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Fehlendes Wissen über den boomenden Rohstoff

In der Schweiz kommen immer mehr proteinreiche Lebensmittel auf den Markt; die Konsumenten belohnen die Innovationen mit stark steigenden Verkaufszahlen. Noch harzt es bei der Produktion von inländischen pflanzlichen Rohstoffen.

Kichererbsen, Linsen, Bohnen, Erbsen…diese und weitere eiweissreiche Nahrungsmittel finden immer öfter den Weg ins Ladenregal in Form von Highprotein- oder sogar Fleischersatzprodukten. Aktuell werden dafür die meisten Pflanzenprodukte importiert. Doch wären auch Rohstoffe aus der Schweiz gefragt? An der Tagung Protein Power schuf das Strickhof Team Betriebsentwicklung unter der Leitung von Dany Schulthess eine Plattform, bei der Personen aus der Lebensmittelindustrie und potenzielle Rohstoffproduzenten dieser Frage nachgehen konnten.

Weltweite Lieferschwierigkeiten

Die Tagung war inspirierend wie verpflichtend. Es wurde bald klar, dass Lebensmittelverarbeiter an proteinhaltigen, pflanzlichen Rohstoffen aus der Schweiz interessiert sind. Markus Lüssi von der Bischofszell Nahrungsmittel AG ermahnte, dass aufgrund der Pandemie weltweit Lieferschwierigkeiten bestehen, weshalb es von grossem Vorteil wäre, wenn die Schweiz mehr von ihren benötigten Rohstoffen selber herstellen könnte. Und die Herkunft Schweiz sei den Konsumenten wichtig! Auch Planted Foods AG hofft auf Produzenten aus der Region. Das Start-up stellt im Kemptthaler «Valley» aus Gelberbsen, Linsen, Ackerbohnen und weiteren Rohstoffen Fleischersatzprodukte her. Täglich sind 30 Forscherinnen und Forscher daran, ihre Produkte weiterzuentwickeln und neue zu kreieren. Ebenso ist das Start-up FynFoods, das aus Schweizer Kichererbsen Hummus herstellt, auf der Suche nach Produzenten.

Verarbeitung beachten

Thomas Nemecek von der Agroscope erläuterte anhand von Studien die Stickstoff-Effizienz von pflanzlichen Energieträgern, die höher liegt als bei tierischen Produkten. Denn Leguminosen können den Strickstoff aus der Luft fixieren, was die Treibhausgas- und Ammoniakemissionen in der ganzen Fruchtfolge erheblich reduziert. Weiter präsentierte er eine Studie, die die Ökobilanzen von Kuhmilch und pflanzlichen Alternativen miteinander verglich. Dabei schnitt die Kuhmilch (ausser dem Cashew-Drink) am schlechtesten ab. Wenn jedoch der Proteingehalt berücksichtigt wird, ist die Kuhmilch wieder ganz vorne mit dabei; nur der Sojadrink schnitt besser ab. Thomas Nemecek beurteilt pflanzliche Proteinprodukte grundsätzlich als sehr vielversprechend, sie seien aber nicht immer nachhaltiger. Jedoch würden sich die Technologien rasant entwickeln, was zukünftig zu entscheidenden Veränderungen in der Ökobilanz führen könne.

Hohe Ansprüche auf dem Feld

Doch wie steht es um den Anbau in der Schweiz? Martin Bertschi vom Strickhof und Sven Studer von der Jucker Farm berichteten von ihren Erfahrungen im Anbau von Kichererbsen. In diesem Bereich sei in der Schweiz erst wenig Wissen vorhanden und auch bezüglich Sortenwahl bestehe weitgehend Unklarheit. Leider war der Sommer 2021 derart nass, dass die Kichererbsen gemulcht werden mussten. Martin Bertschi zeigte auf, dass nebst den vielen Chancen, die Leguminosen bieten (grosse Nachfrage, Stickstofffixierung, ökologischer Mehrwert…etc.), das beschränkte Ertragspotenzial, die hohen Transport- und Trocknungskosten, aber auch der hohe Anspruch in Bezug auf Boden, Wetter, Klima zu beachten seien. Trotzdem: Die Jucker Farm gibt nicht auf und versucht es nächstes Jahr nochmals, um ihre eigenen Hofprodukte zu produzieren und weitere Erfahrungen in Bezug auf geeignetes Saatgut und Anbautechnik zu sammeln. Denn der Absatz von beispielsweise Hummus sei sensationell, so Sven Studer.

Text: Ursina Berger, Strickhof