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Bio-Ackerkulturen: Vielseitig und mit grossem Potenzial

Erkenntnisse aus Praxisversuchen, vielversprechende Kulturen und Sorten sowie innovative Anbautechniken: Die Flurbegehung auf dem Stiegenhof bot spannende Einblicke in den Bio-Ackerbau.

Mehr Swissness im Bier: Das ist das Ziel von Regiomalz. Das Startup-Unternehmen will in der Ostschweiz eine Mälzerei aufbauen und dort Schweizer Braugerste verarbeiten. Heute werde Malz grösstenteils importiert, sagte Andreas Schmidli von Regiomalz an der Flurbegehung Bio-Ackerbau auf dem Stiegenhof vom 25. Juni 2021.

Auf dem Bio-Partnerbetrieb des Strickhofs werden aktuell vier Braugersten-Sorten getestet. Wichtig sei ein Proteingehalt von unter 11,5 Prozent sowie ein möglichst hoher Anteil an Körnern, die grösser als 2,5 mm seien, erklärte Hansueli Brassel von der Genossenschaft Biofarm, die den Braugersten-Versuch betreut.

Will Schweizer Braugerste fördern: Andreas Schmidli (Mitte) vom Startup Regiomalz.

Gefragte Ackerkulturen

Nebst Braugerste wurden an der Flurbegehung weitere Bio-Nischenkulturen mit Potenzial vorgestellt. Zum Beispiel Speisehafer. Der Anbau habe in den letzten Jahren zugenommen. «Hafer ist zur Zeit sehr gesucht», erklärte Hansueli Brassel. Der Strickhof führt mit Biofarm derzeit einen Versuch mit verschiedenen Sorten durch, bei dem es um Saatstärke und den Saatzeitpunkt geht. Auch in diesem Versuch geht es um die richtige Qualität des Ernteguts. Beim Flockenhafer braucht es ein minimales Hektolitergewicht im Erntegut von 50 bis 54 Kilo; durch Aufreinigung wird schlussendlich das geforderte Hektolitergewicht von 54 kg erreicht.

Bei den grossen Ackerkulturen zeigt sich eine stark wachsende Nachfrage nach Körnerleguminosen, insbesondere nach Schweizer Bio-Soja – unter anderem, weil ab 2022 Knospe-Betriebe keine Importsoja mehr an Wiederkäuer verfüttern dürfen. Wie Andreas Rohner von der Fenaco ausführte, konnte die Menge in den letzten Jahren zwar stark gesteigert werden. Dennoch erwartet er eine grosse «Eiweiss-Lücke». Heuer würden rund 1’250 Tonnen erwartet, 2’500 Tonnen seien im nächsten Jahr das Ziel. «Es wäre wünschenswert, wenn der Mais-Anbau zugunsten von Leguminosen im Allgemeinen und Soja im Speziellen reduziert wird», sagte Andreas Rohner.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) führt auf dem Stiegenhof Streifenversuche mit Soja, Weissen und Blauen Lupinen durch. Unter anderem wird die neue Soja-Sorte Paprika von Agroscope/DSP getestet, die 2020 auf der Sortenliste aufgenommen wurde.

Christine Arncken vom FiBL präsentierte Versuche mit Weisse Lupinen-Sorten.

Beim Posten Körnerleguminosen wurden neben Soja auch Blaue und Weisse Lupinensorten vorgestellt. Agata Leska von der Getreidezüchtung Peter Kunz ortete bei den Lupinen grosses Potenzial – für die menschliche und tierische Ernährung. Das FiBL testet auf dem Stiegenhof Weisse Lupinen-Sorten, die resistent gegenüber der Pilzkrankheit Anthraknose sind.

Innovative Anbausysteme

Barbara Stäheli von der Fachstelle Biodiversität am Strickhof betonte, dass mit Blühstreifen gezielt Nützlinge gefördert werden können. Untersuchungen hätten gezeigt, dass mit dieser Massnahme insbesondere Getreidehähnchen und Blattläuse wirkungsvoll bekämpft werden könnten.

Weiter wurden den rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Flurbegehung Dinkel-, Weizen-, Linsen- und Hanfversuche vorgestellt. Auf dem Programm standen zudem auch experimentelle Anbausysteme wie der Staffelanbau Weizen/Roggen und Soja (Relay-Intercropping). Die Veranstaltung wurde von der Fachstelle Biolandbau des Strickhofs organisiert.