Im Provisorium Stoffwechselzentrum Agrovet-Strickhof wurde der Betrieb aufgenommen

12.11.2013

Anfangs Oktober starteten die Agrovet-Strickhof-Projektpartner den Betrieb des Provisoriums Stoffwechselzentrum in Lindau. Alle drei Partnerinstitutionen, die Universität Zürich, die ETH und der Strickhof, spannen dabei zusammen. Den ersten Versuch führt die ETH mit Kühen der Strickhof Partnerschule Plantahof durch.

«Nach einer Testphase konnten wir anfangs Oktober mit dem Betrieb von zwei Respirationskammern beginnen», erklärt Dr. Carla Soliva. Die promovierte Agrarwissenschaftlerin ist vom Institut für Tierernährung der Vetsuisse-Fakultät, Universität Zürich (UZH), angestellt, um im Provisorium Stoffwechselzentrum (SWZ) Agrovet-Strickhof die Versuche zu koordinieren. Diese können alle drei gleichberechtigten Partner von Agrovet-Strickhof, nämlich die UZH, die ETH und der Strickhof im SWZ durchführen. Was wer wann forscht und dabei die Infrastruktur des SZW nutzt, entscheidet die Geschäftsleitung von Agrovet-Strickhof. Sie setzt sich aus je einem Vertreter des Strickhofs, der ETH und der UZH zusammen. Aktuell sind das Strickhof-Direktor Ueli Voegeli als Vorsitzender der GL-Agrovet-Strickhof, Professor Michael Kreuzer, Fachgebiet Tierernährung am Institut für Agrarwissenschaften der ETH sowie Professor Heiner Bollwein, Direktor der Klinik für Reproduktionsmedizin an der Vetsuisse-Fakultät UZH. Den ersten Versuch im Provisorium SWZ führt Florian Grandl durch, Doktorand bei Professor Kreuzer. Er untersucht darin die Stoffwechselvorgänge von insgesamt 12 Rindern und 30 Kühen, welche der Plantahof, eine Partnerschule des Strickhofs, zur Verfügung stellt.

Genaue Planung der Untersuchungen ist Voraussetzung
«Stoffwechseluntersuchungen dauern meist zwischen sechs Monaten und einem Jahr», erläutert Dr. Carla Soliva weiter. Bevor eine Untersuchung gestartet werde, müsse die Finanzierung gesichert und die Versuchsvereinbarung zwischen der versuchsdurchführenden Institution und dem Ausbildungs- und Versuchsbetriebs des Strickhofs unterzeichnet sein. Auch woher die Tiere für die Respirationskammern stammen, welches die Zeitspanne der Untersuchung ist und woher das Futter kommt, müsse geklärt sein. Dieses allererste Agrovet-Strickhof Forschungsprojekt wird bis Ende Februar 2014 dauern; das Saftfutter und die Einstreu liefert der Strickhof Ausbildungs- und Versuchsbetrieb, das Rau- und Kraftfutter wird vom Plantahof geliefert. Jeweils zwei Kühe befinden sich gleichzeitig während drei Tagen in je einer Respirationskammer und werden dann durch zwei neue Tiere abgelöst – dieser Wechsel erfolgt pro Versuchszyklus drei Mal in Folge. Anschliessend wird von diesen Tieren auf dem Plantahof während acht Tagen Kot und Urin gesammelt und gewogen und es wird auch das Fress- und Wiederkauverhalten gemessen. Die täglichen Arbeiten in den Respirationskammern werden von den Mitarbeitenden der ETH und den Mitarbeitenden des Strickhof Ausbildungs- und Versuchsbetriebs vorgenommen.

Forschung für die Praxis zum Thema «LongLifeCow»
Es sind Wissenschaftler der UZH und der ETH, die Forschungsprojekte in den Respirationskammern unter Leitung der entsprechenden Hochschul-Professoren durchführen. «Aber auch Lernende der Höheren Fachschule für Agrarwirtschaft des Strickhofs werden Untersuchungen durchführen», betont die Koordinatorin. Die ersten Erhebungen von Forschungsdaten im Provisorium SWZ fliessen in Florian Grandls Dissertation mit dem Thema «Treibhausgasemissionen aus Milchproduktionssystemen basierend auf einer Langlebigkeitsstrategie im Vergleich zu herkömmlichen Systemen», kurz LongLifeCow genannt, ein. Dabei geht es darum, herauszufinden, welche Milchproduktions-Strategie punkto Wirtschaftlichkeit und Treibhausgasemissionen besser abschneidet: die mit einer High-Input/High-Output-Strategie mit kurzer Nutzungsdauer oder die Langlebigkeitsstrategie mit geringen Kraftfutter-Inputs und moderaten Laktationsleistungen. Die Resultate dieser Fragestellung sind für die künftige Praxis der Schweizer Milchwirtschaft von grosser Bedeutung. «Dazu werden in den Respirationskammern die Atemgase der Tiere gemessen», gibt Dr. Carla Soliva zur Auskunft. Das heisst wie viel Kohlendioxid und Methan die Tiere abgeben und wie viel Sauerstoff sie aufnehmen. Insbesondere der Methanausstoss interessiert die Forschenden. Denn Methan ist nicht nur ein potentes Treibhausgas, sondern stellt für den Landwirt auch einen Kostenpunkt dar: Rund sieben Prozent der Futterenergie wird in der Milchkuh mit typisch schweizerischen Futterrationen in Methanenergie umgewandelt und ausgeatmet. Gemessen werden aber auch die Futteraufnahme der Kühe sowie Menge und Energiegehalt der daraus produzierten Milch.

Von den insgesamt sechs Respirationskammern sind die beiden grossen für Kühe und die beiden mittleren für Rinder in Betrieb. In der zweiten Hälfte von 2014 ist ein Versuch mit Schafen in den mittleren Respirationskammern angedacht, die sich auch für Schweine eignen. Zusätzlich sind zwei kleine Respirationskammern für Kleintiere wie Ferkel oder Hühner demnächst fertig installiert und somit bereit für die Inbetriebnahme. (weid)

Weitere Informationen: www.agrovet-strickhof.ch