Strickhof Pensionspferde-Tag vom 25. März stiess auf grosses Interesse

26.03.2015

Im Vordergrund des Strickhof-Pensionspferde-Tages standen die Qualität und Quantität unterschiedlicher Raufutter, die es braucht, damit sich ein Pferd gesund und wohl fühlt.

Den Pensionspferde-Tag vom 25. März am Strickhof in Wülflingen eröffnete Dr. Claude Gerwig, Leiter Höhere Berufsbildung. Er zeigte sich über die mehr als 150 eingetroffenen Halterinnen und Halter von Pensionspferden sehr erfreut und sagte in seiner Begrüssung: «Ihr zahlreiches Erscheinen deutet darauf hin, dass wir mit der Wahl des diesjährigen Tagungsthemas 'zufriedene Heubäuche' genau richtig liegen». Durch die Tagung moderierte Bettina Ehrbar vom Fachbereich Tierhaltung.

Was heisst angepasste Fütterung?
Das Einstiegsreferat hielt Annik Gmel vom Agroscope-Nationalgestüt in Avenches. Sie betonte, dass, physiologisch gesehen, das heutige Pferd dem Wildpferd sehr nahe stehe. «Das Kauen und die Futtersuche in Gruppen ist ein Grundbedürfnis des Pferdes», so die Wissenschaftlerin. Auch heutzutage sei die kontinuierliche Aufnahme von kleinen Futtermengen während 12 bis 18 Stunden pro 24-Stunden-Tag, also auch nachts, zu gewährleisten. Wobei zu beachten sei, dass die Steppen der Wildpferde nicht den Weiden unserer Hauspferde entsprächen, insbesondere was den Energiegehalt des aufgenommenen Futters angehe: «Würden unsere Pferde 12 Stunden am Tag auf unseren Weiden grasen, würden sie ihren Energiebedarf um ein Vielfaches decken». Die Pferdehalter überschätzten oft den Leistungsbedarf des Pferdes: Im Erhaltungsstoffwechsel, und dazu zählt auch, wenn das Pferd im Schritt geht, benötige es primär nur Grundfutter. Erst ein Pferd im Leistungsstoffwechsel brauche eine bedarfsgerechte Ration aus Grund- und Ergänzungsfutter. Wobei bedarfsgerecht heisse, dass die Ration aus mindestens 60 Prozent Raufutter bestehen müsse, damit es nicht zu Verdauungsstörungen, Hufrehen, fütterungsbedingten Muskelerkrankungen und schliesslich zu Verhaltensstörungen komme. Zudem müsse das Raufutter Rohfasern in grösseren Mengen enthalten, das heisst einen angemessenen Anteil an «Struktur» als Beschäftigung für das Pferd. Emd und Silage beispielsweise seien sehr schnell gefressen und hätten deshalb einen zu geringen Beschäftigungswert. Das Fazit der Ausführungen von Annik Gmel lautete: «Eine unangepasste Fütterung ist die Hauptursache für den Abgang vieler Pferde».

Schnitt- oder Weidenutzung?
Hanspeter Hug, Pflanzenbauberater bei UFA-Samen, hielt ein Referat zum Thema «Futteranbau für Raufutter». Zuerst ging er auf die Grundsatzfrage «Reinbestand versus Klee-Gras-Bestand» ein. Er betonte, dass ein Mischbestand weniger krank werde. Zudem dürfe durchaus wenig Klee im Pferdeheu enthalten sein – dies führe nicht zu Hufrehen. Zuviel Klee im Futter könne aber zu Verdauungsproblemen oder Durchfall führen. Fütterungsbedingte Hufrehe werde durch Fruktane, ein wasserlösliches und zuckerartiges Raufutter-Kohlenhydrat verursacht und nicht durch im Klee enthaltenes Eiweiss. Der Fruktangehalt im Futter sei vor allem von der Witterung und der Jahreszeit abhängig. Anschliessend appellierte der Spezialist für Futteranbau an die Pferdehalter, sie müssten sich bei jeder Wiese entweder für eine Schnitt- oder eine Weidenutzung entscheiden, denn jede Nutzungsart brauche für ein gutes Gelingen unterschiedliche Gräser. Als Weidegräser eigneten sich insbesondere Wiesenrispe, Englisches Raigras, Wiesenfuchsschwanz und Rotschwingel, da sie Ausläufer und eine Grasnarbe bildeten. Die horst- und «struktur»-bildenden Gräser Knaulgras, Timothe, Wiesenschwingel, Italienisches Raigras und Goldhafer seien für eine Schnittnutzung zur Pferdeheugewinnung gut geeignet und brächten hohe Erträge.

Welche Graskonserven als Pferdefutter?
Die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Konservierungsverfahren zur Produktion von Pferderaufutter stellte Werner Hengartner vor. Von den präsentierten Graskonserven Silage (30-45% TS), Haylage (50 – 70% TS), Feuchtheu (75 – 85% TS) und Heu (belüftet, über 85% TS) taxierte der Strickhof-Pflanzenbaulehrer die Silage als ungeeignet für Pferde, da zu strukturarm. Haylage empfahl Werner Hengartner zur Verfütterung an staubempfindliche Pferde, wobei dann die hohen Anforderungen punkto Luftabschluss mit Folien zu beachten sind. Abschliessend wies der Spezialist für Futterbau darauf hin, dass die Pferdehalter in der Lage sein sollten, die hygienische Qualität von Raufutter einzuschätzen, insbesondere was die Verunreinigung durch Bakterien, Hefen oder Schimmelpilze betreffe. Um diese Fähigkeit zu üben, hatten die Teilnehmenden der Tagung die Möglichkeit, an mehreren Workshops am Nachmittag die Futterkonserven Heu, Haylage und Emd zu beurteilen und zu bewerten. Ein besonderes Augenmerk war dabei auf das Erkennen von Giftpflanzen im Heu sowie von giftigen Sträuchern und Bäumen gerichtet. Nebst Werner Hengartner leiteten mehrere angehende Agrotechniker der Höheren Fachschule des Strickhofs einen der Workshops. Weitere Workshops bestritten Christa Wyss vom Agroscope-Nationalgestüt zum Thema «Tricks und Tipps zur Gewichtsregulierung», Dr. Kerstin Gerstner vom Institut für Tierernährung, Universität Zürich, zum Thema «Verdauungsorgane und deren Inhalt» sowie Markus Boll von der Firma Hypona zur bedarfsgerechten Fütterung mit verschiedenen Rationen für verschiedene Pferde.

Dass das Pferd ein Dickdarmverdauer und nicht auf die Verdauung grosser Mengen an Stärken vorbereitet ist, darüber referierte die Privatdozentin Brigitta Wichert vom Institut für Tierernährung. Sie legte auf sehr anschauliche Weise dar, dass die Futtergrundlage eines Pferdes Raufutter respektive Gras sein muss und Stroh nur in kleineren Mengen geeignet ist. Wie schon andere Referentinnen vor ihr betonte sie nochmals, dass die tägliche Mindestmenge an Heu ein Kilogramm pro 100 Kilogramm Lebendgewicht betragen sollte und ein Pferd, unter Beachtung seiner sportlichen Leistung, idealerweise 12 Stunden pro Tag mit der Futteraufnahme beschäftigt sein sollte. (weid)

Referate

Einführungsreferat: Welchen Wert hat das Raufutter in der Pferdefütterung? Annik Gmel, Nationalgestüt, Agroscope

Futteranbau für Raufutter, Hanspeter Hug, Pflanzenbauberater UFA-Samen

Konservierungsmethoden Raufutter, Werner Hengartner, Strickhof

Raufutter in der Verdauung des Pferdes, PD Dr. med.vet.Brigitta Wichert, Vet. Suisse Fakultät Universität Zürich, Institut für Tierernährung

Raufutterqualität

Giftpflanzenposter

Poster Verdauungsorgane und deren Inhalt

Magen

Dünndarm

 Dickdarm

Tricks und Tipps zur Gewichtsregulierung

Wann ist ein Pferd zu dick?

Müssen Pferde ins Fitnessstudio?

Slow-Feed

 



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