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«Eine Geheimformel haben wir nicht»

Die Apfel-Ernte 2020 fällt überdurchschnittlich aus. Andreas Klöppel, Betriebsleiter Obstbau, über eine anspruchsvolle Saison und seine neuste Apfelmischsaft-Kreation.

Nur noch wenige Tage, dann ist Ernteschluss. Wie beurteilen Sie das Jahr 2020 in Bezug auf die Apfelernte?

Andreas Klöppel: Dieses Jahr haben wir einen sehr guten Ertrag erzielt. Und das, obschon wir viel remontiert, also Bäume gerodet und neue gepflanzt, haben. Die Frühjahrestrockenheit erforderte enormes Fingerspitzengefühl bei der Bewässerung. Allgemein war es wettertechnisch spannend, da es von allem ein bisschen gab. So war es beispielsweise nicht ein typisch heisser Sommer wie in den letzten Jahren, der trocken und lange war. Sondern es gab immer wieder schöner Landregen. Dieses Jahr war wirklich ein wüchsiges Jahr.

Gab es sonst noch Unterschiede zwischen diesem und den Vorjahren?

Die Sonne zeigte sich häufig und der Regen kam in diesem Jahr wirklich immer zur rechten Zeit, beispielsweise anfangs September. Die Zellen der Äpfel wurden so nochmals gefüllt, so dass wir eine richtig schöne Ernte hatten. Dieses Jahr war für den Geschmack und den Ertrag super. Ausserdem trieben die Bäume 10 oder sicher 14 Tage früher aus, entsprechend früher war die Blüte. So waren wir mit allen Arbeiten eher dran, auch mit der Ernte. Leider trugen die Hochstämmer in Folge Alternanz weniger Äpfel, so dass die Ernte bei diesen schneller zu Ende war.

Was hat Sie dieses Jahr besonders gefreut?

Dass die Junganlagen so schön geblüht haben und die Früchte von guter Qualität sind. Wir haben viel in die Jungbaumpflege investiert und einiges mit der Bewässerung gesteuert. Es freut einem dann, wenn das Resultat auch dementsprechend ausfällt. Obwohl unsere Bäume bei den Sorten Topaz, Ladina und Santana erst zwei, drei Jahre alt sind, lieferten sie schon sehr gute Erträge. 

Was waren weniger erfreuliche Erlebnisse?

Ärgerlich war, dass dieses Jahr im März während des Austriebs beziehungsweise des Knospenschwellens gleich acht heftige Frostnächte kamen. Beispielsweise bei der Sorte Topaz haben wir nun viele Früchte, die Frostzungen haben. Bei der Sorte Gala waren manche Früchte deformiert durch die Zellschädigung wegen des Frosts. Dadurch erforderte die Apfelernte noch mehr Aufmerksamkeit und damit mehr Zeit. Das wiederum senkt unsere Ernteleistung, weil die Äpfel sortiert werden mussten. Wir können eben nur schön aussehende Früchte verkaufen.

Andreas Klöppel, Betriebsleiter Obstbau am Strickhof.

Was machen Sie mit dem Ausschuss?

Der Ausschuss beträgt je nach Sorte bis zu einem Viertel. 90 Prozent unsres aktuellen Ausschusses hat Frostzungen. Damit lässt sich aber wunderbaren Most produzieren.

Der Strickhof-Most hat immer wieder Preise gewonnen. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

(lacht) Eine Geheimformel haben wir nicht, ich mische auch die Sorten unterschiedlich. Aber auf dem sicheren Weg zu leckerem Most sind diejenigen, die gesundes Ausgangsmaterial verwenden. Dann ist es wichtig, dass sauber gearbeitet wird. Nach dem Mosten am Abend putzen wir zwei Stunden lang unsere Mostanlage. Wir benutzen auch nur wirklich reifes Obst, um den Fruchtzuckeranteil hoch zu halten. Wiederum ist aber auch eine gewisse Säure wichtig, dass der Most nicht einfach langweilig süss schmeckt.

Auf welchen Preis sind Sie am meisten stolz?

2019 holten wir an der «Schweizer Fruchtsaft- und Cider-Prämierung» des Schweizer Obstverbandes mit unserem Apfel-Quitten-Saft Gold sowie den Kategoriensieg. 2020 wurden wir mit unserem Süssmost Kategoriensieger und holten die Goldmedaille. Das hat mich besonders gefreut.

Welche Apfelmischsäfte werden am Strickhof angeboten ?

Wir bieten Most gemischt mit Quitten-, Zwetschgen- oder Sauerkirschen-Saft an. Neu gibt es eine Mischung Apfel-Aprikose. Die Äpfel liefern die nötige Süsse, die Aprikosen verleihen dieser Kreation eine unverwechselbare Note. Diese Mischung finde ich besonders lecker. Was mir für die Zukunft noch vorschwebt, ist diese Kreation zu perfektionieren und eine neue Mischung herauszugeben, die weniger Mainstream ist. Gerne würde ich beispielsweise einen roten Johannisbeeren-Saft mit Most mischen. Auch hier lässt sich aus der Kombination süsser Apfel – saure Johannisbeere sicher etwas Gutes machen.

Vielseitige Erfahrung im Bereich Obstbau

Andreas Klöppel arbeitet seit bald sechs Jahren als Betriebsleiter Bereich Obstbau am Strickhof. In seinen Anlagen gibt es nebst diversen Apfel- und Birnensorten auch einiges an Steinobst und Beeren. Er hat zuerst eine Ausbildung als Gärtner Fachrichtung Obstbau absolviert. Nach dem er als Versuchstechniker gearbeitet hatte, machte er in seinem Fachgebiet Obstbau den Meister. Er hat danach auf grösseren Obstbaubetrieben gearbeitet, unter anderem auf einem Bioobstbaubetrieb, später wechselte er später in die Vermarktung. Bevor er am Strickhof angefangen hat, hat er nur für sich im privaten Rahmen gemostet und damit experimentiert. Nun gewinnt Andreas regelmässig mit dem Strickhof-Süssmost Auszeichnungen.

Interview: Lara Zimmermann

Dieses Jahr sind die meisten Ausschuss-Äpfel von Frostzungen betroffen. Wie dieser Apfel der Sorte Topaz, haben auch Galaäpfel frostbedingt leichte Deformationen wie Schieflagen.