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Herausforderung: nachhaltiger Rapsanbau

Der Strickhof begleitet einen Versuch für nachhaltigen Rapsanbau. Georg Feichtinger zeigt auf, wie gegen die Schädlinge vorgegangen werden kann.

Der Versuch für nachhaltigen Rapsanbau ist im Spätsommer 2020 gestartet und hat zum Ziel, auf Herbizide und Fungizide zu verzichten sowie Insektizide nur nach Bekämpfungsschwelle und Beratung einzusetzen. Der Versuch wird von der HAFL geleitet und die elf teilnehmenden Produzenten sind über das ganze Schweizer Mittelland verteilt. Der Strickhof betreut die beiden Standorte im Kanton Zürich. Martin Bertschi vom Team Pflanzenbau hat die beiden Landwirte in der Wahl der Untersaat beraten, Georg Feichtinger von der Fachstelle Pflanzenschutz hilft ihnen, die Schädlinge zu überwachen, berät sie über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und führt zusammen mit zwei Praktikantinnen die Felderhebungen für die HAFL durch.

Ideale Bodenbearbeitung

Raps mit den oben genannten Vorgaben anzubauen, ist eine Herausforderung. Das Saatbeet muss ohne Klumpen und mit genügend Feinerde optimal hergerichtet werden, damit der Raps mit genug Restfeuchte möglichst rasch auflaufen kann. «In der Bodenbearbeitung kann man sich keinen Fehler erlauben», sagt Georg Feichtinger. Wächst der Raps zügig in die Höhe, kann mindestens eine frühe Behandlung gegen den Rapserdfloh oft umgangen werden. Doch es gilt, den Befall regelmässig zu kontrollieren. «So kann unter Berücksichtigung des Wachstums die Bekämpfungsschwelle der Schädlinge ausgereizt werden», sagt Georg Feichtinger. Die Bearbeitung des Saatbeets und die Beobachtung der Schädlinge erfordert von den Landwirten, dass sie sich genügend auf diese Kultur konzentrieren.

Beiträge lösen

Die teilnehmenden Landwirte erhalten die REB-Beiträge für den herbizidlosen Anbau und sie können sich bei IP-Suisse anmelden. Müssen trotzdem Insektizide eingesetzt werden, meldet man sich wieder ab. Je nach Bodenbearbeitung können die Beiträge für schonende Bodenbearbeitung ebenfalls gelöst werden.

Vorgehen teilnehmender Landwirt

Stefan Beugger aus Ellikon am Rhein hat den Boden nach der Getreideernte zweimal mit der Scheibenegge bearbeitet. Zwischendurch fallende Niederschläge haben ein gut abgesetztes Saatbeet geschaffen. Er hat den Raps bereits am 20. August 2020 mit Untersaat gesät, weil sich der Raps in der Untersaat weniger schnell entwickelt. Der Raps wuchs zügig, so dass er nur gering vom Rapserdfloh befallen wurde, oder aber der Rapserdfloh hat den Raps in der Untersaat zu wenig erkannt. Allerdings geht Stefan Beugger nun das Risiko ein, dass der bereits recht hoch gewachsene Raps bei tiefen Temperaturen abfrieren könnte. Da die Wurzeln aber sehr gut entwickelt sind, kann der Raps viel mit Ersatztrieben kompensieren, auch nach mittlerweile seltenem Starkfrostereignis.

Strategie gegen Rapsglanzkäfer

Das frühe Säen im Herbst soll auch im Frühling zum Erfolg verhelfen: Hat die Pflanze bereits reichlich Wurzeln gebildet, erwischt sie mehr Feuchte und kommt dadurch schneller in die Blüte. So bleibt dem Rapsglanzkäfer weniger Zeit, die Knospen abzufressen. Allenfalls kann so auf ein Insektizid verzichtet werden. Der Zuflug des Rapsglanzkäfers kann mit dem Gesteinsmehl Surround (Wirkstoff Kaolin) reduziert werden. Zudem fühlt sich dieses beim Rapsglanzkäfer wie Sand zwischen den Zähnen an und führt so zu weniger Frass. Im Projekt bevorzugt eingesetzt werden Ablenkstreifen und Randbehandlungen.

Erfolg setzt unter Druck

Das mehrjährige Projekt wird von der Rapsölbranche im Rahmen ihrer Mehrwertstrategie unterstützt. Georg Feichtinger gibt zu bedenken, dass erfolgreiche Projektergebnisse nicht unkritisch direkt auf den flächendeckend Rapsanbau übertragbar sind. Die Berater könnten die Produzenten nicht mehr gleich intensiv wie beim Versuch unterstützen. Die Landwirte müssten selber verlässliche und zeitaufwändige Befallserhebungen machen, um unter Einbezug weiterer Faktoren die Bekämpfungsschwellen auszureizen. Mittlerweile ist es auch möglich, dass über drei Versuchsjahre kein starker Frost auftritt. Das Risiko wirtschaftlich relevanter Auswinterung bleibt aber bestehen. Herausforderungen also, die Idealismus, grosse Motivation und eine Prise Risikobereitschaft der Produzenten voraussetzen.


Das Projekt „Nachhaltiger Rapsanbau“ wird gemeinsam von der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) und der Branchenorganisation swiss granum umgesetzt. Die involvierten Praxisbetriebe werden betreut in Zusammenarbeit mit dem Forum Ackerbau sowie der Groupe Culture Romandie. Finanziert wird das Beratungsprojekt vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), von Marktpartnern entlang der Wertschöpfungskette (Schweizerischer Getreideproduzentenverband, Florin AG, fenaco Genossenschaft, Zweifel Pomy Chips AG) sowie der Branchenorganisation swiss granum. Das Projekt wurde im September 2020 gestartet und dauert bis März 2024.

Text: Ursina Berger

Strickhofmitarbeiterinnen während den Felderhebungen zu Bestandesdichte, Untersaatpflanzen und Stadium.