Obst-Info Zürich Nr. 7 / 2019

02.05.2019

Frostgefahr ab dem Wochenende

Nachdem es letzte Nacht bei uns nur vereinzelt Bodenfrost gab, muss ab Sonntagmorgen bis Dienstag (je nach Prognosemodell auch schon am Samstagmorgen) vielerorts mit Bodenfrost gerechnet werden und eventuell auch mit Luftfrost (auf 2m über Boden)!

Eingelagert in eine Nordwest-strömung macht sich eine Zone mit sehr kalter Polarluft auf den Weg nach Süden. Diese kalte und labil geschichtete Luftmasse erreicht am Samstag die Schweiz. Die Schneefallgrenze sinkt am Samstag auf 700m und Sonntagmorgen bis in die Niederungen. Erst ab Mittwoch sollten die Nachttemperaturen wieder ansteigen. Wetter-prognosen aufmerksam verfolgen, die Situation ist eventuell sogar vergleichbar mit 2017!

Alle blühenden oder abgeblühten Obstkulturen, sowie junge Früchte sollten daher entsprechend geschützt werden.
Beachten: auch in den 2-3 Wochen nach der Blüte ist die Gefahr für Frostschäden noch sehr hoch!

Details zu den Massnahmen entnehmen Sie beiliegendem Merkblatt.

Die Möglichkeiten zur Erhöhung der Temperaturen sollten unbedingt genutzt werden.

geringe Effekte (aber auch geringe Kosten) bringen:

  • möglichst kurzes Mulchen der Fahrgassen (möglichst noch heute)
  • schliessen der Folien in Schutzstellung (aber: Vorsicht bei Schneefall !)
  • Boden feucht halten, v.a. im Tunnel, Einsatz der Unterkronenbewässerung (Sprinkler)

bessere Effekte bieten (verursachen aber auch mehr Kosten):

  • Frostschutzberegnung (Überkronenberegnung)
  • Einsatz Frostbuster, Pellettheizungen oder ähnliche Heizungssysteme
  • Einsatz Paraffinkerzen, auch in Tunneln, aber Russbildung beachten und CO-Gas!
  • Vliesabdeckung (oder/und Folie) bei Erdbeeren oder Herbsthimbeeren, evtl. doppelt

Kombinationen von verschiedenen Massnahmen, wie das Schliessen des Witterungsschutzes in Kombination mit möglichst kurz gemähten Fahrgassen und Feuerungen, Bewässerungen bringen in jedem Fall bessere Effekte als einzelne Massnahmen.

Weitere Massnahmen:

  • Erdbeerbestände nachts abdecken (bei Temperaturen unter -3°C sollten zwei Lagen Vlies verwendet werden), dies auch in Tunnelkulturen! Dabei beachten, dass bei nassem Vlies die Wirkung reduziert ist. Im Tunnel am Vormittag den Boden feucht machen, denn ein feuchter Boden kann besser Wärme speichern und abgeben. Gilt auch bei Stellagenkulturen im Tunnel oder Folienhaus.
  • Stroheinlage bei den Erdbeeren unbedingt auf die Zeit nach der Kältewelle verschieben, da die Luft über dem Stroh viel stärker abkühlt, 2-3 Grad kälter!
  • Hagelnetze und Regenfolien bei angesagtem Schneefall unbedingt einrollen oder wenigstens die Plaketten in der Traufe lösen!

Beachten: 1 cm Schneehöhe auf dem Netz entspricht ca. 10 Tonnen Gewicht auf einen Hektar Fläche!!

  • die Frostgefahr ist bei niedriger Luftfeuchte erhöht, trockene Luft = wenig Energie!
  • Als Faustregel bei mittlerer Luftfeuchte gilt: Temperatur bei Sonnenuntergang minus 8 Grad ergibt die zu erwartende Tiefsttemperatur am nächsten Morgen.
  • Nasse Pflanzenteile können schon bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt Frostschäden erleiden, da sie zusätzlich der Verdunstungskälte ausgesetzt sind.
    Die Feuchttemperatur (Feuchtthermometer) ist letztlich entscheidend.
  • Bei flächigem Einsatz von Paraffinkerzen informieren Sie bitte die lokalen Behörden!

Details zu den Massnahmen (auch Kosten) entnehmen Sie dem Merkblatt.



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