"Biologische Mittel erlaubt"

12.03.2019

An der Podiumsdiskussion zur Trinkwasserinitiative argumentierte die Gegnerseite, dass die Landwirte ihre Emissionen bereits reduziert hätten. Die Befürworter der Initiative sehen sich gezwungen zu handeln, zum Schutz des Wassers und der Natur.

Das Thema Trinkwasserinitiative füllte den Saal an der ETH Zürich bis auf den letzten Platz. Zur Podiumsdiskussion luden ein Team angehender Agrotechniker vom Strickhof unter der Leitung von Christoph Bürge und der Verein der Studierenden der Agrar- und Lebensmittelwissenschaften der ETH Zürich, kurz VIAL. Als Podiumsgäste waren auf der Befürworterseite Franziska Herren (Initiantin), Peter Oester (Ing. Agronom und Ackerbauberater) und Robert Gründel (Bio-Demeter-Landwirt) eingeladen, auf der Gegnerseite standen Martin Haab (Zürcher SVP-Kantonsrat) und Fernand Andrey (IG Bauern Unternehmen). Moderiert wurde die Diskussion von Adrian Krebs, Chefredaktor der Bauernzeitung.

Hilfsstoffe wertvoll

Als wissenschaftlicher Berater fungierte Robert Finger, ETH-Professor, der bei der emotional geladenen Diskussion gekonnt bei einigen hitzig diskutierten Punkten etwas Klarheit bringen konnte. Er sagt: «Die Initiative greife klar auf, dass die Umweltziele als Verfassungsauftrag von der Landwirtschaft nicht erreicht werden.»

Für ihn würden aber Pflanzenschutzmittel und Antibiotika zu einer nachhaltig produzierenden Landwirtschaft gehören. Diese Hilfsstoffe würden eine gute Rolle spielen und diese komplett rauszunehmen halte er für schwierig. Wenn sich die Agrarpolitik aber nicht weiterentwickeln würde, stecke sie irgendwann derart fest, dass die öffentliche Unterstützung nicht mehr vorhanden sei und das System der Direktzahlungen grundlegend hinterfragt werde. «Das kann sehr schnell gehen.» Deshalb müssten die Umweltziele erreicht werden.

Ziele nicht erreicht

Zu Beginn erhielt Franziska Herren die Gelegenheit, ihre Beweggründe für diese Initiative zu erläutern. Während Franziska Herren ihre Argumente lieferte, war es im Saal sehr still. Bei einer Annahme der Initiative sei es den Landwirten weiterhin erlaubt, Pflanzenschutzmittel ohne Synthetik, das heisst Pflanzenschutzmittel der biologischen Produktion, einzusetzen. Ebenso sei es erlaubt, in der Region Futter zuzukaufen und zu verkaufen. Bei jeder fünften Trinkwasserfassung finde man Pestizidrückstände und Abbauprodukte von Pestiziden, die über dem Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter liegen, in Ackerbaugebieten bis zu 70 Prozent über dem Grenzwert. Für die Schweizer Trinkwasserversorgung sei die Situation besorgniserregend. Sie sagt: «Die Schweizer Bevölkerung unterstützt die Landwirtschaft sei 1996 jährlich mit mehreren Milliarden Franken, damit sie nachhaltige und ökologische Lebensmittel produzieren kann. Trotz diesen Zahlungen erreicht die Landwirtschaft ihre Umweltziele nicht.»

Zu hohe Anforderungen

Ob die Schweizer Landwirtschaft nun auf gutem Wege sei, diese Umweltziele zu erreichen oder nicht, darüber waren sich die Podiumsteilnehmer nicht einig. Fernand Andrey von der IG Bauern Unternehmen fand, die Landwirtschaft hätte schon sehr viel erreicht, vor allem bei der Reduktion von Ammoniak-Emissionen, auch die Biodiversität sieht er nicht in Gefahr. Robert Gründel konterte, dass er sich nicht auf Studien stütze, sondern die Natur beobachte und dabei festgestellt hat, dass keine Feldhasen und Feldlerchen mehr da sind.

Zur Frage, warum die Schweizer Landwirte Europameister sind im Antibiotikaverbrauch, begründete Milchspezialist Martin Haab mit den «extrem hohen» Anforderungen an die Milchqualität von Seiten der Milchabnehmer. «Wir greifen zu rasch zu Antibiotika, weil unsere Milchabnehmer eine tiefe Zellzahl verlangen.» Peter Oester schlug vor – als einzig hervorgebrachter Lösungsansatz an diesem Abend – diese Normen mit den Milchabnehmern zu diskutieren. Robert Finger ergänzte, dass bei den Problemen der Landwirtschaft halt auch oft die Rahmenbedingungen nicht optimal für eine umweltschonende oder antibiotikafreie Tierhaltung seien, worüber der einzelne Landwirt keine Schuld trage.

Fortgeschrittene Bauern

Franziska Herren plädierte, aufgrund der bereits stark reduzierten Biodiversität und verschmutzten Gewässern in der Schweiz, sich auf diejenigen Bauern zu konzentrieren, die schon weit fortgeschritten seien und deshalb auf Pflanzenschutzmittel und Antibiotika verzichten können. Das vom Bund zur Verfügung gestellte Geld, sollten die Bauern nutzen, um Lösungen zu erarbeiten, statt es der Industrie wieder abzugeben. Sie wünschte sich Lösungen zu hören, statt gegeneinander zu diskutieren.

Ursina Berger



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