Huusi «CASOJA» 2017

26.04.2017

Zum ersten Mal konnten dieses Jahr die 2. Klässler der Kantonsschule Rychenberg den Hauswirtschafts Kurs besuchen. Bis zu den Sommerferien waren es noch die 4. Klässler, die das Vergnügen hatten. Einige finden die Verschiebung von der 2. zur 4. Klasse besser, andere finden es zu früh, oder sogar unnötig. Ich als Schülerin sehe es eher gelassen. Es ist endlich etwas Abwechslung im Gegensatz zum Schulalltag. Wobei das natürlich nicht heisst, dass man keine Schule hat. Jedoch wird der Unterricht auf eine ganz andere Weise gestaltet – nicht im schlechten Sinne – und das Gelernte wird direkt umgesetzt.
Im Ernährungsunterricht wird unser Essen näher betrachtet und den Schülern wird erklärt, weshalb eine gute und ausgewogene Ernährung wichtig ist. Im textilen Werken lernt man neue Techniken, um zu nähen und man kann seiner Kreativität mehr oder weniger freien Lauf lassen. Auch im technischen Werken hat man viele Möglichkeiten, einen einfachen Zeitungshalter in einen kleinen Tisch zu verwandeln.

Schon vor dem Beginn des Kurses kam einige Male die Frage auf:
„Warum haben wir Huusi?“
Auch mich hat diese Frage interessiert und zum Nachdenken gebracht. Nach gewisser Zeit, nun bereits während dem Hauswirtschaftskurs, vertiefte ich mich in diese Frage. Relativ schnell stellte sich mir dann eine weitaus interessantere Frage: „Wieso haben auch Jung`s Huusi?“
Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. Natürlich geht es um Gleichberechtigung. Und genau dieser Wandel der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, regte mich zum Denken an. Wie hat sich die Gesellschaft verändert? Was sind die Auswirkungen davon? Weshalb hat sich diese geändert?
Diese Fragen möchte ich mir nun versuchen selbst zu beantworten.
Eine normal funktionierende Gesellschaft ändert sich ständig, nicht nur zum Guten, und das Ändern ist sehr wichtig. Wenn man an eine Familie im 19. Jahrhundert denkt, sieht man immer den Mann als Oberhaupt der Familie, die Frau als Hausfrau und Mutter der Kinder. Das heutige Bild sieht etwas anders aus, ich würde beinahe sagen, dass jeder ein anderes Bild im Kopf hat und somit, auch andere Vorstellungen. Auch bei mir zuhause sieht das Bild etwas anders aus, als früher. Jeder hilft im Haushalt mit und meine Eltern gehen beide arbeiten. Natürlich ist jeder Haushalt anders, aber im grossen und ganzen kann man sagen, dass Gleichberechtigung heutzutage eine bedeutendere Rolle spielt. Der vermutlich grösste Einfluss auf die Gleichberechtigung ist der Feminismus. Dieser hat seinen Ursprung schon im 17. Jahrhundert, war aber damals in einer etwas anderen Form anzutreffen. Den Feminismus, den wir heute kennen, entstand als Theorie erstmals im späten 18. Jahrhundert, beziehungsweise im frühen 19. Jahrhundert. Bis heute kämpfen viele Frauen und auch Männer für faire Löhne und eine allgemeine Gleichstellung. Ein wichtiger Schritt dabei war natürlich, dass nun auch Jungen und Männer Hausarbeiten verrichten sollten. Wie meine Mutter mir erzählte, hatte sie, als sie noch zur Schule ging, nur textile Handarbeit und die Jungen bloss technisches Werken. Gerade im letzten Jahrhundert hat sich sehr viel geändert. Nicht zu vergessen sind dabei die Änderungen, die durch den 1. und den 2. Weltkrieg entstanden sind.
Auch das Haus Casoja, das nun als Unterschlupf (Kurszentrum) für die Huusi-Schüler benutzt wird, hat schon eine lange Geschichte hinter sich. Sogar meine Grossmutter durfte bereits hier den Hauswirtschaftskurs besuchen. Das Haus Casoja wurde 1921 von Herrn Leonhard Ragaz gekauft, da dieser das Haus für Volksbildungszwecke nutzen wollte. Zuerst wurden zwei bis drei monatige Haushaltskurse veranstaltet und ab 1923 fanden die ersten Ferienkurse statt. Zum zehnjährigen Jubiläum, wurden während acht Wochen, arbeitslose Mädchen aufgenommen für einen Sonderkurs. Während den Kriegsjahren 1939 bis 1945 stellte sich vermehrt die Frage, ob die Teilnehmer nicht anderweitig benötigt würden. Wegen der schlechten Ernten mussten viele Mädchen auf dem Acker arbeiten, doch man beschloss den Kurs weiter zu führen, um von der eintönigen Arbeit abzulenken.
Doch in den Jahren nach dem Krieg besuchten immer weniger den Kurs, sodass Casoja verkauft werden musste. Casoja wurde jedoch schon bald von einem Zürcher Verein aufgekauft, der die Kurse weiterführte und verschiedenste Lager veranstaltete.
Glücklicherweise konnte das viel zu kleine Haus 1946 durch Spenden ausgebaut werden. So, dass es heute von diversen Kantonsschulen des Kanton Zürich gut genutzt werden kann.

Bericht von: Anna Schenk & Lilo Aebersold, 2iG / Kantonsschule Rychenberg



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