome wachsen sich in der Regel schadlos aus.

Beginn Krautfäulebekämpfung sachlich abwägen
In allen weit entwickelten Frühkartoffelbeständen ist der Erhalt eines lückenlosen Fungizidschutzes nun in vollem Gange. Der Spritzintervall ist der feuchten Witterung entsprechend kürzer zu halten. Bei den übrigen, aufgelaufenen Beständen ist der Entscheid über den Start des Krautfäuleschutzes von der regionalen Befallssituation und vom Stadium abhängig. Bis Gestern, 23. Mai wurden auf der Prognosesystem-Plattform www.phytopre.ch mehrere Krautfäule-Primärherde aus den Regionen Schlatt TG und Trüllikon ZH gemeldet. Im dortigen Umkreis (10 km Radius Luftlinie) empfiehlt es sich, die Kartoffelpflanzen ungeachtet des Entwicklungsstadiums und der Sortenanfälligkeit vor Krautfäule zu schützen. Als Erstbehandlung soll ein Wirkstoff mit guter kurativer Wirkung eingesetzt werden. In unmittelbarem Umfeld (ca. 5km Radius) empfiehlt sich zudem die Beimischung eines sporenabtötenden Wirkstoffes da unbemerkte Infektionen nicht ganz auszuschliessen sind. Das Frühjahr 2016 hat gezeigt, dass der richtige Behandlungszeitpunkt und die situationsgerechte Wirkstoffwahl matchentscheidend waren.
Ausserhalb einer Region mit vorhandenem Befall richtet sich der Bekämpfungsbeginn nach Kulturstadium. Bei anfälligen bis mittelanfälligen Sorten kann mit einer Behandlung bis Stadium Reihenschluss, bei wenig anfälligen Sorten 1-2 Wochen später zugewartet werden.

Ausfallkartoffeln jetzt bekämpfen wo möglich
Es ist nicht erstaunlich, dass aufgrund des relativ milden Winters wiederum an verschiedenen Orten Durchwuchs von Ausfallkartoffeln zu sehen ist. Solche unerwünschten Kartoffeln am falschen Ort sind vor allem problematisch indem sie Kartoffel-Fruchtfolgekrankheiten überdauern lassen und potentielle Quellen von Krautfäule sind. Grundsätzlich kann solcher Durchwuchs in keiner Kultur der Fruchtfolge befriedigend bekämpft werden. Einzig in Kunstwiese hungert er durch regelmässigen Schnitt des Krautes aus. In Wintergetreide weist der Wirkstoff Fluroxypyr eine Teilwirkung gegen Kartoffelkraut auf. Doch sind im Zeitpunkt der Behandlung des Getreides (ohne Spritzschatten) die Kartoffeln noch nicht aufgelaufen. Aktuell sind die Kartoffeln zu tief im Getreidebestand versteckt. Auf erneut ausschlagende Stauden kann nach der Getreideernte eine mechanische oder chemische Stoppelbehandlung ins Auge gefasst werden.

Am ehesten lassen sich durchgewachsene Kartoffeln im Mais bekämpfen. Versuche aus Deutschland haben den Wirkstoffen Mesotrione (Callisto) und Tembotrione (Laudis/Barst) bei normaler Dosierung gute Wirkungen attestiert. In Zuckerrüben und Sonnenblumen ist eine breitflächige selektive chemische Bekämpfung von Kartoffeldurchwuchs nicht möglich.
Letztendlich beginnt die Verhinderung von Kartoffeldurchwuchs im Vermeiden von im Feld zurückbleibenden Knollen bei der Kartoffelernte.  

Bodenfeuchtesonden
In ausgewählten Kartoffelfeldern sind seit Mitte Mai Bodenfeuchtesonden der neusten Generation installiert. Diese Sonden erfassen die parzellenspezifische Niederschlagsmenge (inkl. Bewässerung) und die aktuelle Bodenfeuchte in 10, 20, 30 und 40 cm Bodentiefe. Die Messwerte werden via Mobilfunk, alle 30 Minuten an einen Server gesendet. Von dort aus kann der Bewirtschafter die Werte bequem und unmittelbar via Smartphone abrufen. So kann jeweils der aktuelle, für die Kartoffeln verfügbare Wasservorrat und daraus abgeleitet der optimale Bewässerungszeitpunkt ermittelt werden. Die Bodenfeuchtesonden wurden durch die Berner Fachhochschule in Zollikofen (HAFL) organisiert und durch den Strickhof betreut. Die Daten sind öffentlich einsehbar unter www.bewaesserungsnetz.ch