So finden Sie uns

Strickhof
Eschikon 21
CH-8315 Lindau
+41 58 105 98 00
info@strickhof.ch

Strickhof auf Social Media

Dr. Laurenz Müller, Strickhofdirektor von 1970 bis 1998, ist verstorben

Der ehemalige Strickhofdirektor Dr. Laurenz Müller ist am 21. Januar 2021 verstorben – ein feinfühliger Mensch mit weitem Hintergrund und tief überzeugtem Einsatz für die Landwirtschaft.

 

Ein feinfühliger Mensch mit weitem Hintergrund und tief überzeugtem Einsatz für die Landwirtschaft hat uns am 21.1.2021 verlassen. Aus einer Arztfamilie stammend war es Laurenz Müller (geb. am 16.2.1935) kaum in die Wiege gelegt, seine berufliche Tätigkeit der landwirtschaftlichen Berufsbildung zu widmen. Auch sein akademischer Werdegang mit Auslandaufenthalten in Israel, London und Paris und seine Tätigkeit beim nachmaligen Volkswirtschaftsdirektor, Hans Künzi, in dessen Volkswirtschaftlichem Institut liessen dies nicht vermuten. Doch dann spurte der ETH Agronom Laurenz Müller Richtung Landwirtschaft. Es folgten berufliche Zwischenschritte beim Bundesamt für Landwirtschaft, BLW, Bei der Abteilung Landwirtschaft der ETH und eine Dissertation zur Entwicklung der Anbauplanung in Notzeiten.

Dieser Hintergrund hat Laurenz Müller befähigt, motiviert und wohl auch verpflichtet, bei allem Respekt für Tradition und Bauerntum, stets Neues zu wagen und Innovation nicht als Bedrohung, sondern als Notwendigkeit und Chance für die Bauern zu begreifen.

Der Regierungsrat wählte ihn 1971 zum Direktor der kantonalen  Landwirtschaftsschule Strickhof. Seine Wahl fiel in eine bewegte Zeit. Die neue Aufgabe trat er noch am alten Strickhof, der heutigen Universität Irchel in Zürich, an. Gleich zu Beginn musste er sich mit der Verlegung der Schule nach Eschikon befassen. Neben der Bauplanung galt es eine neue Organisationsstruktur aufzubauen. Im Jahre 1976 konnte der Strickhof Eschikon eingeweiht werden. Mit dem Rückgang der Landwirtschaft nahm auch die Zahl der Schüler ab. Landwirtschaftsschulen mussten geschlossen oder zusammengelegt werden. Gleichzeitig engagierte sich Laurenz Müller für eine zeitgemässe Ausweitung das Ausbildungsangebot.

Laurenz Müller war als Chef seiner Zeit voraus. In Zeiten, da Direktoren von Landwirtschaftsschulen noch konkurrierende «Patrons» mit starkem Fokus auf ihr Einzugsgebiet waren, nahm Laurenz Müller Schüler aus der ganzen Schweiz auf. Er liess seinen Lehrerinnen und Lehrern viel Freiraum. Mit seinem offenen Geist scharte er Landwirtschaftslehrer um sich, die kreative Köpfe waren oder in ihrem Fachgebiet Koryphäen wurden. Er gab immer auch jüngeren Lehrerinnen oder Lehrern eine Chance. Es galt eine Teamkultur, wo Dialog und Auseinandersetzung wichtiger waren als Anpassung und Gehorsam. Einige der jungen Wilden blieben, andere zogen irgendwann weiter, auf eigene Höfe oder auch an andere Landwirtschaftsschulen.

Am Strickhof entstand die erste Technikerschule für Agrarwirtschaft, die erste Biofachstelle und eine der ersten Berufsmaturiätsschulen. Während seiner Direktoralzeit baute der Strickhof nach dem Fall «der Mauer» Beziehungen in die Weiten Ostdeutschlands auf, nach Haldensleben. Der Strickhof war eben nicht nur eine «Bauernschule», sondern immer auch ein Bindeglied zwischen Regionen, Landesgegenden, Kulturen und ganz besonders zwischen Stadt und Land.

So entstand  am Strickhof ein Saatbeet, wo die Idee von «AGROVET-Strickhof» gedeihen konnte; ein einmaliger Ort, wo sich mittlerweile die Wege von Forschern, Studenten, Praktikern und Lernenden kreuzen und gemeinsam von einer einmaligen Infrastruktur profitieren. Zu Zeiten als sich die Politik noch mit einer rein betriebswirtschaftlichen Optik über eine Verpachtung von «Gutsbetrieben» Gedanken machte, kämpfte Laurenz Müller für einen umfassenden Schulbetrieb. Dazu gehörten möglichst viele Betriebszweige, nicht nur für die Ausbildung der Bauern sondern auch als Fenster für die Öffentlichkeit  zur Landwirtschaft. Dazu gehörte ebenso die Forschung als Bindeglied zur Praxis. Es entstand ein attraktives Gebilde aus der Schule mit dem heutigen Ausbildungs- und Versuchsbetrieb, erweitert um die Betriebsteile Trotte und Mutterkuh-Haltung in Wülflingen, dem voralpinen Betrieb auf dem Zugerberg und der Alp Weissenstein am Albulapass. Alle Fachdiziplinen und alle Höhenstufen: Alles ist Thema am Strickhof. Dieser Mix kommt der Praxis zugute und macht den Strickhof für die Forschung attraktiv.

Im Rückblick auf all diese Impulse, die von Laurenz Müller ausgingen, ist man erstaunt, wie diesem feinfühligen stets bescheidenen und zurückhaltenden Menschen dies gelingen konnte. Wer ihn kannte, weiss wohl: Es war seine Menschlichkeit, die ihm zu Respekt verholfen hat. Es war sein beharrlicher Optimismus und es war seine tiefe Liebe zur Landwirtschaft und auch: Es war seine Frau Annemei, die ihn unterstützte.

 

Rolf Gerber, ehem. Chef ALN

Dr. Walter Meier, ehm. Präsident der Kant. Landwirtschaftlichen Bildungskommission

Marc Kummer, Strickhofdirektor bis 2007, Nachfolger von Laurenz Müller